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Live: An der Grenze zu Kobanê

Live: An der Grenze zu Kobanê
Kurdische Mütter in Behta (rf-foto)

Kobanê (Vor-Ort-Bericht), 09.10.14 (16 Uhr):  Derzeit befindet sich ein Redakteur der "Roten Fahne" vor Ort an der Grenze der Türkei zu Syrien direkt bei der kurdischen Stadt Kobanê in Rojava (Syrien). Er berichtet derzeit mehrmals täglich:

 „Die Überlegungen zu einem Solidaritätspakt der ICOR mit dem kurdischen Befreiungskampf mit festen Vereinbarungen sind gut“ 

Interview mit Idriss Nassan, dem stellvertretenden Vorsitzenden für auswärtige Angelegenheiten von Kobanê, der gerade direkt aus Kobanê gekommen ist. (Eingang: 12:30 Uhr)

Frage: Wie ist die aktuelle Lage?

Es gibt taktische Fortschritte für die kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer, die in Kobanê Widerstand gegen die ISIS-Kräfte leisten. Im Westen ist es uns gelungen, die ISIS-Bande zurückzudrängen, sie sind jetzt ca. 5 km vom Stadtzentrum entfernt. Gleiches gelang im Süden, wo sie jetzt ca. 2 km vom Stadtzentrum sind. 

Idriss Nassan

Sehr wichtig war, dass unsere Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) den in den letzten Tagen strategisch wichtigen und heiß umkämpften Mistenur-Hügel zurückerobert haben.

Zum jetzigen Stand ist es so, dass die Guerilla von YPG/YPJ die meisten Teile der Stadt Kobanê kontrolliert.

Frage: Welche Rolle spielen die Luftangriffe der sog. internationalen Koalition?

Es hat lange gedauert, bis tatsächlich Angriffe geflogen wurden. Gestern waren es nach unseren Feststellungen mehr als zwanzig Angriffe, die Wirkung zeigen. Es ist wichtig, dass diese fortgesetzt werden, da sie eine konkrete Hilfe für die Einheiten von YPG/YPJ sind.

Frage: Gestern hat eine Delegation von Vertretern kurdischer Organisationen aus Südkurdistan (Irak) die Solidarität erklärt?

Wir haben von der KDP und Masud Barzani seit langem gefordert, dass sie praktische Unterstützung und Solidarität leisten. Diese Erklärung ist seit langem fällig. Kein Kurde und keine kurdische Organisation darf die Entwicklung in Kobanê ignorieren.

Frage: Wie verhält sich die türkische Regierung jetzt?

Erdogan und seine Regierung wollen nicht, dass in Rojava und Kobanê eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung, in der die Menschen gleichberechtigt und in demokratischer Selbstverwaltung zusammen leben, entsteht, die vor allem im gesamten Mittleren Osten eine Ausstrahlung hat. Deshalb haben sie den Aufbau der ISIS gefördert und bis heute gehen Waffen und Materialien an die ISIS über die türkische Grenze. Deshalb wird vom Erdoganregime jetzt gegen die Menschen, die in Nordkurdistan und den türkischen Metropolen ihre Solidarität mit Kobanê in Demonstrationen und Aktionen zeigen, so hart vorgegangen und Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar durch die türkischen Sicherheitskräfte getötet.

Frage: Sie kennen die Resolutionen der ICOR zu Rojava und die Überlegungen für einen Solidaritätspakt der ICOR mit dem kurdischen Befreiungskampf – was halten sie davon?

Diese Überlegungen zu einer verbindlichen internationalen Solidaritätsarbeit mit festen Vereinbarungen, gegenseitiger Information und einer organisierten Zusammenarbeit sind gut. Ich werde sie mit meinen Kolleginnen und Kollegen besprechen.

Soweit das Interview. 

 

Am heutigen Morgen habe ich an einer sehr eindrucksvollen Beerdigung von fünf kurdischen Kämpferinnen und Kämpfern, die in Kobanê gefallen sind, in Suruc teilgenommen. Die Angehörigen und kurdischen Freundinnen und Freunde sind auf der einen Seite traurig, das ist aber verbunden mit einer großen Moral und Kraft, dass ihre Kinder und ihre Kampfgefährten ihr Leben im Kampf für die Freiheit gegeben haben und eine Siegeszuversicht, dass der Befreiungskampf des kurdischen Volkes die faschistischen Banden der ISIS besiegen wird.

 

Am späteren Abend des 8. Oktober gingen zwei weitere Interviews unseres Redakteurs vor Ort ein. Er sprach zunächst mit dem kurdischen Sänger Ozan Cömert, der eigentlich in Deutschland lebt, aber sich derzeit auch an der türkisch-syrischen Grenze sich aufhält

Frage: Warum bist du hier vor Ort bei den Leuten?

Ich bin als Sänger hier, um nicht nur alle Kurden der Welt aufzurufen, sondern alle Künstler, alle Parlamentarier, alle Politiker dieser Welt, um Kobanê und den Kurden zu helfen. Es geht nicht nur um Kobanê. Der IS hat Waffen aus Mossul mitgenommen, wir haben ein Sengal erlebt, wir werden ein zweites Sengal erleben, wenn nichts passiert. Die Untaten des IS gehen uns alle an. Ich habe gestern Abend ein kleines Programm mit den hier anwesenden Parlamentariern gemacht. Zusammen mit 40 anderen Künstlern habe ich ein Lied für Kobanê gemacht. Am Samstag werden wir eine Veranstaltung in Istanbul durchführen. 

Cömert Kahraman

Frage: Was möchtest Du den Menschen in Deutschland sagen?

Ich denke, wir haben viel gelernt über die kurdische Bewegung, und wir lernen in Deutschland gegenwärtig mehr darüber. Es ist für mich eine gewisse Renaissance. Die Mitglieder der PYD und PKK sind keine Terroristen, sie möchten, dass die Menschen in Frieden und Demokratie leben. Seht nach Rojava, wo alle, egal welche Religion, welche Nationalität sie haben, gemeinsam leben. Ich liebe mein Land Kurdistan und ich liebe mein Land Deutschland.

 

Unser Redakteur sprach außerdem mit mit Leyla Güven, der Co-Vorsitzende des DTK (Kongress für eine demokratische Gesellschaft)

Frage: Wie beurteilen sie die gegenwärtige Situation in Kobanê?

Es kann nicht akzeptiert werden, was hier passiert. Der IS hat Panzer und schwere Waffen, die YPG (Volksverteidigungseinheiten) haben nur leichte Waffen. Schauen sie, was der IS macht. Sie ermorden Menschen, sie töten sogar auf brutale Weise schwangere Frauen. Die Regierungen sehen alle zu in den westlichen Ländern, aber sie liefern uns keine Waffen. Auch das türkische Parlament weiß genau, was hier gemacht wird. 

Leyla Güven

Frage: Was denken sie über den Besuch der Vertreter des südkurdischen Parlaments aus dem Irak? (siehe auch nächste Meldung)

Sie hätten früher kommen müssen. Sie warten bisher ab und beobachten, ob Kobanê stirbt oder nicht. Wir brauchen aber Taten.

Frage: Was möchten sie den Menschen in Deutschland sagen?

Wir sind wie die deutschen Menschen, wir wollen helfen, genauso wie sie, wir haben Respekt und Achtung vor den Menschen in Deutschland. Gleichzeitig fragen wir uns, warum werden aus Deutschland Waffen an die Türkei geliefert. Wir hoffen, dass auch ein Beitrag geleistet wird, damit Druck auf die Regierung und das Parlament in Deutschland gemacht wird, damit Waffen an die kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer in Kobanê geliefert werden. Wir brauchen nicht vor allem Lebensmittelspenden, sondern Waffen, mit denen wir die IS-Banden besiegen können. Und wir verlangen auch, dass die PKK von der Liste der EU der angeblich terroristischen Organisation gestrichen wird und in Deutschland das Verbot der PKK sofort aufgehoben wird.

 

Parlamentarier aus Südkurdistan (Irak) zu Besuch in Suruc (Bericht von 18:30 Uhr)

Heute waren Vertreter von Parteien und Organisationen aus Südkurdistan (Irak) in Suruc an der Grenze zu Kobanê zu Besuch, um ihre Solidarität zu überbringen.

Der bürgerliche kurdische Politiker Masud Barzani und seine Partei KDP werden von den Menschen hier sehr skeptisch aufgrund ihrer schwankenden Haltung gegenüber der Türkei und dem Irak betrachtet. Niemand hat vergessen, dass Barzani bis heute keine tatsächliche Unterstützung für den Widerstand in Kobanê geleistet hat.

Die Delegation wurde deshalb begrüßt. Sie bestand aus Amina Zîkri (KDP/Kurdische Demokratische Partei/Irak), Said Masifi (PUK/Patriotische Union Kurdistan), Aydın Maruf (Türkmen Cephesi/Türkmen Front), Mahmud Omar (Goran Bewegung), Ebdurrahman Farıs Ebu Karwan (Hızbî Şui Kurdistan), Ebubekir Heledni (Yekîtiya Gurdi İslam/), Soran Esmer (Komala İslami/Islamische Gemeinschaft in Kurdistan) und Yerward Nisan (Nunere Ermenia/armenische Organisation).

Delegation SüdkurdistanFür die Delegation sprach Ebubekir Heledni. Er sagte unter anderem: „Wir sind solidarisch mit Kobanê. Wir sind auf eurer Seite. Wir wollen mit euch gemeinsam kämpfen. Das werden wir auch Barzani sagen.“ Die Menschen in Suruc begrüßten die Erklärung, sagten aber auch, schön reden kann jeder, auf die Worte müssen jetzt Taten folgen.


Ermutigende Signale gingen am 8. Oktober um 13.45 Uhr ein:

Ich befinde mich mit vielen anderen im Dorf Dewşen direkt an der Grenze zu Kobanê. Gerade findet ein weiterer Luftangriff der internationalen Koalition statt, wir sehen die Bomben fallen. Die Luftangriffe finden jetzt häufiger statt und richten sich nach allen Berichten hier auch unmittelbar gegen IS-Stellungen.

Die Menschen hier führen das auf den entschlossenen Widerstand und die breiten Proteste und die große internationale Solidarität zurück. Eine sehr ermutigende Nachricht ist, dass seit gestern die Kämpferinnen und Kämpfer der YPG/YPJ (Volks- und Frauenverteidigungseinheiten) im Kampf taktische Fortschritte gegen die IS-Angriffe errungen haben.

In einem Interview mit Ibrahim Binici, dem Abgeordneten der HDP (Demokratische Partei der Völker) in Şanlıurfa bestätigt dieser mir gegenüber, dass der Widerstand der Kurden von YPG/YPJ und der weiterhin in Kobanê lebenden Bevölkerung, an verschiedenen Stellen die IS-Banden zurückdrängen konnte und auch mehrere schwere Waffen und Panzer zerstört wurden.

Nursenar Akan, eine Mutter zweier Söhne, die in Kobanê kämpfen, sagte mir: „Unsere Partei ist zum Schutz des Volkes da. Wir wollen nicht, dass das Volk leidet und sind hier in den Schutzwachen an der Grenze, weil wir für den Frieden kämpfen. Wir wollen Menschenrechte. Das Vorgehen der ISIS zeigt doch, dass es keinen Gott gibt. Wir haben nichts zu verlieren und werden hier bleiben, bis Kobanê befreit ist.“

Mit großer Empörung wird das Vorgehen der Erdogan-Regierung gegen die in der ganzen Türkei stattfindenden Proteste verurteilt, bei denen es bereits 15 Tote gab.

In den Schutzwachen an der Grenze sind viele Mütter aus Kobanê, deren Töchter und Söhne in den Reihen von YPG/YPJ kämpfen. Eine sagte zu mir: „ISIS und Erdogan arbeiten doch direkt zusammen. Das ist eine Schande. Wir sehen mit eigenen Augen, wie auch noch jetzt Material für die ISIS aus der Türkei über die Grenze gebracht wird. Wir blieben hier, weil es für uns kein Leben ohne ein befreites Kobanê gibt. Wir kämpfen hier mit der PKK und die PKK kämpft für uns.“

Vielleicht kann man sich in Deutschland nicht vorstellen, welche direkte Wirkung die Solidaritätsaktionen in Deutschland und Europa haben. Die Menschen, die hier im Widerstand stehen, freuen sich und sind richtig glücklich, wenn sie die Bilder oder Filmberichte von den Demonstrationen, Kundgebungen und Blockade- und Besetzungsaktionen aus Deutschland sehen. Sie sagen, wir sind nicht allein und diese internationale Solidarität ist eine große Ermutigung für uns und wärmt unsere Herzen.

Vor Ort ist auch der bekannte kurdische Sänger "Ozan Cömert", der auch in Deutschland bei Konzerten auftritt. Er richtet herzliche und solidarische Grüße an alle Leserinnen und Leser der "Roten Fahne".

 

Interview am Nachmittag des 7. Oktober (Eingang um 22.30 Uhr)

Am frühen Nachmittag hatte ich die Gelegenheit auf Englisch ein kurzes Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden für auswärtige Angelegenheiten von Kobanê, Idriss Nassan zu führen. Er war zwei Stunden vorher aus Kobanê gekommen.

Idriss NassanFrage: Wie ist die gegenwärtige Lage in Kobani?

Die ISIS ist bis zum Stadtrand vorgedrungen, sie ist noch nicht in der Stadt. Es gibt heftige Straßenkämpfe. 400.000 bis 500.000 Menschen sind evakuiert. Es sind dort noch kämpfende Einheiten und kämpfende Familien. Heute ist der erste Tag, an dem Bombardements der US-Streitkräfte auf ISIS-Truppen in Kobanê stattfinden, die eine wirkliche Wirkung haben. Davon brauchen wir mehr.

Frage: Welche Rolle spielt die Türkei?

Die Grenze zur Türkei ist abgeriegelt. Die Türkei selber wartet noch ab, sie scheint das Vorgehen der ISIS abzusichern. Die Türkei versucht die kurdische Bewegung zu spalten, indem sie einen Keil treibt zwischen Westkurdistan und Südkurdistan. Sie hat Angst vor Kobanê, und bezeichnet es als Zentrum der Terroristen. Sie möchte die kurdische Bewegung und vor allen die PYD zerstören.

Frage: Was möchten sie der deutschen Bevölkerung sagen?

Wir verteidigen nicht nur Kobanê, sondern auch die internationale Gemeinschaft. Wenn die ISIS hier gewinnt, dann wird sie auch andere Plätze angreifen und auch ihr Unwesen in den europäischen Ländern weiter treiben. Helft Kobanê sofort! Wir haben keine Zeit mehr! Wir brauchen Waffen, wir brauchen die öffentliche Meinung, wir brauchen Druck auf die Parlamente. Wir brauchen eine Politik, die hilft und etwas ändert!


Bericht vom Vormittag des 7. Oktober (Eingang um 22.30 Uhr)

Am frühen Morgen ging ich zunächst zum Unterstützungslager für die Flüchtlinge an der Belediye Garaj. Dort helfen Menschen aus vielen Städten der Türkei und auch aus Ländern bei der Organisierung sämtlicher Fragen für die Flüchtlinge, inclusive der medizinischen Versorgung.

Sie kommen für einzelnen Tage, mehrere Wochen bis sogar hin zu drei Monaten. Täglich fahren Trupps und Busse zur Grenze, um das Geschehen dort zu verfolgen.

Um 10 Uhr schloss ich mich einem Trupp an, und wir gingen an der Grenze etwas entfernt von Kobanê. Dort versammelten sich Hunderte von Menschen, die das Geschehen verfolgten auf der anderen Seite der Grenze, und auch immer wieder versuchten näher, an die direkte Grenze zu Kobanê heran zu kommen. Die türkische Polizei trieb die Menschen immer wieder zurück, auch mit Tränengaseinsatz.

Ich kam dort, wo ich mich aufhielt, sofort in Diskussion, sobald Menschen mitbekamen, dass ich aus Deutschland bin. Erfreulich viele junge Menschen sprechen englisch, und jederzeit stand jemand zur Verfügung und war bereit, bei der Übersetzung vom Kurdischen oder Türkischen ins Englische zu helfen.

Hauptfrage ist, warum gibt es keine internationale Unterstützung und ich wurde immer wieder gefragt, was wir in Europa machen? Ich erklärte, dass wir von der MLPD die Aufgabe sehen, die Ereignisse in Kobanê nach unseren Kräften zu publizieren, im Rahmen der ICOR dieses weltweit zu verbreiten helfen, die Solidarität in Deutschland organisieren, von der Regierung bzw. anderen Ländern fordern, dass die YPG schwere Waffen bekommt, die sie benötigt und dass wir seit Jahren gegen das Verbot der PKK kämpfen.

Es ist ergreifend, wie die Menschen auf diese Solidarität reagieren, alle bedanken sich außerordentlich, viele freuen sich ausdrücklich, dass die MLPD als marxistisch-leninistische Partei dort ist. Einige bedanken sich mit Tränen für die Solidarität.

Eine Gruppe von Frauen diskutierten engagiert mit mir und einem Freund aus Diyarbakir, den ich heute hier kennenlernte, der ins Englische übersetzt. Sie bedankten sich außerordentlich für die. Solidarität, und ließen uns nicht ohne Essen weg.

 

Bericht vom 7. Oktober (11.30 Uhr)

Mit vielen anderen Menschen bin ich in gerade in Devcan direkt an der Grenze zu Kobanê. Es sind Falschmeldungen, wenn behauptet wird, die faschistische IS ist bereits in das Stadtzentrum von Kobanê eingedrungen.

Von den kurdischen Kräften wird großer Wert darauf gelegt deutlich zu machen, dass sich die IS-Banden im Stadtgürtel von Kobanê befinden und dort auf heftigen Widerstand stoßen.

Auf großen Protest stößt die Tatsache, dass das türkische Militär heute die Grenze zu Kobanê im Norden von Kobanê gesperrt hat und damit Kobanê komplett abgeriegelt ist. Während gestern auch noch Flüchtlinge in die Türkei kommen konnten, wird das heute Vormittag vom türkischen Militär verhindert.

Aktuell haben US-Luftangriffe an der Südfront auf Stellungen der IS begonnen, die wir direkt verfolgen können. Jeder Einschlag wird begrüßt, zugleich aber immer wieder die Frage gestellt, warum diese Angriffe so verhalten stattfinden.

Immer wieder werde ich gefragt, warum den kurdischen Freiheitskämpferinnen und Kämpfern der YPG/YPJ seitens der EU und der deutschen Regierung für den Kampf gegen die faschistische IS keine Waffen zur Verfügung gestellt werden und warum in Deutschland die kurdische PKK immer noch verboten ist.

Für den Kampf gegen die Panzer und schwere Artillerie der IS reichen die Kalaschnikows nicht aus, die die kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer haben.

Es wird sehr begrüßt, dass die MLPD als ICOR-Organisation die Solidarität in Deutschland organisiert und ein Vertreter ihrer Zeitung direkt vor Ort ist. Ich werde hier sehr freundlich empfangen und betreut. Die Stimmung ist kämpferisch und zugleich besorgt, da noch viele Menschen in Kobanê sind und die große Befürchtung besteht, dass die IS ein Massaker an der kurdischen Bevölkerung in Kobanê verübt.

 

In der Nacht auf den 7. Oktober ging folgender Bericht ein:

Wir standen eine halbe Stunde an der Grenze in Etmanek und hörten und sahen die Einschläge keine zwei Kilometer vor uns. Nach einer halben Stunde wurde wir regelrecht aus dem Dorf gejagt von der türkischen Polizei.

Wir fuhren dann in das nächste weitere Dorf. Auch dort standen die Menschen und schauten über die Grenze, aber auch dort kam dann die Polizei. Die Menschen sind aufgewühlt und verbittert. Öfter hören wir: „Es hilft keiner aus Europa oder den USA.“ Teilweise schon verbittert. Immer wieder betonten die Menschen, dass sie Waffen brauchen. Die YPG/YPJ (Volks-/Frauenverteidigungseinheiten) haben nur leichte Waffen, es fehlen Panzerabwehrraketen und auch Panzer selber.

Ich berichtete kurz von unserer Arbeit als MLPD in Europa und Organisierung unserer Solidarität. Das wurde begrüßt, aber immer wieder auf fehlende Waffen verwiesen. „Wir sollen dafür sorgen, dass der Regierung Druck gemacht wird, dass die PYD Waffen bekommt.“ Die PYD ist die kurdische "Partei der Demokratischen Union" in Syrien.

Bis zum frühen Abend wurde mir mitgeteilt, dass die Bevölkerung aus Kobanê evakuiert worden ist. Nur Kämpferinnen und Kämpfer, die sich aus YPG/YPJ, aber auch vielen Familienangehörigen zusammensetzen, sind noch in Kobanê und kämpfen.

Darauf besuchten wir eines der Flüchtlingscamps. Die Menschen in den Flüchtlingslagern haben sichtlich die Nase voll von den vielen Journalisten. Das sagten sie uns. Sie möchten auf keine Bilder mehr, sie möchten Hilfe. Es fehlt vor allem an Kleidung für Kleinkinder und Babys. Ich muss jetzt aufhören, da ein verletzter Kollege aus Kobanê gekommen ist, der sagte, dass die faschistische IS jetzt in Kobanê eingebrochen ist.