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10. Todestag von Oury Jalloh

10. Todestag von Oury Jalloh
Oury Jalloh (foto: scharf-links.de)

06.01.15 - Vor zehn Jahren, am 7. Januar 2005, ist der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers auf einer schwer entflammbaren Matratze an Händen und Füßen gefesselt bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Brand- und Todesursache sind bis heute ungeklärt. Das Landeskriminalamt Sachsen–Anhalt, die Kriminalpolizei von Stendal und die Staatsanwaltschaft Dessau behaupteten von Anfang an, dass Oury Jalloh die Matratze am 7. Januar 2005 selbst entzündet hätte.

Daraufhin gründete sich eine Initiative zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh, der ursprünglich aus Sierra Leone (Westafrika) stammte. Im November 2014 teilte die Initiative mit: „Ein von uns in Auftrag gegebenes Brandgutachten brachte im November 2013 den Beweis, dass die Ausmaße und die Schwere der Verbrennungen, wie sie im Fall von Oury Jalloh vorgefunden wurden, nur unter Einsatz von brandbeschleunigenden Mitteln erreicht werden konnten. ... Dieselbe Dessauer Staatsanwaltschaft, die seit fast zehn Jahren die Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh verhindert, versucht heute diejenigen strafrechtlich zu verfolgen, die die Aufklärung der Todesumstände jahrelang auf juristischem Wege erkämpfen wollten.“

Die Initiative verweist darauf, dass Oury Jalloh nicht das einzige Opfer in Sachsen-Anhalt ist und sieht einen „rassistischen Konsens“ zwischen Teilen des Polizeiapparats, Innenministeriums und Justiz.

In diese Richtung weist auch, dass eine Strafanzeige wegen Mordes gegen Unbekannt beim Generalbundesanwalt Harald Range von einem Vertreter des Bundesgerichtshofes abgewiesen wurde, da man „aus rechtlichen Gründen nicht berechtigt“ sei, das Verfahren „an sich zu ziehen“. Auch in Karlsruhe wollten die Bundesanwälte keinerlei Anhaltspunkte für die Ermordung Oury Jallohs sehen.

Inzwischen sind zahlreiche Fälle bekannt, bei denen der Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern von Polizei, Sicherheitspersonal und Justiz rassistische Züge und Tendenzen hat. Übergriffe wie in Flüchtlingsheimen werden höchstens in Ausnahmen verfolgt. In solchen Kreisen gibt es eine verbreitete Auffassung gegenüber Flüchtlingen aus Afrika als Menschen dritter Klasse, die selbst schuld sind, wenn sie im Mittelmeer ertrinken. Es handelt sich daher nicht einfach um eine „Flüchtlingsfrage“.

Notwendig ist die vollständige Aufklärung des Todes von Oury Jalloh! Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden! Besucherinnen und Besucher des Rebellischen Musikfestivals 2014 in Truckenthal werden sich vielleicht an Mouctar Bah, einen der Schirmherren erinnern. Er war ein Freund von Oury Jalloh und ist Sprecher der Oury-Jalloh-Initiative.

Am Freitag, 9. Januar, findet um 10 Uhr im Saal 224 im Amtsgericht in Dessau der nächste Prozess gegen Angeklagte der Initiative statt.

Anlässlich des 10. Jahrestages des Todes von Oury Jalloh findet am 7. Januar in Dessau und Berlin eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Demonstrationen statt, zu denen auch Anfahrten aus verschiedenen Städten organisiert sind.

Infos dazu gibt es hier!