Umwelt

Milch im Überfluss ruiniert die Bauern

Milch im Überfluss ruiniert die Bauern
Mitglieder des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter demonstrieren mit anderen europäischen Bauern 2010 in Straßburg (rf-foto)

03.01.15 - Seit etwa einem halben Jahr sinken die Erzeugerpreise für die Milchbauern wieder. Es ist zu viel Milch da: allein im letzten Jahr wurde die Milchquote nur in Deutschland um rund 588.000 Tonnen bzw. 1,94 Prozent überschritten. Das ist mehr als der durchschnittliche Exportanteil der gesamten EU in den letzten zehn Jahren. Die Preise sinken immer schneller Richtung 30 Cent je Liter an, eine Schmerzgrenze für die Bauern.

Die bürgerliche Propaganda behauptet, die 30-Cent-Marke würde nicht unterschritten. Sie prophezeien sogar ein „goldenes Milchzeitalter“, weil der Bedarf in China sich in zehn Jahren verdoppeln würde. Inzwischen bereiten Milchbauern des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) wieder Proteste vor. Viele Bauern wollen nicht noch mehr, sondern zurück zu einem „menschlichen Maß, bei dem Mensch, Tier und Umwelt im Mittelpunkt stehen und nicht das Kapital“ („Bauernstimme“, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). 30 Cent je Liter ist von der Wirkung für kleine und mittelgroße Betriebe so, wie 20 Cent 2009 – es ruiniert. Um zu überleben würden inzwischen 45 Cent je Liter benötigt.

Wie kam es zu der jetzigen Situation? Zunächst wurde die EU-weite Milchquote (von der EU festgelegte maximale Milchmenge) von Jahr zu Jahr erhöht. So sollten die Milchbauern sich an den Wegfall der Quote am 31. März 2015 anpassen. EU-Bürokraten nennen das „weiche Landung“.

Die Preise stiegen bis auf die von den kämpferischen Milchbauern geforderten 40 Cent. Der hauptsächliche Auslöser waren aber einer oder mehrere Sonderfaktoren: Die Exporte von Neuseeland nach China wurden wegen Verunreinigungen in der Milch gestoppt. Außerdem sorgten Trockenperioden in verschiedenen Ländern für einen Rückgang der Menge auf dem Weltmarkt. Dadurch konnte z.B. Milch im Tetrapack „made in Germany“ für viel Geld in China verkauft werden. Manche Betriebe haben kräftig aufgestockt, neue Ställe gebaut zum Teil für 600 Kühe mit Option auf 1.200 zu verdoppeln. Neuseeland liefert allerdings inzwischen wieder.

Die Milchbauern vom BDM fordern, nicht für die Profite auf dem Weltmarkt zu produzieren, sondern lediglich für den Bedarf der EU. Dafür wollen sie eine flexible Mengensteuerung, bei steigendem Bedarf mehr und bei sinkendem weniger zu produzieren, einführen. Das wurde von Regierungen, Milch- und Handelskonzernen immer als „bürokratischer Eingriff in den Markt“ abgelehnt.

Im Klartext heißt das, im Interesse des internationalen Finanzkapitals sollen die Kühe in Megaställe gepfercht werden - mit allen umweltpolitischen Folgen! Milchindustrie und die Lebensmittelhandelsmonopole sollen weiterhin die größten Profite abschöpfen. Am 17. Januar 2015 gibt es dagegen wieder die alljährliche Demonstration „Wir haben Tierfabriken satt“, die sich dieses Jahr auch besonders gegen die Freihandelsabkommen wie TTIP (EU-USA) richtet. Ab 12 Uhr, Berlin, Potsdamer Platz.

Diese Entwicklung zeigt die völlige Unfähigkeit des kapitalistischen Systems, im Einklang mit der natürlichen Umwelt für die Massen zu produzieren. Das kann erst im Sozialismus der Fall sein, wenn nach einer genauen Planung tier- und umweltgerecht gehalten und produziert wird. Deshalb ist jeder Milchbauer eingeladen, die Umweltpartei MLPD auf Herz und Nieren zu prüfen.