Politik

"Immer wieder Neonazigruppen von der Polizei eskortiert"

Köln (Korrespondenz), 29.10.14: Um den Neonazi-Aufmarsch in Köln am vergangenen Samstag entfaltet sich in der Stadt eine heftige Debatte. Ca. 4500 Hooligans und Neonazis, unter ihnen z.B. "SS-Siggi" aus Dortmund, terrorisierten regelrecht die Stadt und die Kölner.

Mittlerweile haben sich viele Betroffene gemeldet, die Übergriffen ausgesetzt waren oder ihnen nur knapp entkamen. Aus den Reihen der Polizei werden Stimmen laut, die den Einsatz kritisieren. Es seien viel zu wenig Polizisten eingesetzt worden (weniger als bei einem Fußballspiel!, für diesen Naziaufmarsch war europaweit mobilisiert worden) die Polizisten seien nicht eingestellt worden auf die enorme Aggressivität, und wären durch diese Unterbesetzung nicht in der Lage gewesen, die Anwohner zu schützen.

Es gab kaum Festnahmen – obwohl Polizisten sogar mit Messern angegriffen wurden! Augenzeugen berichten, aus der Nazimenge heraus seien volksverhetzende Parolen skandiert worden, in Einkaufswagen wurden Bengalos, Nebelkerzen, Wurfgeschosse  und Bierflaschen mitgeführt, die Nazis waren vermummt usw – und die Polizei schritt dagegen nicht ein. Am Bahnhof wurden Scheiben eingeschlagen, Ladenlokale geplündert  - die Polizei sah zu.

Durch die Reihen der Gegendemonstranten auf der Bahnhofsvorderseite wurden immer wieder Neonazigruppen von der Polizei eskortiert – eine Provokation. Um 16 Uhr ließ die Polizei der Gegendemonstration mitteilen, man könne sie nicht länger schützen, worauf hin der Veranstalter sie auflöste.

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers verkündete, die Polizei habe alles richtig gemacht. Innenminister Ralf Jäger stieß in dasselbe Horn! Das erbost die Menschen – und man fragt sich natürlich, ob Naivität, Dummheit oder Absicht dahintersteckt.