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Frauenpolitischer Ratschlag packt "heiße Eisen" an: "Wir tragen das Feuer der Frauenbewegung auf die höchsten Berge"

Frauenpolitischer Ratschlag packt "heiße Eisen" an: "Wir tragen das Feuer der Frauenbewegung auf die höchsten Berge"
Unter den Augen von Karl Marx

04.10.14 - Punkt 10 Uhr begann am heutigen 4. Oktober in Chemnitz am Karl-Marx-Monument die Auftaktkundgebung einer kämpferischen, vielfältigen und nachdenklichen Demonstration mit 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmern: die Demonstration des 11. Frauenpolitischen Ratschlags. 

Es war ein erhebender Augenblick, als sich die über 20 Gastfrauen aus vier Kontinenten und 50 Migrantinnen auf Einladung des Kämpferischen Frauenrats unter dem mächtigen Denkmal von Karl Marx versammelten, die Demonstration des 11. Frauenpolitischen Ratschlags und die Bevölkerung der Stadt Chemnitz in ihrer jeweiligen Muttersprache herzlich grüßten und ihr besonderes Anliegen vortrugen.

"In jedem Aspekt des Lebens zeigen wir Frauen, welche Kraft wir sind", diese Maxime prägte die Demonstration. Entsprechend wurden die "heißen Eisen", die gestern im solidarischen Meinungsstreit besprochen wurden, auf die Straße getragen: der Kampf der Frauen für die Freiheit des kurdischen und des palästinensischen Volkes, wie die Frauen zusammen mit den Männern um jeden Arbeitsplatz kämpfen, ihren Beitrag für die Rettung der menschlichen Lebensgrundlagen vor der Profitwirtschaft, die Auflehnung gegen erniedrigenden und beleidigenden Sexismus, wie es gelingt, weltweit Millionen von Frauen zu organisieren und sie ihre bedeutende Rolle im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung überhaupt spielen.

Am Vortag hatte beim "heißen Eisen Frauenbefreiung" Sinam Mohamed, die Co-Vorsitzende des Volksrats Westkurdistans (Rojava), eindringlich die Situation dort geschildert. Der Freiheitskampf der Frauen von Rojava und ihre revolutionären Errungenschaften sind den Herrschenden aller Herren Länder ein Dorn im Auge. "Ich glaube", so Sinam, "es gibt niemand in der Welt, der so kämpft gegen die Mörderbanden der IS wie die kurdischen Frauen. Die YPG-Kämpferinnen und -kämpfer tun dies für uns alle!" 

Wie in einem Brennglas zeigte die Abschlusskundgebung die ganze Vielfalt der Beziehungen der kämpferischen Frauenbewegung und der Weltfrauen: zur Arbeiterbewegung, zur Umweltbewegung, zur Jugend, zum Kampf um ein menschenwürdiges Asylrecht, zum Widerstand gegen die Hartz-Gesetze, zum Friedenskampf, zum Freiheitskampf in Kurdistan und Palästina und zum Kampf um die Befreiung der Frauen im echten Sozialismus.

Für die Partei "DIE LINKE" sprachen auf der Demo Zamam Masudi aus Hamburg und für die MLPD Monika Gärtner-Engel, stellvertretende Parteivorsitzende.  

Brennende Sorgen und Nöte kamen zur Sprache, z.B. im Beitrag einer Gastfrau aus Südafrika: "Wir haben seit Jahren mit Aids zu kämpfen. Unsere Bevölkerung wird regelrecht dezimiert. Jetzt kommt Ebola dazu. Sie bombardieren uns mit Zahlen. Im nächsten Monat sollen es schon 20.000 sein, die gestorben sind. Wir brauchen dringend internationale Unterstützung. Unterstützung von Ärzten, Medikamente." Nachmittags berichteten Frauen vom philippinischen Frauenverband "Gabriela" im Forum "Basisfrauen organisieren und bewegen", wie sie unter den Frauen in den Slums Bildungsarbeit machen, von Tür zu Tür gehen, Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die Frauen organisieren.

Frauenbewegung und Umweltbewegung gehören engstens zusammen. Gerade Frauen sind weltweit von regionalen Umweltkatastrophen und der globalen Umweltkrise ganz besonders betroffen. Um so wichtiger ist es - so eine wichtige Auseinandersetzung im Forum "Mutter Erde retten" - auch in der Frauenbewegung eine Strategiedebatte über die Umweltbewegung zu führen.

Anna vom Jugendverband REBELL rief der Demo die jungen Frauen und Mädchen auf, den Weltfrauenprozess zu unterstützen. Am Vortag hatte beim "heißen Eisen 'Fight Sexism'" Schwester Lea Ackermann in einem Beitrag voller Wärme und Sympathie berichtet, wie die Organisation "Solidarity with women in distress" jungen Mädchen und Frauen hilft, sich dem skrupellosen Geschäft mit ihren Körpern entgegenzustemmen: "Was wir in den Mittelpunkt stellen ist, Menschen stolz zu machen auf sich selbst." 

"BASTA!"-Frauen, Frauen von Daimler-Arbeitern und eine Schichtarbeiterin bei Ford in Köln berichten vom Kampf gegen die Werkschließung bei Opel und dem Kampf um jeden Arbeitsplatz und die Rolle der Frauen dabei: "Die Erfahrungen der mutigen Arbeiterinnen und Arbeiter von Opel Bochum verarbeiten wir jetzt für unseren Kampf bei Ford." Wie das Frauenkomitee Basta vielfältig den Kampf und das Frauenbewusstsein fördert, die Auseinandersetzung in der eigenen Familie ohne einengende Fixierung darauf belebt, im Vorwärtsgehen gegen Widerstand die eigenen Muskeln stärkt - das war erster Schwerpunkt des Forums "Arbeiterinnen sagen BASTA" am Samstag nachmittag. Arbeiterinnen von Opel berichteten, welchen erbitterten Kampf sie gegen sexistische und antikommunistische Attacken führen müssen.

Die Stimmung auf dem Ratschlag ist großartig. Alles ist sorgfältig und liebevoll organisiert, bis ins kleinste Detail ist daran gedacht, dem Ratschlag eine solidarische und tiefgehende Auseinandersetzung zu ermöglichen. Es kommen auch viele schmerzhafte Tatsachen und Themen zur Sprache,  Erfahrungen von Flucht, Erniedrigung und Tod. Die tiefe und überall spürbare Solidarität hilft den Frauen sehr. "Der Ratschlag zeigt, wie die Frauen Zusammenhalt schmieden und kämpfen."

(Hier ein Video von der Demonstration des Frauenpolitischen Ratschlags in Chemnitz)