Umwelt

Monsanto und Syngenta – eine neue Runde der Verschmelzung in der Agrarchemie?

Monsanto und Syngenta – eine neue Runde der Verschmelzung in der Agrarchemie?
Ein Monsamto-Gegner beim Anti-G7-Protest in München (rf-foto)

10.07.15 - Zwischen dem weltgrößten Saatgutmonopol Monsanto (USA) und dem weltgrößten Pestizidkonzern Syngenta (Schweiz) ist seit Wochen eine Übernahmeschlacht in Gang. Monsanto bietet bisher 45 Milliarden US-Dollar, um im Konkurrenzkampf um die Beherrschung der Welternährung andere Agrarchemie-Übermonopole zu verdrängen.

Sechs internationale Monopole, darunter BASF und Bayer, kontrollieren das Saatgut, die Düngemittel und die Unkrautvernichtungsmittel einschließlich der Patente für die meisten Kultur- und Ackerpflanzen der Erde. Auf der Grundlage der Bio- und Gentechnologie haben sich Agrar-, Handels-, Bank- und Industriekapital die Landwirtschaft im internationalen Maßstab unterworfen. Ihre Gier zur Beherrschung des Agrarmarkts geht einher mit einer ungeheuren Verschärfung der Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Natur.

Monsanto und Syngenta setzen das Herbizid Glyphosat ein, das als krebserregend gilt und inzwischen weltweit allgegenwärtig ist. Das hinderte allerdings das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung nicht daran, noch im Dezember 2013 Glyphosat für unbedenklich zu erklären. Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel machen die kleinen und mittleren Bauern von den internationalen Agrarchemiemonopolen vollständig abhängig. Die vielfältigen Getreidearten sterben zugunsten von genmanipulierten Monokulturen aus, vor allem in Afrika. Landwirtschaftliche Flächen werden ausgelaugt. Allein zwischen 1994 und 2007 verloren weltweit 60 Millionen kleine und mittlere Bauern ihre Existenz. Viele von ihnen werden in die Flucht getrieben. 50 Prozent der etwa einer Milliarde Hungernden sind Familien kleiner Bauern. Der übermäßige Einsatz von Düngemitteln führt zur Überdüngung der Flüsse und beschleunigt das Umkippen der Weltmeere.

Die Fusion von Monsanto und Syngenta könnte ein Auftakt zu einer neuen Runde der Verschmelzung in der Agrarchemie sein. Die Landwirtschaft soll noch exzessiver den Interessen des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals unterworfen werden. Die imperialistischen Regierungen fördern das. So ist ein zentraler Punkt des geplanten Freihandelsabkommens TTIP zwischen den USA und der EU die weitere Monopolisierung des Saatguts.

Mit dem gewaltigen Fortschritt in der Produktivität in der Landwirtschaft reift auch die materielle Grundlage für die Lösung der Ernährungsfrage der Menschheit heran wie nie zuvor. Längst könnte man genügend Lebensmittel für alle herstellen und in einer sozialistischen Gesellschaft die fortschreitende Deformierung der Nahrungsmittelproduktion mit immer mehr künstlich hergestellten Lebensmitteln, ihrer Verschwendung und Vernichtung durch die kapitalistische Wegwerfproduktion, korrigieren und überwinden. Aber die Alleinherrschaft des internationalen Finanzkapitals steht dem im Weg.

Das bringt die Massen immer mehr auf. So haben am 23. Mai Zehntausende in 421 Städten und 48 Ländern auf allen Kontinenten sich am dritten jährlichen "Marsch gegen Monsanto" beteiligt, der erstmals auch ein "Marsch gegen Syngenta“ war. In Indien demonstrierten vor kurzem tausende Bauern und ihre Familien gegen ein geplantes Freihandelsabkommen zwischen der deutschen und indischen Regierung, das genmanipuliertes Saatgut zulassen will.

Die MLPD hat in dem Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" ein allseitiges Programm für den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe entwickelt. Eine wichtige Forderung dabei ist: "Kampf dem weltweiten Hunger, der Spekulation mit Lebensmitteln, der massenhaften Vergiftung und Vernichtung oder dem Missbrauch von Nahrungsmitteln, der Fehlernährung von Milliarden Menschen! Verbot des Einsatzes genmanipulierter Pflanzen und Tiere!" (S. 278)