Umwelt

Ebola: "Gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite"

25.10.14 - Heute verstarb ein zweijähriges Kind in Mali an Ebola. Es ist das erste Ebola-Opfer in dem afrikanischen Land. Seit März 2014 wütet das Ebola-Virus in Westafrika. Familien sind ausgelöscht, Dörfer entvölkert, das Wirtschaftsleben erloschen. Bereits Anfang Oktober wurden rund 3.700 Waisen gezählt, denen der tödliche Erreger die Eltern genommen hat. Nach WHO-Angaben haben sich seit April inzwischen knapp 10.000 Menschen mit dem Virus infiziert, mindestens 4.922 Todesfälle sind offiziell bestätigt. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten noch Tausende hinzukommen. Sie kommt deshalb zu der Einschätzung der Ebola-Epidemie als "gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite".

Die Bundesregierung versucht dagegen die Internationalisierung der Epidemie herunterzuspielen: "Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation eine 'gesundheitliche Notlage mit internationaler Tragweite' festgestellt hat: Eine Gefährdung der Bevölkerung in Deutschland besteht ... nicht." (Erklärung der Bundesregierung vom 24.10.2014).

Solange die Epidemie lokal und regional in einigen zu den ärmsten Ländern der Welt zählenden Staaten beschränkt war, wurden die Hilferufe der WHO und Hilfsorganisationen überhört. Als ob die afrikanischen Massen kein Recht auf angemessene medizinische Behandlung hätten! Dr. Andreas Wulf von "medico international" plädierte im Interview mit der ROTEN FAHNE vom 26. September dafür: "Man muss darauf schauen, dass die Gesundheitsdienste perspektivisch besser finanziert und organisiert werden. Hier muss es viel verlässlichere, dauerhafte internationale solidarische Finanzierungen für die ärmsten Länder geben als bisher." Er analysierte unter anderem ökonomische Hintergründe: " ... dass in den Regionen zunehmend fruchtbare Ackerböden durch Großkonzerne aufgekauft und Kleinbauern so in die Urwaldgebiete auf der Suche nach Nahrung und neuen Anbauflächen gedrängt werden."

Aber auch jetzt, nach der internationalen Verbreitung der Krankheit, mit Fällen in den USA und mehreren europäischen Ländern, wird die Aggressivität des Virus und seine Gefahr für die Weltbevölkerung heruntergespielt. "Spektrum der Wissenschaft" hat ausgemacht, dass die sogenannte Reproduktionszahl (knapp über 1) dafür sorge, dass sich die Epidemie nur langsam ausbreite. Das mag im Verhältnis zu Masern (Reproduktionszahl 18) zutreffend sein, doch reicht bereits eine Infektionsdosis von ein bis zehn Viruspartikeln für eine Ansteckung, was die besondere Aggressivität ausmacht.

Als Maßnahme gegen Ebola hat gestern die EU die Fördergelder für die Forschung auf eine Milliarde Euro erhöht. Ein Großteil der Gelder kommt jedoch gerade jenen Pharmakonzernen zugute, die jahrelang die Erforschung der Behandlung vernachlässigt hatten, weil keine Maximalprofite erwartet worden waren. 

Dabei könnte ein wirksames Medikament gegen Ebola schon längst für die Betroffenen zur Verfügung stehen. Im amerikanischen Magazin "Bloomberg Businessweek" erschien am 24. September 2014 eine Dokumentation über die bisher gescheiterten Versuche. Nach Einschätzung der Autoren Brendan Greeley und Caroline Chen hätten die USA gute Karten gehabt. Zumindest von zwei Mitteln, TKM-Ebola und Zmap, sind erfolgversprechende Tests an Menschen bekannt. Mehrere Behörden und Militäreinrichtungen forschen daran schon mindestens seit den 1990er Jahren. Auch Russland experimentierte zumindest damals mit dem Erreger. Beiden ging und geht es aber wohl vor allem um Biowaffen für die imperialistische Kriegsführung. Normalerweise würde das Marktpotenzial ein neues Mittel vorantreiben, sagt Thomas Inglesby, Direktor des Center for Health Security an der Universität von Pittsburgh, der das Weiße Haus in Fragen der Biosicherheit berät. Aber bei "seltenen tropischen Krankheiten" ist das Interesse gering.

Die MLPD setzt sich für wirksame Sofortmaßnahmen ein:

  • Finanzielle und personelle Stärkung der internationalen Hilfsorganisationen
  • Kostenlose Lieferung von Medikamenten und Schutzkleidung in die hauptsächlich betroffenen Länder
  • Aufklärung über persönliche Schutzmaßnahmen
  • Sofortige Hilfe zur Verbesserung der Hygiene- und Ernährungssitution in den betroffenen Ländern – Hilfe zur Selbsthilfe für die Menschen.
  • Vollständige Aufklärung der Ursachen - auch der Vermutungen nach einem künstlichen Ursprung (siehe dazu auch Ebola "außer Kontrolle"? Fragen nach dem Ursprung der tödlichen Seuche ...")