Betrieb und Gewerkschaft

Arbeiterwohlfahrt – aber nicht für die eigenen Beschäftigten!

Arbeiterwohlfahrt – aber nicht für die eigenen Beschäftigten!
AWO Streik in Düsseldorf, rf-foto

29.10.14 - Nach vielen Warnstreiks mit breiter Beteiligung in den Tarifverhandlungen mit der AWO NRW hat ver.di nach der Verhandlungsrunde am 28. Oktober weitere Warnstreiks bis zu den nächsten Verhandlungen am 6. November in Dortmund ausgesetzt. ver.di sei jetzt bereit zu Kompromissen, wird in den bürgerlichen Medien gemeldet. Das bedeutet, die AWO-Beschäftigten müssen wachsam sein, dass es kein fauler Kompromiss wird.

Aufschlussreich ist ja, dass eine Organisation, die sich "Arbeiterwohlfahrt" nennt, offensichtlich so wenig am Wohl ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter interessiert ist, dass sie ihnen Löhne zahlt, die nicht nur unter denen des Öffentlichen Dienstes, sondern sogar unter denen der Kirche liegen. Die ursprüngliche Forderung von ver.di nach Erhöhung der monatlichen Einkommen um einen Sockelbetrag von 100 Euro zuzüglich 3,5 Prozent, die Erhöhung der Auszubildendenvergütungen um 100 Euro monatlich sowie einen Tag mehr Urlaub ist also mehr als berechtigt!

Wer ist eigentlich die AWO? Sie wurde Dezember 1919 – gut ein Jahr nach der Novemberrevolution 1918 - als "Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD" gegründet. Ihre Aufgabe war, die große Not vieler Menschen nach dem I. Weltkrieg durch Nähstuben, Mittagstische und Beratungsstellen zu "lindern". Statt sie revolutionär abzuschaffen, wofür die KPD stand. 1946 wurde die AWO als formal parteipolitisch unabhängige Hilfsorganisation neu gegründet. Sie ist heute mit 145.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon ca. 36.000 in Nordrhein-Westfalen, eines der großen Unternehmen in Deutschland. Sie betreibt Kindergärten, offene Ganztagsschulen, psychiatrische und forensische Kliniken, Einrichtungen für Ferienfreizeit und Beratungsstellen für Migranten, Asylbewerber und Menschen in Notlagen.

Wegen der "Wohlfahrt" gegenüber ihren Beschäftigten ist die AWO immer wieder aufgefallen: 2004 weil sie 1-Euro-Jobs einführte. Gegenwärtig, weil die AWO Westliches Westfalen ihren Beschäftigten "ermöglicht", nach Ablauf ihrer Verträge über die hauseigene Leiharbeitsfirma Arbeiterwohlfahrt-Servicegesellschaft (AW PSG) zu schlechterer Bezahlung weiter bei ihr zu arbeiten.

In der aktuellen Tarifverhandlung hat die AWO NRW eine Erhöhung der Löhne und Gehälter ab 1. Oktober 2014 um zwei Prozent und ab 1. August 2015 um 1,8 Prozent angeboten. Damit würde die Abkoppelung vom üblichen Tarifniveau fortgesetzt. Das hat der Ver.di-Verhandlungsführer Wolfgang Cremer zu Recht abgelehnt. Wenn dieser jetzt aber seinerseits anbietet, die Sockelerhöhung von 100 Euro plus 3,5 Prozent mehr Lohn aufzugeben und die Übernahme des Abschlusses des Öffentlichen Dienstes mit zeitlicher Streckung in die Diskussion bringt, bleibt die Abkoppelung erhalten. Das wäre definitiv ein fauler Kompromiss.

Das ist insbesondere angesichts der bisher von den AWO-Beschäftigten bewiesenen Kampfbereitschaft nicht zu akzeptieren. Sie haben offensiv vertreten: "Es ist nicht verantwortungslos zu streiken, sondern verantwortungslos von der AWO, uns so schlecht zu bezahlen!" Und dafür bekamen z.B. in Bochum von Eltern der bestreikten Kitas ausdrücklich Unterstützung.