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"Warum tötet ihr uns, wenn wir doch die Hoffnung von Lateinamerika sind?"

"Warum tötet ihr uns, wenn wir doch die Hoffnung von Lateinamerika sind?"
Proteste am 8. Oktober 2014 (getifoto)

10.11.14 - Seit Anfang Oktober fehlt von 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars, die im Bundesstaat Guerrero von der Polizei entführt worden waren, jede Spur. Inzwischen räumen drei Mitglieder des Drogenkartells "Guerreros Unidos" ein, dass sie die 43 Jugendlichen ermordeten. Der Bürgermeister, seine Frau und zahlreiche Polizisten, sind zusammen mit der Drogenmafia verwickelt. Man habe sie mit Kopfschüssen getötet und auf einer Müllkippe verbrannt, berichteten die Zeugen kaltblütig, manche seien schon beim Transport erstickt. Die Reste seien in einen Fluss geworfen worden. Das berichten die drei Mitglieder des Drogenkartells. Einen endgültigen Beweis, dass die Studenten tot sind, gibt es allerdings bisher nicht.

Die "Salzburger Nachrichten" berichten: "Die letzten Stunden der jungen Leute müssen, wenn man den Verbrechern glaubt, schrecklich gewesen sein. Wie Vieh schafften gedungene Polizisten die 43 in Lastwagen zu der Müllkippe. Dort wartete schon das Killer-Kommando. Kaltblütig erschossen sie einen nach dem anderen, dann schichteten sie Holz und Reifen auf, übergossen die Leichen mit Benzin und zündeten sie an. Der Scheiterhaufen loderte bis zum nächsten Tag."

"Gegen das Verschwinden der Studenten gab und gibt es in ganz Mexiko massenhafte Proteste", berichtet der Sänger Josué Avalos in einem Interview mit der "Roten Fahne" am 5. November. "Ich glaube nicht, dass irgend jemand damit rechnet, dass die Verantwortlichen wirklich zur Rechenschaft gezogen werden. Seit langem wussten weitaus mächtigere Leute, was der Bürgermeister für ein korrupter Typ ist, er blieb ungeschoren."

Die Eltern und Freunde der Opfer haben jedes Vertrauen in Mexikos Behörden verloren. Die Angehörigen der Vermissten aus der Escuela Rural Normal glauben den Mächtigen inklusive ihrem Präsidenten Enrique Peña Nieto kein Wort mehr. Am Samstag fanden wieder landesweite Proteste statt. Nach einem einwöchigen Solidaritätsmarsch für die 43 ermordeten Studenten haben Demonstranten Mexikos Hauptstadt erreicht. Auf einem Plakat stand: "Warum tötet ihr uns, wenn wir doch die Hoffnung von Lateinamerika sind?"

Die Wut richtet sich gegen die mexikanische Regierung, gegen den Staatsapparat. Javier Bautista von der Universität Iberoamericana sagte: "Wir haben diese Regierung satt, diese Politik des Elends, die systematisch das Leben missachtet." Die mexikanische Regierung steht unter Druck. Präsident Enrique Peña Nieto ist trotzdem zu einer mehrtägigen Asienreise aufgebrochen. Der Bürgermeister von Iguala und seine Frau wurden am Dienstag als mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen. Offenbar wollte José Luis Abarca verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des örtlichen Wohlfahrtsverbands stören.

Der Fall Iguala hat ein Schlaglicht auf die enge Verstrickung staatlicher Institutionen mit dem organisierten Verbrechen in Mexiko geworfen. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen hatte der Bürgermeister der Stadt das harte Vorgehen gegen die Studenten angeordnet. Offenbar machten er und seine Frau mit den "Guerreros Unidos" gemeinsame Sache.

"Wenn die Menschen terrorisiert werden, dann können sie noch rücksichtsloser ausgebeutet werden", so Josué Avalos, Sänger der Band "La Papa verde", weiter im Interview.

26.000 Menschen sind in Mexiko seit 2006 einfach verschwunden - fast nie gab es ernsthafte Ermittlungen danach. Alleine 600 in diesem Jahr, und es werden täglich mehr.

Das vollständige Interview kann man in der nächsten "Roten Fahne" lesen. Sie erscheint am 14. November und kann hier bestellt werden.