Umwelt

Extremer Wintereinbruch im Nordosten der USA

Extremer Wintereinbruch im Nordosten der USA
Aufsteigende warme Luft am Michigansee vor Chicago (foto: http://www.flickr.com/photos/bradhoc/11799356296/)

27.11.14 - Während bei uns der November als viel zu milder Herbstmonat zu Ende geht, gibt es in den USA seit zehn Tagen einen extremen Wintereinbruch mit Schneechaos. Alle 50 Bundesstaaten verzeichneten Minustemperaturen, mehr als die Hälfte der Vereinigten Staaten lag unter einer Schneedecke. Landesweit habe es sich nach Angaben eines Meteorologen am 18. November um den kältesten Novembermorgen seit 1976 gehandelt. Eine solche Wetterlage sei normalerweise erst im Januar oder Februar zu erwarten.

Am heftigsten hat es den US-Bundesstaat New York getroffen. In der Gegend von Buffalo fiel in den vergangenen Tagen so viel Schnee wie sonst in einem Jahr – an einigen Stellen waren es 1,80 Meter Neuschnee. Die Dächer von mindestens 30 Häusern stürzten ein und es gab mindestens 13 Todesopfer. Der Bürgermeister von Buffalo sprach von den größten Schneemassen seit mehr als 40 Jahren. Zahlreiche Menschen saßen in eingeschneiten Autos und Häusern fest. Die Behörden erließen ein Fahrverbot und forderten ältere Bewohner auf, vorsichtshalber keinen Schnee zu schippen.

Notfallärzte waren angesichts unpassierbarer Straßen mit Schneemobilen unterwegs. New Yorks Gouverneur verhängte für Landstriche im Nordwesten seines Bundesstaats den Notstand und rief die Nationalgarde zu Hilfe, um Menschen aus eingeschneiten Autos zu befreien und in Notunterkünfte zu bringen.

Ausgerechnet zum kommenden langen Thanksgiving-Wochenende droht der Wintereinbruch den Reiseverkehr lahmzulegen. Hunderte Flüge sind schon gestrichen oder verspätet. Schneefall wird unter anderem für die Großstädte Boston, Philadelphia, New York und Washington vorausgesagt. Der Nationale US-Wetterdienst warnt vor "Chaos" auf den Straßen.

Bitterkalte Luft aus der Arktis und Feuchtigkeit über den Großen Seen im Norden der USA sind die konkrete Ursache für die rekordverdächtigen Schneefälle. Ein starkes Tief sei über Kanada nach Osten gezogen und habe auf seiner Rückseite arktische Luft nach Süden gelenkt, sagte Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am 20. November. Hinzu komme der "Lake Effect": Auf dem Weg nach Süden streicht die extrem kalte Luft über die Großen Seen im Norden der USA, deren Wasser noch erheblich wärmer ist, nämlich fünf bis zehn Grad. Feuchtigkeit steigt auf. Sie wird vom Luftstrom mitgenommen und schneit in schmalen Niederschlagsbändern über Land an der Südostseite der Seen ab. "Das Ganze wiederholt sich ständig wie auf einer Schauerstraße", sagte Friedrich. (www.proplanta.de)

Die tiefere Ursache dieser Entwicklung ist die Veränderung der globalen Strömungssysteme der Luft. Die Häufung und Verstärkung der sogenannten Jetwellen ist die Ausdruck des bereits fortgeschrittenen Umschlags in eine globale Klimakatastrophe aufgrund des unnatürlichen Treibhauseffekts ist. Folgen sind solche gegensätzlichen Entwicklungen wie milde Wetterlagen, aber auch extreme Regenfälle (Italien!) in Europa und kalte, schneereiche Winter in Nordamerika. Wie die Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimaforschung erforscht haben, liegt die gemeinsame Ursache dieser unterschiedlichen Erscheinungen in der irreversiblen Destabilisierung von globalen Zirkulationssystemen der Luft durch die rasche Erwärmung besonders des Nordpolargebiets.

Hinter der durchschnittlichen weltweiten Klimaerwärmung der nächsten Jahrzehnte vor allem aufgrund des menschengemachten Treibhauseffekt verbergen sich gleichzeitig erheblich stärkere Klimaveränderungen und Extremwetter in einzelnen Regionen. Das Buch "Katastrophenalarm!" spricht deshalb auch von einer heraufziehenden Weltklimakatastrophe als Teil des Übergangs in eine globalen Umweltkatastrophe.