International

Brasilien: Streik bei VW in São Bernardo weitet sich aus

Brasilien: Streik bei VW in São Bernardo weitet sich aus
Streikversammlung in São Bernardo Foto: Sindicato dos Metalúrgicos do ABC

17.01.15 - Laut einem Bericht des "Sindicato dos Metalurgicos do Regio ABC" - der Gewerkschaft der Metallarbeiter der ABC-Region, beteiligen sich seit vorgestern auch Angestellte aus dem Verwaltungsbereich am anhaltenden Streik (15.01.15 - Streik und Besetzung bei VW in São Bernardo gehen weiter).

Nach einer Versammlung der Streikenden bei VW in São Bernardo am morgen des Donnerstag 15. Januar gingen die Kolleginnen und Kollegen aus der Fabrik, um friedlich mit Beschäftigten zu reden, die sich noch nicht am Streik beteiligen, und zu versuchen, sie davon zu überzeugen, sich der Bewegung anzuschließen.

7000 Arbeiterinnen und Arbeiter marschierten zum Gebäude 17, dem Sitz des Präsidenten des Unternehmens und einem Großteil des Verwaltungsbereichs. Dort angekommen, trafen die Belegschaft auf vier Reihen von Sicherheitskräften, die beim Autohersteller beschäftigt sind. "Wir sind gekommen, um den neuen Präsidenten des Unternehmens zu sehen, und das ist das Empfangskomitee, das er schickt", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft, Wagner Santana (Wagnão), ironisch über das Sicherheitspersonal, dass sich am Eingang der Halle positioniert hat.

Einige der Arbeiter, die am Marsch beteiligt waren, betraten das Gebäude und bald verließ jeder Angestellte aus diesem Bereich das Gebäude 17 und die Funktion der Verwaltung wurde eingestellt. "Heute gibt es kein Mittagessen, weil alle Beschäftigten des Verwaltungsbereichs, aus anderen Bereichen und auch der Energieversorgung, die notwendig ist, um Essen herzustellen, am Streik beteiligt sind. Von nun an wird von 100% der Beschäftigten der Fabrik auf Ergebnisse der Verhandlungen gewartet, die um 14 Uhr beginnen", sagte Wagnão. "Die Nachricht wurde an die Manager gegeben. Sie hörten den Lärm und gingen weg. Jetzt folgen die Kollegen aller Bereiche, solange die 800 entlassenen Arbeiter nicht wieder eingestellt wurden, und werden nicht wieder an die Arbeit zurückkehren. Der Streik geht weiter", sagte der Koordinator des Gewerkschaftskomitees bei VW, Reinaldo Marques (Frangão).

Die 800 durch VW zum Ende des letzten Jahres durch Telegramme gekündigten Arbeiter konnten seit dem Ende des kollektiven Urlaubs am 6. Januar nicht an ihre Arbeit zurückkehren. Die Streikbewegung ist seitdem heute im zehnten Tag. Begleitet wird der Streik durch den Präsidenten der Gewerkschaft der Metallarbeiter, Rafael Marques, und von dem Bürgermeister von Santo André, Carlos Grana.

Seit dem 6. Januar befindet sich die Belegschaft des VW-Werks São Bernardo (Anchieta) in Brasilien im unbefristeten Streik. Es gibt eine weitgehende Medienzensur in Deutschland dazu. Seit der ersten Meldung über den Streikbeginn am 7. Januar kommen in Deutschland kaum Nachrichten mehr. VW Sao Bernardo ist eines von fünf brasilianischen VW-Werken und die Zentrale von VW do Brasil mit Entwicklungsabteilungen. Es ist mit 13.000 Beschäftigten eines der größten VW-Werke außerhalb Deutschlands, und wahrscheinlich das größte Autowerk in Brasilien. Bei der fünfstündigen Straßenblockade des Autobahnrings um Sao Paulo durch 20.000 Automobilarbeiter und Familien am Montag 12. Januar waren auch Mercedes-, Mahle-, Karmann-, Scania-Arbeiter beteiligt. Parallel findet ein Kampf mit zeitweisen Streiks gegen die Entlassung von 244 Kollegen im Mercedes-Werk statt.

Die Koordinierungsgruppe des Internationalen Automobilarbeiterratschlag macht diesen wichtigen Streik bekannt und ruft dazu auf, die Mediensperre zu durchbrechen: "Die Automobilarbeiter in Deutschland und weltweit sind aufgerufen, die Solidarität mit den streikenden VW- und Mercedes-Arbeitern Brasiliens zu organisieren und die Einheit der internationalen kämpferischen Automobilarbeiterbewegung mit der Vorbereitung der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz 2015 in Sindelfingen zu vergrößern."

(An die Arbeiter bei VW Anchieta/ Brasilien und Daimler-Benz Sao Bernardo An die Gewerkschaft der Metallarbeiter in ABC)