Politik

Dreist: Polizei und Behörden erfinden 10.000 "Legida"-Teilnehmer

24.01.15 - Immer noch offenkundiger wird es, dass die "Pegida"-Aufmärsche eine von Beginn an von bürgerlichen Parteien, Medien, Behörden und Polizei gepuschte konterrevolutionäre Bewegung ist. Dies hat die MLPD mehrfach enthüllt, u.a. im rf-news-Artikel vom 22. Januar 2015 "Leipzig: Großer Erfolg für antifaschistischen Widerstand". Gestern nun wurde bekannt, dass am Dienstag in Leipzig weniger als 5.000 "Legida"-Anhänger auf der Straße waren. 10.000 der "offiziellen" 15.000 sind frei erfunden!

Leipziger Fotografen haben mittels hochauflösender Bilder und exakter Zählung nachgewiesen, dass die offiziellen Zahlen auf keinen Fall stimmen können. Mehrere Pressefotografen hatten vom Dach eines 13-stöckigen Hochhauses Übersichtsbilder der "Legida"-Auftaktkundgebung auf dem Augustusplatz und vor der Oper gemacht. Unter den Journalisten waren viele, die schon häufig Menschenansammlungen auf diesem Platz von dieser Stelle aus fotografiert hatten. Zum Zeitpunkt des Demonstrationsbeginns schätzten sie die Zahl übereinstimmend als "relativ kläglich" ein.

Inzwischen haben die Fotografen ihre Bilder genauer ausgewertet. Dazu legten sie über die hochauflösenden Aufnahmen ein Raster und markierten darin jeden einzelnen Teilnehmer. Die Auszählung eines dpa-Fotos, aufgenommen am 21. Januar um 19.16 Uhr, zeigt: in keinem der 122 Felder sind mehr als 35 Personen zu erkennen. Damit wäre die Gesamtzahl der Teilnehmer kurz vor Beginn der Demonstration maximal 4.270 gewesen. Nach Angaben der "Leipziger Volkszeitung" setzte sich der Demonstrationszug 14 Minuten später in Bewegung. Die Fotografen und Augenzeugen vor Ort halten es für "ausgeschlossen, dass sich die Zahl der Demonstranten in dieser kurzen Zeit mehr als verdreifacht haben könnte". Dafür hätten zusätzliche 10.000 Menschen auf den Platz strömen müssen, was ganz sicher nicht unbeobachtet geschehen konnte. Während der Demo haben sich nur noch Kleinstgruppen dem von der Polizei hermetisch abgeriegelten Marsch angeschlossen. Die "Dichte-Berechnung" der Polizei aus Hubschraubern war also schlichtweg erfunden.

Im Vorfeld hatte der ultrareaktionäre Verleger Jürgen Elsässer erklärt, dass "Leipzig fünfstellig" werden müsse, um als die "Initialzündung für ein nationales Lauffeuer" gelten zu können. Aus der Initialzündung wurde schlicht ein Rohrkrepierer. Die Verdreifachung der tatsächlichen Teilnehmer ist Teil einer umfassenden Aufblähung und Aufwertung der "Pegida"-Bewegung. Der Berliner Protestforscher Dieter Rucht zweifelt schon seit geraumer Zeit an den von der Polizei veröffentlichten Teilnehmerzahlen der "Pegida". Nach Zählungen und Schätzungen seiner Teams seien es in Dresden zuletzt 18.000 und nicht 25.000 Teilnehmer gewesen und bei der ersten Demonstration in Leipzig 2.000 und nicht 4.000.

Auch in Magdeburg gingen die Auseinandersetzungen gegen "Magida" in der letzten Woche 3:0 für den antifaschistischen Widerstand aus. In einem Korrespondentenbericht heißt es: "Zu keinem Markttag ist der Alte Markt im Zentrum Magdeburgs so voll gewesen wie am Montagabend. Eine Aktionseinheit von Schülern, Studenten, Angestellten, Arbeitern verschiedenster Organisationen, insgesamt 6.500 Menschen, bewirkten, dass der PEGIDA-Ableger namens "MAGIDA" am Montagabend seinen schon lange geplanten, jedoch immer wieder verschobenen "Spaziergang" absagen musste. Auf dem Alten Markt in eine kleine Nische gedrängt, von Polizisten geschützt und von tausenden Magdeburgern umzingelt, tat die Kundgebung MAGIDAs maximal kund, dass sie eben nicht das Volk sind. Die Magdeburger Montagsdemo klärte über ihr offenes Mikrofon darüber auf, dass jeder, der gegen Sozialkahlschlag aktiv sein will, lieber jeden Montag bei ihr vorbeikommen, die Gewerkschaften stärken und über eine grundlegende gesellschaftliche Veränderungen nachdenken sollte. Für die offensive und laute Kritik an 'PEGIDA' und dem Kapitalismus, die Ursache der Flüchtlingsströme, erntete die Montagsdemo viel Beifall."

Ein weiterer Erfolg war, dass einige Tage zuvor aus einem geplanten Naziaufmarsch überhaupt nichts wurde: "Die Stadt war geprägt von antifaschistischen Aktionen, vor allem durch die 'Meile der Demokratie'. Die 'Meile der Demokratie' wurde vor 7 Jahren ins Leben gerufen, als die Nazis damals problemlos durch die Innenstadt marschieren konnten. Die Meile blockierte 2015 zum siebten Mal Teile der Innenstadt und informierte 15.000 Leute mit zahlreichen Ständen, Bühnen und vielfältigen Aktionen. MLPD und REBELL waren mit einem Stand vertreten, verteilten die Landeszeitung "Stimme von und für Elbe-Saale" sowie ein Flugblatt vom REBELL mit dem Aufruf zum 'Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda'".

In Dresden ist "Pegida" inzwischen auf den morgigen Sonntag ausgewichen, weil für den Montag der antifaschistische Widerstand bereits den Platz in Beschlag genommen hat. Heute wird es in zahlreichen Städten, darunter in Erfurt und Suhl, Protestdemonstrationen geben. In Frankfurt und Hannover wollen Montagsdemos und Antifaschisten am Montag Aufmärsche von "Pegida"-Ablegern verhindern. In Köln gerät die Polizei immer mehr in die Kritik. Am Mittwoch den 21. Januar (1) sind zum dritten Mal in Folge 100 Neonazis von "Pro Köln/NRW" und extrem rechten Hooligans durch Köln gezogen. Sie skandierten neofaschistische Parolen und griffen Journalisten u.a. von RTL und Köln TV an, ohne dass die Polizei einschritt. Neonazis marschierten vermummt, eskortiert von der Polizei, durch den Bahnhof. Die 2.000 antifaschistischen Gegendemonstranten wurden hingegen von der Polizei massiv drangsaliert. 

SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel, der beim Weltwirtschaftsforum in Davos den Widerstand gegen das Freihandelabkommen TTIP verunglimpfte ("We are very rich and we are very hysteric"), hat unterdessen den "Dialog" mit den Pegida-Rassisten gepflegt. Die unsägliche sächsische Landeszentrale für politische Bildung lud gestern abend "Pegida" in ihre Dresdner Räume zur Gesprächsrunde. Gabriel "kam als Privatmann, um zuzuhören."

(1) In einer früheren Version dieses Artikels wurde diese faschistische Demonstration fälschlich auf Freitag den 23. Januar datiert. Sie fand tatsächlich aber bereits am 21. Januar statt)