Wissenschaft und Technik

Heilmittel gegen Hepatitis C: Profitgier verhindert Heilung von Millionen

Gelsenkirchen (Korrespondenz), 20.10.14: Um den neuen Heilstoff Sofusbuvir gegen Hepatitis C ist eine heftige Kontroverse entbrannt. Je nach Genotyp können bis zu 97 Prozent der Infizierten damit von der Infektion geheilt werden – ohne die oft schwerwiegenden Nebenwirkungen der früheren Kombinationstherapie. Das ist ein Durchbruch der Hepatitis-Forschung und eine Hoffnung für die weltweit 130 bis 150 Millionen Infizierten. Bei knapp einem Drittel von ihnen führte die Infektion bislang zu Leberzirrhose (Schrumpfleber), bei vielen auch zu Leberkrebs.

Doch es gibt ein Problem mit der neuen Therapie: Der Preis für eine dreimonatige Therapie beträgt ca. 60.000 Euro. Dabei liegen die Herstellungskosten bei nur 50 bis 100 Euro. Der Pharma-Konzern Gilead kann den Wucher-Preis nicht einmal – wie üblich – mit Forschungskosten rechtfertigen. Er hat das Medikament gar nicht entwickelt, sondern nur die Firma mit dem Patent aufgekauft. Sofosbuvir gilt als die profitabelste Medikamenteneinführung aller Zeiten. Bei einem Umsatz von 5,8 Milliarden Euro ist die Kaufsumme bereits im ersten Halbjahr zu Hälfte bezahlt.

Die Verlierer dieser skrupellosen Machenschaften sind vor allem die 90 Prozent der Infizierten, die in Entwicklungsländern leben. Sie haben keinerlei Chance, das Heilmittel zu erhalten. Aber auch viele Patienten in Industrieländern werden noch lange auf die Therapie warten müssen, weil ihre Krankenkassen sich dagegen wehren, Wucherpreise zu bezahlen. Das Ganze ist ein Lehrstück aus dem Tollhaus des kapitalistischen Gesundheitswesens - wo Geldgier mehr zählt als Gesundheit und Menschenleben! (Quelle: "Pharma-Brief" der BUKO-Pharma-Kampagne 6-7/2014)