Umwelt

Vogelgrippen-Seuche: Folge der Massentierhaltung in der kapitalistisch organisierten Landwirtschaft

Vogelgrippen-Seuche: Folge der Massentierhaltung in der kapitalistisch organisierten Landwirtschaft
Ausgeschilderte Schutzzone bei einer früheren Vogelgrippe-Seuche (foto: Uwe)

22.12.14 - Im Landkreis Cloppenburg wurden am 16. und 17. Dezember insgesamt 120.500 Tiere aus der Geflügel-Massentierhaltung "gekeult" (getötet). Für 400.000 Tiere wurde ein Transportverbot erlassen, auch Fleisch, Eier, Mist und Gülle durften dieses Gebiet nicht mehr verlassen. Niedersachsen ist das Hauptgebiet der Massentierhaltung in Deutschland, allein im Kreis Cloppenburg werden knapp 13,5 Millionen Puten und Hühner gehalten. Das aggressive Vogelgrippe-Virus H5N8 führte schon im November in Mecklenburg-Vorpommern zum Tod von 90 Prozent der befallenen Mastputen. Auch in den Niederlanden, Großbritannien und Italien sind Bestände befallen. In Südkorea wurde H5N8 erstmals identifiziert und bis September mussten mehr als zwölf Millionen Vögel getötet werden.

Die Vogelgrippe zählt zu den Influenza-A-Viren. Im Gegensatz zu Influenza-B-Erregern mutiert es zu verschiedenen Subtypen, die durchnummeriert werden. Die Abkürzungen "H" und "N" stehen für die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle, Hämaglutinin und Neuraminidase. Bisher kam es durch H5N8 nicht zu einer Erkrankung von Menschen, die bei anderen A-Viren bis zum Tod führte. Das Robert-Koch-Institut will eine solche Entwicklung aber nicht ausschließen. Diese internationale Seuche hat ihren Nährboden in der kapitalistischen Massentierhaltung: engster Körperkontakt der Tiere, Übertragung durch (Leih-)Arbeiter sowie Futtertransporte auf andere Ställe, aber auch Infektion durch Wildvögel sind hauptsächliche Faktoren.

Die tägliche Beimischung von Antibiotika zum Futter lässt auch andere Krankheitserreger in den Brutkästen ständig mutieren und gegen immer mehr Antibiotika resistent werden. Sie wurden häufig vom Menschen auf die Tiere übertragen und kehren als multiresistente Keime über die Lebensmittel oder gülleverseuchtes Trinkwasser wieder zu ihnen zurück. Jeder dritte Mensch trägt sie inzwischen auf der Haut oder in der Nase. Das wird bedrohlich bei offenen Wunden, Operationen oder der Verlegung von Kathedern.

Damit erweist sich die kapitalistische Massentierhaltung als ein Faktor für die drohende globale Umweltkatastrophe. Gebetsmühlenartig wird diese Produktionsweise in den Medien damit verteidigt: "Aber die Verbraucher wollen das doch so!" Schon Lenin wies aber darauf hin, "daß sich die Produktion selber einen Markt schafft, daß sie die Konsumtion bestimmt" (zitiert im Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?", S. 165.).

Eine individuelle, sicher sinnvolle Umstellung des Ernährungsverhaltens hat im Kapitalismus enge Grenzen. Die Ökofleischproduktion ist zwar sicherer, aber selbst Veganer sind nicht hermetisch geschützt vor den Verbreitungswegen multiresistenter Erreger.

Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten muss verbunden werden mit dem Kampf gegen die Massentierhaltung. Und sie braucht Perspektive: "Die kapitalistische Produktion und Konsumtion hat zu drastischen Fehlentwicklungen im Verhältnis der Menschen zur Natur geführt, zu einer Deformation der Produktions- und Lebensweise, die nach dem Sieg der internationalen sozialistischen Revolution über längere Zeit korrigiert und neu ausgerichtet werden müssen. .. Der Kampf um das Leitbild einer proletarischen Produktions- und Lebensweise, die allein die nachhaltige Einheit von Mensch und Natur gewährleisten kann, bekommt erstrangige Bedeutung für die gesamte sozialistische Gesellschaft." ("Katastrophenalarm!", S. 316 ff)