Betrieb und Gewerkschaft

FREI oder WILLIG? - Neues "OFFENSIV"-Flugblatt bei Opel in Bochum erschienen

FREI oder WILLIG? - Neues "OFFENSIV"-Flugblatt bei Opel in Bochum erschienen
Düsseldorfer Daimler-Kollegen beim Solidaritätsfest der Opelaner am 3.3.2013 in Bochum (rf-foto)

17.09.14 - OFFENSIV, die Initiative für eine kämpferische gewerkschaftliche Betriebsratsarbeit bei Opel in Bochum, gab heute ein Flugblatt unter der Überschrift "FREI oder WILLIG?" heraus, in dem es unter anderem heißt:

"Freiwillig" sollen wir nun also unseren Arbeitsplatz und unsere Ehre verkaufen. Angesichts der Aktion im Lack und der massenhaften Kritik an der ganzen Verarschung wird GM zunehmend nervös. Aber nicht nur die, auch in Regierung, Medien und bei einigen Co-Managern in IGM und BR ist von ganz oben angeordnet, alles in die Waagschale zu werfen, um uns ruhig zu halten und bis zum 30.9. die Unterschrift zu bekommen:

  • Am 11.9.14 titeln gleich geschaltet die überregionalen Großblätter Welt, Stern, Süddeutsche: "Werkschließung in Bochum – Der Kampf um Opel ist vorbei". Tausende freie Stellen warten angeblich draußen auf uns. Kritische Meldungen werden hingegen zensiert.
  • Ja, die Abfindung ist etwas höher als in anderen Betrieben. Letztlich ist es nichts als "Schweigegeld", um uns ruhig zu halten. Das lassen sie sich ganz schön was kosten!
  • In einem gemeinsamen Brief bestehen Geschäftsleitung und IG Metall-Führung nervös auf unseren Unterschriften zum 30.9.: "Die offenen Punkte stehen einer Unterzeichnung bis zum 30.9. daher nicht entgegen." Obwohl die IGM Bochum letzte Woche noch einen genau entgegengesetzten Brief angekündigt hatte ...

Die gleichzeitige Drohung "wer nicht unterschreibt, bekommt keine TFG" ist nichts anderes als Nötigung! ... Genau deshalb tun sie das alles: Weil spätestens seit dem Streik 2004 ganz Deutschland auf Opel Bochum blickt. ...

Natürlich geht es auch um jeden persönlich und um seine Familie. Für uns persönlich heißt der Aufhebungsvertrag Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und Altersarmut. Natürlich findet der eine oder andere einen Job oder ist mit dem Geld "zufrieden" - aber können wir bei solch grundsätzlichen Fragen nur an uns denken? Gleichzeitig soll jeder von uns nur rechnen, ob es für ihn "irgendwie" passt. Dabei sollten wir wie GM diese Auseinandersetzung als das behandeln, was sie ist: ein Politikum, das die ganze Entwicklung der Arbeiterbewegung in Deutschland beeinflussen kann.

Jede Abfindung ist eben auch nur eine kurzfristige finanzielle Verbesserung. Langfristig verschlechtern wir unsere persönliche Situation, wenn wir uns den Arbeitsplatz abkaufen lassen. Die Arbeitsplätze fehlen in der Region, den Kindern und Enkeln. Ein individueller Ausweg ist eben immer nur für einen kleinen Teil und nur zeitweise möglich. Und er geht – ob man will oder nicht – immer auf Kosten einer wirklichen langfristigen Verbesserung unserer Lage. Einen wirklichen Ausweg aus der ganzen Misere kann es immer nur gemeinsam geben, wenn wir als Belegschaft und als Arbeiterklasse denken und handeln.

In dieser Gemeinsamkeit sind wir auch stärker als GM. In ihrer Hoffnung auf die "freiwillige Kündigung" liegt nämlich zugleich auch ihre empfindliche Stelle: Was, wenn wir uns die Freiheit nehmen, nicht "willig" zu sein und nicht unterschreiben? ...

Das Flugblatt in voller Länge steht hier im pdf-Format zur Verfügung