Politik

NSU-Prozess: "Killer-DVD" offenbart weitere Anschlagspläne des faschistischen NSU

NSU-Prozess: "Killer-DVD" offenbart weitere Anschlagspläne des faschistischen NSU
Das zerstörte Haus in Zwickau, in dem die DVD gefunden wurde (foto: Aka/CC BY SA-2.5)

03.02.15 - Den Morden und Anschlägen des faschistischen "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gingen sehr präzise Planungen voraus, wie jetzt im NSU-Prozess in München erneut auf den Tisch kam. Gefunden wurden diese Pläne auf einer DVD - unter anderem in einem Ordner mit der Aufschrift "Killer" - in dem mutmaßlich von der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im November 2011 angezündeten Haus der faschistischen Bande in Zwickau. In dem Material fanden sich eine Adressensammlung mit mehr als 10.000 Einträgen sowie unzählige Stadtpläne mit Markierungen.

Allein 109 Adressen aus Köln waren hier gespeichert. Zwei lagen in der Kölner Keupstraße, darunter die Kita des "Arbeitskreis für das ausländische Kind e.v." und der Türkisch-Islamische Kulturverein. Ein weiterer Ordner war betitelt mit "Antifa/Migranten/Türken", in anderen fanden sich unter anderem Adressen von Kirchen, Synagogen, Flüchtlingsunterkünften und Asylbewerberheimen, aber auch von Parteibüros. Dass hier weitere Anschlagsziele für den faschistischen Terror ausgesucht waren, ist eindeutig.

Dass diese Details und Hintergründe des NSU-Terrors bisher der Öffentlichkeit weitgehend vorenthalten wurden, reiht sich ein in die jahrelange Politik der Vertuschung und Ablenkung der, bzw. von den wahren Hintergründen der faschistischen Terroranschläge, in die Teile des Staatsapparates mit ihrem "Verfassungsschutz" verflochten sind.

Hierzu sind auch die meisten kritischen Fragen offen. Sie werden von der Prozessführung systematisch ausgeblendet. Es ist aber völlig undenkbar, dass eine solche umfassende Untergrundtätigkeit und die über Jahre vorbereiteten Mordanschläge ohne Förderung bzw. Duldung von Teilen des Staatsapparats geschahen. Dafür sprechen auch die Enthüllungen über die Hintergründe des faschistischen Oktoberfest-Attentats und den antikommunistisch ausgerichteten Aufbau von Geheimarmeen der NATO unter dem Decknamen "Gladio" in vielen Ländern Europas.

Während sich bürgerliche Politiker und Meinungsmacher öffentlich vor allem über den islamistisch-faschistischen Terror von IS und Al-Qaida empören, breiten sie über den nationalistisch-faschistischen Terror des NSU geflissentlich den Mantel des Schweigens. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, weitere Aufklärung zu fordern und die Forderung nach dem Verbot aller faschistischen Organisationen und ihrer Propaganda durchzusetzen.

Ein weiterer Hinweis darauf, wie die ganze Dimension dieser faschistischen Attentate heruntergespielt wird, war das Vorhaben des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl, das Thema Keupstraße vom NSU-Prozess abzutrennen. Dagegen und vor allem wegen einer damit verbundenen gröbsten Missachtung der über 20 zum Teil schwerverletzen Menschen in und um die Keupstraße hagelte es so viel Protest, dass Richter Götzl zurückruderte.

Allerdings müssen sich Verletzte und traumatisierte Nebenkläger vor Gericht ständig Angriffe auf die "Berechtigung" ihrer Nebenklage durch die Anwälte der faschistischen Angeklagten gefallen lassen. So musste sich der Therapeut einer Nebenklägerin, die Panikattacken wegen des Bombenanschlages entwickelte, intensiv gegen eine Unterstellung der Anwälte Zschäpes wehren, diese Panikattacken hätte seine Mandantin schon früher entwickelt. So wollen die Anklagevertreter auch unliebsame Anwälte der Nebenklage loswerden und von Beweisen gegen ihre Mandanten abzulenken.

Diese menschenverachtende Behandlung der Opfer der faschistischen Anschläge muss sofort aufhören!

Fernsehhinweis:

Mittwoch, 4. Februar, ARD, 20.15 Uhr: "Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat" (Fernsehfilm, Deutschland 2013); 21.45 Uhr: "Attentäter-Einzeltäter? Neues zum Oktoberfestattentat" (Dokumentation, Deutschland 2015)