Umwelt

Orkantiefs "Elon" und "Felix" wüten über Deutschland

Orkantiefs "Elon" und "Felix" wüten über Deutschland
Sturm vor Helgoland. Foto: AnSchieber (flickr)

10.01.15 - Orkanböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern in der Stunde fegen zur Stunde über die Hochlagen des Bayerischen Waldes und der Alpen hinweg. In Schwaben und Oberbayern werden weitere schwere Sturmböen erwartet.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat für die deutsche Nordseeküste eine Sturmflut-Warnung herausgegeben. Die Behörde rechnet damit, dass das Hochwasser am Nachmittag im Weser- und Elbegebiet sowie an der nordfriesischen Küste etwa anderthalb Meter höher als das mittlere Hochwasser liegen wird. Für die ostfriesische Küste wird ein erhöhter Wert von etwa einem Meter prognostiziert. Erst am Freitagabend war der Hamburger Fischmarkt von einer Sturmflut überspült worden.

Gestern blockierte der Sturm drei Hauptrouten der Bahn. Die Fernverkehrsstrecken Hamburg-Hannover, Hamburg-Berlin und Hamburg-Bremen waren stundenlang gesperrt. Zahlreiche Fähren stellten ihren Dienst ein. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes erreichten die Böen auf der Zugspitze in der Nacht zum Samstag fast 160 km pro Stunde. Umstürzende Bäume verletzten mehrere Schulkinder in Norddeutschland. Todesopfer waren bislang durch die Orkanböen glücklicherweise noch nicht zu beklagen.

Heute wird eine Kaltfront kommen, teilte die MeteoGroup Unwetterzentrale in Berlin mit. Der abrupte Wechsel der Luftmassen werde neue Sturmböen verursachen; extreme Temperaturschwankungen prägen das Wetter. Im Berchtesgadener Land kletterte das Thermometer heute auf über 18 Grad, am Abend soll es am Alpenrand schneien.

Die "BILD"-Zeitung berichtet von einer "Risikoanalyse" der Bundesregierung. Diese bezieht sich nicht auf den aktuellen Sturm, sondern spielt mögliche Szenarien durch, wenn sich der Übergang zu einer Klimakatastrophe weiter beschleunigt. Demnach könnte ein schwerer Orkan mit einer Sturmflut in Deutschland mehr als tausend Todesopfer fordern. Schwere Schäden an Infrastrukturen der Energieversorgung und großflächige Stromausfälle seien mögliche Folgen. Bis zu sechs Millionen Menschen wären von den Blackouts betroffen. Diese "Risikoanalyse" ist nicht zu weit hergeholt. Einen Vorgeschmack erlebten die Menschen im Rheinland und im Ruhrgebiet am Pfingstmontag 2014 ("rf-news" berichtete).

"Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" analysiert direkte Folgen und Rückkopplungen der beschleunigten Klimaerwärmung und stellt auch die immer häufiger auftretenden Wetterextreme in diesen Zusammenhang. Auf allen Kontinenten nahmen schwere Stürme zu. Auf den Philippinen riss 2012 der Taifun Bopha 1.100 Menschen in den Tod, 2013 tobte der Taifun Haiyan/Yolanda mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 380 km über das Land, hinterließ 8.000 Tote und wurde zum Fanal des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe. Im November 2014 protestierten Zehntausende Yolanda-Überlebende gegen den schleppenden Wiederaufbau in der zerstörten Region.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Bundes- und Länderregierungen aus ihren "Risikoanalysen"? Sie setzen Milliarden Euro für technische Maßnahmen zur Katastrophenbewältigung und -vorsorge ein, doch die hauptsächlichen Ursachen, die Klimaveränderung und die Versiegelung der Böden bleiben unangetastet ("Katastrophenalarm!" S. 129). Zynische Gedanken darüber, wie mit Menschen umzugehen sei, die wegen Umweltkatastrophen aus ihrer Heimat fliehen müssen, macht sich die Bundesregierung: "Die Frage, ob klimabedingte Zuwanderer ausreisepflichtig sind oder, soweit sie ggf. nicht freiwillig ausreisen, abgeschoben werden sollten, hängt davon ab, ob
und welche Aufenthaltstitel für sie nach dem deutschen Aufenthaltsrecht in Betracht kommen"
(Deutscher Bundestag, Drucksache 18/5009).

Die MLPD hat ein Programm für den Kampf gegen die drohende Umweltkatstrophe entwickelt. Eine wichtige Forderung ist:
Sukzessives und dann vollständiges Ersetzen fossiler Brennstoffe durch regenerative Energien! Energiegewinnung vor allem aus Sonne, Wind, Wasser und Bioabfällen! Senkung der Treibhausgas-Emissionen um 70 bis 90 Prozent bis zum Jahr 2030 und klarer Kurs auf Absenkung des CO2-Gehalts in der Luft auf 350 ppm! ("Katastrophenalarm!", Seite 277).