Opel Berichte

Bewegende letzte Schicht bei Opel Bochum

Bewegende letzte Schicht bei Opel Bochum
Gemeinsam mit dem letzten Auto zog dieses Transparent durch alle Abteilungen - im Bild OFFENSIV-Betriebsrätin Annegret Gärtner-Leymann (foto: privat)

05.12.14 - Heute Nacht um 1 Uhr ist - nach 52 Jahren - das letzte Auto bei Opel in Bochum vom Band gelaufen. Eine Ära ist zu Ende gegangen. Die letzten Tage schon nutzten Kolleginnen und Kollegen und ihre Familien, um Abschied zu nehmen, letzte Fotos zu machen. Viele besprachen, wie man in Verbindung bleibt und tauschten sich über künftige Pläne aus.

"Die Stimmung unter den Kollegen ist nachdenklich und die Kolleginnen und Kollegen machen sich sehr weitgehende Gedanken", berichtet Rainer Weinmann, von der Betriebsratsliste OFFENSIV. "Ein Kollege von mir, ein gut ausgebildeter Facharbeiter, hat 270 Bewerbungen geschrieben - bis ins Ausland. Nur zwei oder drei haben überhaupt geantwortet. Alle Angebote sind Leih- und Zeitarbeit und so bezahlt, dass es nur mit Hartz-IV- Aufstockung zum Leben für die Familie reicht."

Die Betriebsratsliste OFFENSIV hat gestern noch ein Flugblatt herausgegeben, auch für die Betriebsversammlung am kommenden Montag. "Viele Jahre haben wir gemeinsam gearbeitet und gekämpft, gestritten, gelacht, getrauert und gefeiert – Ihr werdet uns fehlen!" heißt es in dem Flugblatt.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen", heißt es in dem Flugblatt weiter. "Die Belegschaft … hat gezeigt, dass man sich dem nicht hingeben muss. In den zwei Jahren seit Verkündung der Werkschließung: Mindestens fünf selbständige Streikaktionen, Informationsveranstaltungen, Besetzung der Castroper Straße, bis zu 17-stündige Belegschaftsversammlungen usw. Viel Solidarität aus der Bevölkerung, neue Organisationsformen wie das 'Basta!'-Frauenkomitee, die Streikkasse usw. Die Solidarität war da, die Belegschaft war kampfbereit."

"Der Klassenkampf als Arbeiter geht weiter", so Rainer Weinmann. Viele haben auch zugesagt, am kommenden Montag zur revierweiten Kundgebung der Montagsdemonstration in Bochum zu kommen. Sie steht unter dem Motto: "Wir haben die Schließung nie akzeptiert … und tragen die Fackel weiter!"

Auch die "Rote Fahne"-Redaktion war gestern noch einmal vor dem Tor, um mit den Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. "Das, was wir hier gelernt haben, das tragen wir in die neuen Betriebe rein", erzählt ein Arbeiter. "Da machen wir weiter. ... Klar, das alles hat natürlich auch immer einen traurigen Touch. ... Aber man muss das so sehen: Wir haben ja nicht den Betrieb aufgegeben, sondern die haben uns aufgegeben. So muss man das sehen. Ich wünsche alles Gute."

"Ich geh jetzt geh ich erstmal gucken, ob das letzte Auto schon vom Band gerollt ist", meint ein anderer. "Ich war 30 Jahre hier, meine ganzen Kollegen, die meisten werde ich im Leben nie wieder sehen – außer die, mit denen man privat so zusammen ist. Als dann alles Gute."

"Wir hätten einen Streik machen müssen, aber wir haben uns nicht getraut", wertet ein dritter nüchtern aus. "Alle haben gewartet auf einen Schubs vom Betriebsrat oder der IG Metall. Aber er kam nicht. Die nächste Generation in anderen Betrieben, die soll die Augen offen halten, nicht auf das dumme Gelaber von anderen Leuten hören, von der Geschäftsleitung, oder Betriebsräten, sondern vom eigenen Willen und Herzen ausgehen."

Wer seine ungebrochene Solidarität mit den Bochumer Kolleginnen und Kollegen zeigen und die Fackel ihres Kampfs und ihrer Erfahrungen in die Betriebe in der Region tragen will, ist herzlich eingeladen, am 8. Dezember zur Kundgebung ab 17 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz/Rathaus in Bochum willkommen.

Die "Rote Fahne"-Redaktion wird ihren Beitrag leisten, die Erfahrungen und Errungenschaften dieser Belegschaft weiter zu tragen.