Umwelt

Neue Studie: Jeder zweite erkrankt an Krebs

Neue Studie: Jeder zweite erkrankt an Krebs
Pancreas-Karzinom unter dem Mikroskop (foto: KGH)

21.12.14 - Die am 9. Dezember im Jahresbericht 2014 des Epidemiologischen Krebsregisters NRW veröffentlichten Daten sind schockierend: jeder zweite Mensch in Nordrhein-Westfalen erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist Brustkrebs (ein Drittel der Fälle), bei Männern der Krebs der Prostata (ein Viertel der Fälle). Allerdings ist das kein auf dieses Bundesland beschränkte Problem. Zwischen 2000 und 2010 hat die Zahl der Krebsneuerkrankungen laut Robert-Koch-Institut bundesweit bei Männern um 21 Prozent, bei Frauen um 14 Prozent zugenommen. Für das Jahr 2014 rechnet das bundeseigene Institut mit weiter steigenden Erkrankungszahlen.

Zwar verbessern sich mit früher Erkennung die Heilungschancen vor allem bei Erkrankungen der Brust, der Prostata und des Darms. Trotzdem wächst die Zahl der Krebstoten und betrifft dies tendenziell immer mehr jüngere Menschen. Jeder Vierte in Deutschland stirbt an dieser Krankheit.

Die wesentliche Ursache für diese Krebsepidemie liegt in der zunehmenden Vergiftung der Biosphäre mit krebserzeugenden Stoffen unter anderem aus Verbrennungsanlagen, Atomkraftwerken oder der Chemieindustrie. Als im Jahr 2005 das Internationale Krebsforschungszentrum der WHO (IARC) 900 von 100.000 künstlichen Stoffen untersuchte, fand es darunter nur einen einzigen, der keinen Tumor verursacht. Im November 2014 berichteten US-Wissenschhaftler, dass der unter anderem in Seifen, Deos oder Zahnpasta enthaltene antibakterielle Wirkstoff Triclosan Leberkrebs bei Mäusen auslöst und schlussfolgerten, "dass ein von dieser Chemikalie induzierter Leberkrebs beim Menschen genauso auftreten kann wie bei den Mäusen" (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2014; doi: 10.1073/pnas.1419119111, 19.11.2014). Triclosan ist in der Bevölkerung allgegenwärtig: im Blut, in der Muttermilch oder im Urin.

Inzwischen zeigten Wissenschaftler, dass auch überlange und intensive Arbeitsschichten in Beruf und Familie sowie die Arbeit in der Nacht die Krebsentstehung fördern. "Zwischen 2001 und 2011 wuchs die Zahl der Beschäftigten mit einer Arbeitswoche von über 48 Stunden um 23 Prozent ... . Die Anzahl der Werktätigen mit Schichtarbeit wuchs infolge vermehrter Flexibilität von 2001 bis 2011 von 4,8 Millionen auf rund sechs Millionen und die Zahl der am Wochenende Beschäftigten von 6,7 auf fast 9 Millionen. ... 2011 (mussten) in Deutschland 3,3 Millionen Arbeiter und Angestellte regelmäßig oder gelegentlich nachts arbeiten." (Stefan Engel, "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?", S. 219)

Unter derartigen Bedingungen werden die Ausscheidung krebserzeugender Giftstoffe aus dem Körper gemindert und die körpereigene Immunabwehr massiv geschwächt, so dass vermehrt Krebszellen entstehen und sich ein Tumor entwickeln kann. Die Verschärfung der Ausbeutung unter Missachtung elementarer Gesetze der Natur sind somit an der Krebsepidemie beteiligt.

Das Robert-Koch-Institut behauptet dazu: "Von vielen Krebserkrankungen ist die Ätiologie nicht bekannt oder die bekannten Auslöser lassen sich nicht beeinflussen." (Krebs in Deutschland 2009/2010, 9. Ausgabe 2013, S. 19) Und es empfiehlt jedem Einzelnen, sein Krebsrisiko zu senken durch Verzicht auf Rauchen, Alkoholkonsum, gesunde Ernährung, mehr Bewegung und mehr UV-Schutz unter der Sonne. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wohl aber, wie die Verantwortung der internationalen Monopole für diese Epidemie bestritten wird: "Von vielen Menschen überschätzt wird zumindest für Deutschland der Einfluss von Schadstoffen und Verunreinigungen in Lebensmitteln, ebenso der von Umwelteinflüssen oder Belastungen am Arbeitsplatz." (ebenda)

Die kapitalistischen Monopole als Hauptverursacher mit keinem Wort zu erwähnen und die Ursachen den Massen zu unterschieben – das ist kleinbürgerlicher Ökologismus im Gesundheitswesen, um die Zerstörung von Mensch und natürlicher Umwelt durch das internationale Finanzkapital zu rechtfertigen bzw. zu relativieren. Wer sich nicht mit Halbwissen zu dem Thema zufrieden geben will, dem sei die Teilnahme an einer Studien- und Diskussionsgruppe zum Buch von "Katastrophenalarm!" empfohlen.