Politik

Aldi, Lidl & Co und die Talfahrt der Erzeugerpreise

Aldi, Lidl & Co und die Talfahrt der Erzeugerpreise
Plakat der MLPD im Europawahlkampf 2014

29.11.14 - Im November 2014 senkte Aldi den Preis für Frisch- und H-Milch um 10 Cent pro Liter. Auch Quark, Sahne und Kondensmilch kosten weniger. Lidl und weitere Discounter zogen sofort nach. Aldi, Lidl und Co. organisieren und nutzen den Verfall der Erzeugerpreise im Konkurrenzkampf um Marktanteile. Bernhard Heger, Kreisvorsitzender des Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) im oberbayerischen Weilheim erklärte vor kurzem auf einer Versammlung von 100 Milchbauern in Peißenberg, dass man insbesondere den Verbrauchern nicht die Schuld in die Schuhe schieben dürfe. "Was sie bezahlen, hat keinen Einfluss auf das Milchgeld, das für uns Milchbauern bleibt. Außerdem geben die Discounter ja auch nur einen kleinen Teil ihrer 'Ersparnisse' weiter, die sie durch Preisdrückerei gegenüber Molkereien und Erzeugern herausschinden." Auch der Importstopp in Russland sei nur noch 'das i-Tüpferl' gewesen. 

Der Milchwert ist in Deutschland unter die 30-Cent-Marke gefallen. Der führende Indikator für die Verwertung von Milch sank im November um 4,1 Cent auf 29,5 Cent pro Kilogramm Milch mit vier Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Dies teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) mit. Damit liege er um knapp ein Drittel unter dem Vorjahresniveau. Das bedeutet für viele Milchbauern, dass sie von den Molkereien einen Basispreis von unter 30 Cent pro Liter bekommen. Der Preisverfall ist Teil der deflationären Entwicklung nach dem Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise.  

Die weltweite Milchproduktion, die 2005 bei 650 Millionen Tonnen lag, ist im Jahr 2013 auf 780 Millionen Tonnen angewachsen. In Europa stieg die Milchproduktion überdurchschnittlich. Unter dem Diktat der Profitwirtschaft führt dies nicht etwa zu einer besseren Versorgung der Weltbevölkerung mit diesem Grundnahrungsmittel, sondern zu einem Verfall der Erzeugerpreise. Der Preis für eine Tonne auf dem Weltmarkt gehandelter Milchprodukte hat sich seit dem letzten Hoch fast halbiert. Wenn eine solche Talfahrt ein Jahr anhält, reicht dies nach Einschätzung des BDM-Sprechers Hans Foldenauer aus, um zahlreiche kleine und mittlere Bauern zu ruinieren.

Das ist der Kern der Milchpolitik der EU, die mit Produktionsüberschüssen Agrardumping betreibt und in großem Ausmaß bäuerliche Existenzen vernichtet. Im April 2015 wird die EU im Auftrag der internationalen Handels- und Agrarmonopole die Milchquoten abschaffen. Damit wird die gezielte Ruinierung kleiner und mittlerer Bauern auf die Spitze getrieben.

Nach Berichten von Teilnehmern richtete die Messe "EuroTier", die Mitte November in Hannover stattfand, darauf aus, die Produktion weiter auszudehnen. Dies können sich nur Riesenbetriebe leisten. Ihnen wurden auf der "EuroTier" u.a. Investitionsmöglichkeiten in der ukrainischen Milcherzeugung schmackhaft gemacht.

Weitsichtig schrieb Willi Dickhut, Mitbegründer der MLPD, schon 1972: "Arbeiter und Bauern haben einen gemeinsamen Feind. Das sind die Kapitalisten in Industrie und Landwirtschaft. ... Gegenseitiges Verständnis (der Arbeiter und Bauern, d. Red.) für ihre Lage ist der erste Schritt zum gemeinsamen Kampf."

Im Jahr 2009 entwickelte sich im Kampf der Milchbauern gegen die damalige Absenkung der Milcherzeugerpreise eine klassenkämpferische Tendenz ("Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution", S. 475). Die 2008 von der MLPD aufgestellte einigende Losung "Erhöhung der Erzeuger- und Senkung der Verbraucherpreise auf Kosten der Handelsmonopole" bekommt zur Zeit neue Aktualität. Die Milchbauern planen kämpferische Nikolaus-Aktionen. Es ist von großer Bedeutung, wenn die Milchbauern die Handels- und Agrarmonopole ins Visier nehmen und das Bündnis mit der Masse der Verbrauchern suchen. Das verdient die Solidarität der Arbeiterbewegung und aller fortschrittlichen Menschen.