Umwelt

10. Jahrestag des Tsunamis im Indischen Ozean: Weltweites Gedenken der Opfer

10. Jahrestag des Tsunamis im Indischen Ozean: Weltweites Gedenken der Opfer
Tsunami Fluchtweg

27.12.14 - Am 2. Weihnachtsfeiertag 2004 löste die Verschiebung der unterseeischen Kontinentalplatte im indischen Ozean mit Zentrum vor der indonesischen Insel Sumatra den größten Tsunami seit deren Aufzeichnung aus. In 14 Ländern rund um den indischen Ozean werden die Küstenregionen ohne Vorwarnung von riesigen Flutwellen getroffen. Mindestens 230.000 Menschen sterben in den Fluten. Millionen werden obdachlos. Ganze Landstriche werden zerstört.

Zum 10. Jahrestag dieser Naturkatastrophe gedenken weltweit viele Menschen der Opfer. In den betroffenen Gebieten Indonesiens, Sri Lankas und Thailands finden Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Schon damals war die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Massen weltweit enorm. Aus Deutschland sind laut Bundesregierung bis 2009 allein fast eine Milliarde Euro Spenden zusammen gekommen.

Von Anfang an stand aber auch die Kritik am fehlenden Frühwarnsystem im Mittelpunkt. Während im Tsunami-Frühwarnzentrum von Hawaii (PTWC) am anderen Ende der Erde schon acht Minuten nach dem Seebeben klar war, welche Stärke es hat und die Konsequenzen absehbar waren, gab es kein Frühwarnsystem für die dann betroffenen Regionen. Und heute? Es wurden Stichstraßen weg von der Küste angelegt, Fluchtwege und Hinweisschilder angebracht.

Doch flächendeckende Alarmübungen werden seit 2009 immer öfter eingestellt. Regierung und Tourismusbranche wollen alles vergessen machen, um wieder Touristen ins Land zu locken. Der Aufbau musste deshalb schnell gehen und an den Bedürfnissen der Sicherheit und der Masse der Bevölkerung vorbei. Und so sind Hilfsgelder und der Wiederaufbau vielfach Nahrung für die Korruption. "Viele haben sich dabei natürlich bereichert", erzählt ein Bewohner von Ulee Lheue. (1)

Die Hilfsorganisation CARE ließ Hunderte von neuen Häusern für Tsunami-Opfer wieder abzureißen. Der Bauunternehmer hatte beim Zement gespart. „Am schlimmsten sind die Projekte der indonesischen Tsunami-Hilfsbehörde BRR, der Weltbank und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) ausgefallen“, sagt Architekt Yuli Kusworo. „Die haben große Unternehmen mit dem Bau der Häuser beauftragt.“ (2)

Dass Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstbefreiung notwendig ist, berichtet eine Delegation der internationalen Hilfsorganisation "Solidarität International (SI)" in der letzten ROTEN FAHNE: "Wir sprachen mit Fischern im Küstenort Panggandaran, die in der Flutwelle Hunderte Boote verloren. Die Regierung kaufte neue Boote und schenkte sie einem ihrer regionalen Statthalter. Seitdem arbeiten die Fischer als bezahlte Tagelöhner zu Hungerlöhnen auf fremden Booten. ... Die 'Demokratische Volksbewegung Indonesiens (GRI)' sammelte Spenden. An den Kontrollposten wollte das Militär diese einsammeln, weil Eigeninitiative ohne Kontrolle der Regierung ausdrücklich verboten ist. Nichtsdestotrotz organisieren fortschrittliche Massenorganistaionen wie die GRI, die Frauenorganisation PERPENI und Jugend- und Studentenorganisationen Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstbefreiung. Viele, vor allem junge Menschen, begannen sich dauerhaft zu organisieren, um ihre Interessen in die eigene Hand zu nehmen."

(1) http://www.welt.de/politik/ausland/article135742032/Wo-die-Uhr-um-fuenf-vor-acht-stehen-blieb.html

(2) http://diepresse.com/home/panorama/welt/4625438/Aceh_Als-die-Helfer-mit-Taschen-voller-Spenden-kamen?_vl_backlink=/home/panorama/welt/4623368/index.do&direct=4623368