Politik

Eine schöne Bescherung für Hunderttausende Mieterinnen und Mieter: Fusion von Annington und Gagfah

Eine schöne Bescherung für Hunderttausende Mieterinnen und Mieter: Fusion von Annington und Gagfah
foto: dennis skley

01.12.14 - Noch vor Weihnachten wollen sich die Deutsche Annington und Gagfah zu einem der größten europäischen Wohnimmobilienkonzerne mit aktuell 350.000 Wohnungen in Deutschland zusammenschließen. Betroffene Mieter der jetzt schon aggressivsten Miethai-Konzerne wissen aus eigener langjährigen Erfahrung, was das für sie bedeuten wird: Verwahrlosungstendenzen ganzer Siedlungen, nur widerwillige Reparaturen – aber die Mieten und Nebenkosten kräftig erhöhen.

Für Thomas Zinnöcker, Chef der Gagfah, geht es bei der Fusion in erster Linie um eine Steigerung der Profite: „Die Gagfah hat ihre operative und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in den vergangenen 18 Monaten deutlich gesteigert und dadurch erheblichen Wert für ihre Aktionäre geschaffen. Der geplante Zusammenschluss mit der Deutsche Annington eröffnet umfassende Chancen für nachhaltiges Wachstum und weitere Wertsteigerung.“

Wie Hohn muss es in den Ohren der Mieter klingen, wenn er anfügt: „Namentlich für unsere Mieter wird sich durch den Zusammenschluss nichts ändern. Wir bleiben ein Wohnungsunternehmen, dass sich seiner sozialen Verantwortung bewusst ist.“ (Pressemitteilung der Gagfah vom 1.12.2014)

Das Wachsen der Miethai-Konzerne ist politisch gewollt. Groß geworden sind sie vor allem durch den Verkauf des Wohnungsbestands des Bundes. Allein seit der Wiedervereinigung hat die Bundesregierung 353.000 bundeseigene Wohnungen an private Investoren für rund 7,8 Milliarden Euro verscherbelt. Darunter 64.000 Eisenbahnerwohnungen an die Deutsche Annington. Erst letzte Woche hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) beschlossen, die restlichen verbliebenen 38.600 „Objekte“ zu verkaufen. Damit wäre der Bund als einer der einst größten Wohnimmobilienbesitzer endgültig „wohnungsfrei“.

Bereits 2006 hat sich die Bundesregierung vollständig aus der Förderung des Sozialen Wohnungsbaus verabschiedet. Zur Zeit entfällt jährlich für rund 100.000 Sozialwohnungen die Mietpreisbindung - die oft nur für 15 oder 20 Jahre gilt – während jährlich nur rund 11.000 neue Sozialwohnungen von den Bundesländern gebaut werden. Die einst 4 Millionen Sozialwohnungen in den 1980er Jahren wurden so systematisch auf aktuell nur noch 1,5 Millionen reduziert. Nach einer Studie des „Eduard-Pestel-Instituts für Systemforschung“ liegt der grundsätzliche Bedarf an Sozialwohnungen gegenwärtig in Deutschland bei mindestens 7 Millionen Wohneinheiten. (news.immowelt.de „Sozialer Wohnungsbau ade – Staat fördert Wohneigentum für Mittelschichten)

Die Kosten für Wohnen nehmen einen immer größeren Teil des Lebensunterhalts der Werktätigen ein. Das betrifft nicht nur die Mieter der Gagfah und der Deutschen Annington, sondern gerade die Arbeiterfamilien und Familien kleiner Angestellten.

Deshalb fordern Mieterbund und Sozialverbände eine schnelle Aufstockung des Sozialen Wohnungsbaus. Die MLPD fordert in ihrem Programm die Schaffung von ausreichendem und preisgünstigem Wohnraum. In einer sozialistischen Gesellschaft geht es beim Wohnungsbau darüber hinaus um mehr. Ziel ist dann um die „Überwindung der Trennung von Stadt und Land sowie Verschmelzung von beiden durch planmäßige Renaturierung der Städte und Urbanisierung des Landes für bestmögliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in einer gesunden Umwelt.“ („Katastrophenalarm!“, Seite 320)