Umwelt

Wirksame Sofortmaßnahmen gegen Ebola-Epidemie nötig

21.09.14 - Der UN-Sicherheitsrat befürchtet eine Gefahr für "Frieden und Sicherheit" durch die in Westafrika - vor allem in Guinea, Liberia und Sierra Leone - grassierende Ebola-Epidemie und will eine Notmission in die betroffenen Regionen schicken. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief nach der Sondersitzung in der Nacht zum Freitag die Staaten weltweit auf, mehr zur Bewältigung der Krise beizutragen als bisher. Dabei ist die Hilfe der deutschen Bundesregierung viel zu spät und völlig unzureichend, u.a. will sie mobile Lazarette ohne Personal zur Verfügung stellen. Weltbankchef Jim Yong Kim machte im Vorfeld des G20-Gipfels in Australien mit zynischer Offenheit deutlich, dass es den Herrschenden nicht in erster Linie um die Genesung und Gesundheit der betroffenen Bevölkerung geht: Ebola könnte die gesamte Weltwirtschaft bedrohen.

Die aktuelle Epidemie hat schon mehr Menschen getötet als alle früheren Ebola-Ausbrüche zusammen. Margaret Chan, die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, glaubt, dass die bisher bekannten offiziellen Zahlen grobe Unterschätzungen seien. Erfasst seien bisher 5.500 infizierte Menschen und 2.500 Todesopfer. Die WHO schätzt, dass etwa 20.000 Menschen erkranken und die Hälfte davon sterben wird. 

Bereits in den 1980er Jahren gab es in der damals sozialimperialistischen Sowjetunion und später in den USA Versuche, das Ebola-Virus zu stabilisieren und transportfähig zu machen, um es als biologische Bombe einsetzen zu können.

Die "Rote Fahne" sprach mit Dr. med. Werner Strahl, dem Vorsitzenden der Hilfsorganisation "Cap Anamur" über die Ebola-Epidemie. Cap Anamur betreut seit fünf Jahren das einzige Kinderkrankenhaus und seit zwei Jahren ein Straßenkinderprojekt in Sierra Leones Hauptstadt Freetown.

Rote Fahne: Worauf ist Ihrer Meinung nach die rasante Ausbreitung des Ebola-Virus zurückzuführen?
Dr. Strahl: Die rasante Ausbreitung hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen, darunter
: extrem schlechte medizinische Infrastruktur mit fehlenden Isolierungsmöglichkeiten; mysteriöse Vorstellungen der Bevölkerung über die bis dahin unbekannte Erkrankung; Heilungsversuche durch lokale Heiler; verbesserte Reisemöglichkeiten bei bis zu 21-tägiger Inkubationszeit.

Rote Fahne: Obwohl das Virus seit 1976 bekannt ist, gibt es keine geeigneten Medikamente. Woran liegt das?
Dr. Strahl: Die bei früheren Epidemien relativ kleinen Erkrankungszahlen in begrenztem Gebiet erscheinen der Privatindustrie nicht so lukrativ, dafür die immer sehr aufwendige Impfstoff- oder antivirale Medimentenentwicklung und Testung zu starten. Da Ebola-Viren auch als biologischer Kampfstoff interessant sein könnten, wurde in Militärlaboren sicher auch Forschungen vorangetrieben, die aber wohl auch noch nicht anwendungsreif fortgeschritten sind - dies zum Glück! Impfungen werden schwierig bezüglich ihrer Dauerhaftigkeit zu machen sein, da dass Virusgenom oft mutiert.

Rote Fahne: Welche Rolle spielen in dem ganzen Prozess die sozialen Verhältnisse in den betroffenen Ländern? Welche Rolle spielt eine in den Medien dokumentierte Stigmatisierung der Erkrankten und ihrer Familien?
Dr. Strahl: Eine sehr große Rolle - Armut, schlechte Bildung, Zusammenbruch der Infrastruktur und der Regierungstätigkeit, die Sorge um sich verteuernde Nahrung verschlechtern natürlich die sozialen Bedingungen. Ausgrenzung der "gefährlichen" Erkrankten ist ohne eigene Schutzmöglichkeit verständlich, leider oft auch die Abweisung derer, die die Erkrankung lebend überstanden haben.

Rote Fahne: Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um mit dem Problem vor Ort und auch weltweit fertig zu werden?
Dr. Strahl: Rasche Einrichtung von ausreichend vielen Isolations- und Screening-Centren und Feldlaboren, damit die Ebola-Infizierten sicher von den jetzt in der Regenzeit überwiegenden behandelbaren Erkrankungen (Malaria, Typhus, Lungenentzündung, Unterernährung, Durchfall) therapiert werden können. Zudem muss erfahrenes und geschultes ausländisches Personal unter guter Einsatzleitung die Arbeit entschieden in die Hand nehmen und durch Vorbild und Schulung lokalem Personal Mut machen.

Rote Fahne: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview in voller Länge können Sie hier lesen.

Die nächste Print-Ausgabe der Roten Fahne nimmt ausführlich zum Thema Ebola-Epidemie Stellung und bringt weitere Interviews.