Umwelt

PCB: RAG spielt Russisch Roulette mit Leben und Gesundheit

15.01.15 - Vor einigen Monaten wurde unter anderem dank der Enthüllungen des Bergmanns und "Kumpel für Auf"-Aktivisten Christian Link die Verklappung von hunderttausenden Tonnen Giftmüll unter Tage durch die Ruhrkohle AG (RAG) in den 1980er Jahren breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Jetzt gerät ein weiteres Umweltverbrechen der RAG ins Kreuzfeuer der Kritik: die Verwendung von rund 12.500 Tonnen hochgiftigem PCB-haltigem Öl unter Tage, von dem weniger als 10% ordnungsgemäß entsorgt wurde. Der größte Teil dieser Mengen wurde einfach und billig von der RAG unter Tage belassen.

Im wesentlichen wurde es unter Tage als Hydrauliköl verwendet. PCB reichert sich im Körper von Menschen an und kann zu schweren Schädigungen der Haut, des Nervensystems, der Leber, der Nieren sowie zu Krebs führen. Deshalb deckte zu Beginn des Jahres 1984 ein Zeitung von Kollegen für Kollegen an der Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn, an der auch Mitglieder der MLPD mitarbeiteten, den verantwortungslosen Umgang mit PCB auf der Zeche und die gesundheitlichen Folgen für die Bergleute auf. Nach einer 6-monatigen Auseinandersetzung mit breitem regionalen Presseecho, Diskussionen auf Betriebsversammlungen usw. gab die RAG den Protesten der Kumpel nach: Das Bergwerk Niederberg in Neukirchen-Vluyn war die erste Zeche im Ruhrgebiet, auf der der Einsatz von PCB seit dem 1. August 1984 abgeschafft wurde. Erst im Jahr 2001 wurde bundesweit der Einsatz von PCB-haltigen Ölen verboten.

Ein großer Teil der PCB-haltigen Öle wurde bei Schlauchbrüchen und thermischen Überlastungen unter Tage freigesetzt, floss einfach ins Gestein, teils in unterirdische Gewässer. Diese wurden und werden als Grubenwasser nach über Tage gepumpt und teilweise in den Rhein, die Ruhr, die Emscher oder die  Lippe "entsorgt". So wurden in der Fossa Eugeniana und dem Rheinberger Altrhein – beide bei Rheinberg am Linken Niederrhein – im Jahr 2004 vom staatlichen Umweltamt Duisburg als Höchstwert 1.600 µg/kg PCB gemessen (Messung vom 25.5.2004) – zulässig sind 20 µg/kg PCB! Ursache der Vergiftung dieser Gewässer waren Grubenwassereinleitungen der damaligen Schachtanlage West in Kamp Lintfort! Dazu muss man wissen, das es bei PCB keine unbedenkliche Untergrenze gibt. Es wirkt auch unterhalb der Grenzwerte extrem schädlich.

Der aktuelle Anlass für die öffentliche Diskussion ist der Beginn des Zurückfahrens der Wasserhaltung durch die RAG. Bei normalem Betrieb der Steinkohlebergwerke werden große Mengen Wasser von unter Tage als sogenanntes "Grubenwasser" abgepumpt, damit in den Strecken und Streben unter Tage überhaupt gearbeitet werden kann. Mit der Stilllegung der Zechen will die RAG diese Wasserhaltung zurückfahren, um ihre Kosten zu senken – je weniger gepumpt wird, um so billiger. Bereits im Zusammenhang mit dem Giftmüllskandal unter Tage wurde von dem Bergmann Christian Link und der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF aufgedeckt, dass damit  Gefahren für das Grundwasser bewusst in Kauf genommen werden.

Der Erfolg der Bergarbeiterbewegung in den 1980er Jahren beim Verbot des PCB und die Erfolge der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF bei der Aufdeckung des Skandals mit dem Giftmüll unter Tage zeigen, wie die Industriearbeiter bei der Durchsetzung von Umweltforderungen zur ausschlaggebenden Kraft werden. Die Wasserhaltung ist ein weiterer Grund, die Schließung der Zechen auszusetzen. Das auch im Ruhrgebiet von verschiedenen Energiemonopolen angestrebte Gas-Fracking würde neben allen ohnehin vorhandenen Gefahren und Zerstörungen zusätzlich zu einer völlig unkontrollierten Entfaltung und Ausbreitung der untertägig eingebrachten Gifte führen.