Politik

Vorweihnachtliche Standpauke im Vatikan

Vorweihnachtliche Standpauke im Vatikan
Papst Franziskus (foto: Jorgebarrios)

24.12.14 - Papst Franziskus ist immer wieder für eine Überraschung gut. An Stelle einer besinnlich-beschönigenden Weihnachtansprache las er der versammelten Riege des vatikanischen Machtapparats, der so genannten Kurie, die Leviten. Sie seien von "15 Krankheiten" - angefangen bei "spirituellem Alzheimer" bis zu "existentieller Schizophrenie" - befallen. Dazu gehörten auch Machtstreben, Geldgier, Eitelkeit und Intrigantentum verbunden mit der "Pathologie der Macht". Durch die "Vergötterung des Chefs" würden sie voller "Untertänigkeit und Opportunismus" nach oben buckeln und nach unten treten. Es sei Ausdruck von Konkurrenz und Karrierismus, "andere zu verleumden, zu diffamieren und zu diskreditieren, um sich selbst darzustellen". Als "Schizophrenie" bezeichnete er die grassierende Doppelmoral, den Kirchenmitgliedern Demut und Bescheidenheit zu predigen, selber aber in Luxus zu schwelgen - was bis dahin ginge, ein "Doppelleben" zu führen.

Ob dieses moralische Gewitter die Angeklagten zur Einsicht bewegt, darf allerdings bezweifelt werden. Es macht den Papst jedoch sympathisch, dass er gleich im Anschluss an die Versammlung mit den Kurienkardinälen auch mit im Vatikan beschäftigten Putzfrauen, Gärtnern und Pförtnern zusammentraf, die sich selbst "die Unbekannten, Unsichtbaren" nennen.

Viele Katholiken setzen große Hoffnungen auf diesen Papst, der allerdings in seiner bisherigen Amtszeit wenig reale Veränderungen verwirklichen konnte. Die Zahl der Kirchenaustritte als deutlichstes Zeichen der Krise der Kirche ist anhaltend hoch. Immer neue ungesühnte Skandale kochen hoch. Das ändert aber nichts am Charakter der katholischen Kirche und ihrer reaktionären Geschichte. Erst vor wenigen Wochen sprach Franziskus Papst Paul VI. (1963 – 1978) selig, ungeachtet seiner rabiaten Politik gegen jegliche Form der Empfängnisverhütung. An seinen Vorgängern übt er keinerlei Kritik, sondern huldigt im Gegenteil dem erzkonservativen Benedikt XVI. (2005 - 2013) ebenso wie dem glühenden Antikommunisten Johannes Paul II. (1978 - 2005).

Päpste, die sich um wirkliche Neuerungen bemühten, lebten allerdings gefährlich. Bis heute sprechen viele Indizien dafür, dass Papst Johannes Paul I. nach nur 33-tägiger Amtsausübung 1978 vergiftet wurde, weil er die Verquickung von Vatikan und Mafia attackiert hatte. Franziskus versteht sich als "Papst der Armen", ob gewollt oder ungewollt trägt er dazu bei, dass sich nach wie vor Millionenmassen armer Menschen ihrem hiesigen Schicksal fügen in der Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits. Darüber lässt sich gerade an den Weihnachtstagen nachdenken und diskutieren.

Die Redaktion von "Rote Fahne" und "rf-news" wünscht allen Lesern erholsame Feiertage. Alle sind herzlich eingeladen zu den Silvesterfeiern von MLPD, REBELL und Freunden, um das neue Jahr gemeinsam und schwungvoll zu begrüßen. Das nächste "Thema des Tages" wird regulär am 27. Dezember erscheinen.