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"Allianz verstärkte ihre Luftangriffe erst nach dem großen Aufstand der Kurden"

"Allianz verstärkte ihre Luftangriffe erst nach dem großen Aufstand der Kurden"
Menschen an der Grenze (rf-foto)

Kobanê (Korrespondenz), 28.10.14:  Eine Delegation aus Deutschland bestehend aus Ulf Petersen, Brigitte Kiechle, Gül Güzel und Nick Brauns befindet sich derzeit in Kurdistan an der türkisch syrischen Grenze. Am vergangenen Sonntag berichtete Ulf Petersen:

„Gestern haben wir die Familie eines Kölner Freundes in dem Grenzdorf Mizaynter besucht. Auch dort gibt es eine Solidaritäts-Wache. Zu den zwölf Familien des Dorfes kommen 28 Flüchtlingsfamilien hinzu, sie wohnen zum Teil in Lehmhütten, die für die Tiere gebaut wurden. Unsere Gastgeberin betont, dass die Grenzdörfer auf türkischer Seite bis 1924 zum Kreis Kobanê gehörten. Die Grenze blieb aber offen, bis sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur Grenze im Kalten Krieg wurde. Später verlegte die türkische Armee 650.000 Landminen gegen Schmuggler und PKK.

Seitdem sind die Familien getrennt. Der Bau des Atatürk-Staudamms führte seit 1990 zu einer Verdorrung der Gegend, da das Wasser auf die benachbarte Harran-Ebene umgeleitet wurde. Die Leute konnten früher auf dem fruchtbaren Land ihrer Verwandten auf der syrischen Seite des Kreises Kobanê arbeiten. Der Schmuggel von Tee, Zucker und Tabak war eine Einnahmequellen für die Armen. Der Krieg zerstört diese Existenzgrundlagen.

Tag und Nacht sind Schüsse und Panzergranaten in der ganzen Stadt zu hören, aber es gab gestern wieder nur zwei Luftangriffe auf den IS.

Ein alter Bekannnter, Vorstandsmitglied der HDP (Demokratische Partei der Völker): „Bis der Islamische Staat am 6. Oktober in die Stadt kam, war er mit seinen Panzern auf dem flachen Land, wie auf dem Präsentierteller. Aber er wurde nicht bombardiert. Erst nach dem auf den IS-Einmarsch folgenden großen Aufstand der Kurden hat die Allianz ihre Luftangriffe etwas verstärkt.“