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Erbitterte Kämpfe zur Verteidigung von Kobanê - europaweite Solidaritätsaktionen

Erbitterte Kämpfe zur Verteidigung von Kobanê - europaweite Solidaritätsaktionen
Kurdische Kämpferin (foto: firatnews.com)

05.10.14 - Seit 21 Tagen wird mittlerweile die Stadt Kobanê in Rojava, der kurdischen Region im Norden Syriens, von den islamistisch-faschistischen IS-Milizen massiv angegriffen. Kobanê ist das Zentrum eines der drei Kantone, in denen nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien eine demokratische Selbstverwaltung aufgebaut wurde. Diese und vor allem auch die dort erzielten Erfolge im Kampf um die Befreiung der Frau wollen die IS-Faschisten liquidieren und im Blut ersticken. Sie haben alle Kräfte mobilisiert, um Kobanê einzunehmen und greifen die Stadt von Westen, Osten und Süden mit modernsten Waffen und Tausenden Soldaten an.

In der vergangenen Nacht kam es laut der kurdischen Nachrichtenagentur "firatnews.com" zu den stärksten Artilleriebombardements seit Beginn der IS-Offensive am 15. September. Doch die Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG und Kämpferinnen der Frauenverteidigungseinheiten YPJ leisten erbitterten Widerstand. Dutzende Angreifer der IS wurden heute Nacht bei Zusammenstößen um die strategisch wichtigen Miştenur-Hügel getötet. An der Ostfront gelang es den YPG/YPJ-Guerillas, ein Munitionslager des IS zu zerstören.

Weiterhin besteht jedoch die akute Gefahr, dass Kobanê von den IS-Truppen überrollt wird. Das Hauptproblem der YPG und YPJ besteht darin, dass sie nur leichte Waffen haben und dringend internationale Unterstützung brauchen. Meryem Kobanê, ein YPG/YPJ-Kommandant in Kobanê: "Wir werden jeden Zentimeter bis zum Ende verteidigen und Kobanê zur Hölle für den IS machen!"

Zehntausende sind mittlerweile dem Aufruf der Kurden in Rojava gefolgt und halten seit Wochen Wache an der türkischen Grenze zu Kobanê, um das Einsickern von IS-Terroristen aus der Türkei und mögliche Angriffe des türkischen Militärs auf die YPG und Flüchtlinge zu verhindern. Darunter sind auch zuvor aus Kobanê Geflüchtete, die den Grenzzaun niedergerissen haben, um sich nun dem organisierten Widerstand in der Stadt anzuschließen. Die Solidaritätsbrigaden an der Grenze werden immer wieder von Polizei und Militär der Türkei attackiert.

Obwohl sich die IS-Schergen teilweise verdächtig nah an die türkische Grenze wagen, lässt die Türkei sie gewähren. Auch die 40 türkischen Panzer, die jetzt laut "Informationsstelle Kurdistan" zusätzlich an die Grenze zu Kobanê verlegt wurden, dienen vermutlich eher der Vorbereitung auf die Errichtung einer sogenannten "Pufferzone" in Rojava. Was sich scheinbar "neutral" und "friedensstiftend" anhört, ist in Wirklichkeit der Versuch, die Kontrolle über die kurdischen Gebiete in Nordsyrien zu gewinnen, um dort die demokratische Selbstverwaltung zu zerstören.

Was von den Angriffen der sogenannten "internationalen Anti-IS-Koalition" unter Führung der USA zu halten ist, macht Meryem Kobanê deutlich: "Sie haben bisher kein einziges größeres Ziel bombardiert, sondern nur solche Ziele, die keinerlei Auswirkung auf die Kämpfe haben."

Umso wichtiger, dass sich die internationale Solidarität zur Verteidigung von Rojava verstärkt. In ganz Europa fanden am Wochenende in zahlreichen Städten Solidaritätsaktionen statt. In Köln gingen 5.000 auf die Straße, in Berlin rund 1.000, in Herborn waren es ebenfalls 500 bis 1.000. Weitere Aktionen gab es unter anderem in Hamburg und Frankfurt/Main. Vom Frauenpolitischen Ratschlag wurde gestern Abend eine spontane Solidaritätsdemonstration in Chemnitz durchgeführt. Auch die MLPD hat dazu viel unternommen (siehe Aufruf von Monika Gärtner-Engel) und ruft für die nächsten Tage und Wochen zu weiteren Solidaritätsaktionen auf. Am morgigen Montag wird das auch ein Schwerpunkt vieler Montagsdemos sein.