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Polnische Bergarbeiter bereiten Generalstreik vor

Polnische Bergarbeiter bereiten Generalstreik vor
Polnische Bergarbeiter im Streik (Foto: www.labournet.de)

02.02.15 - In der Nacht vom 17. auf den 18. Januar wurde eine der größten Streikaktionen der polnischen Kumpel gegen die Schließung von Zechen der staatlichen Kohlegesellschaft JSW vorerst unterbrochen (siehe "rf-news"-Bericht). Jetzt bereiten die Bergarbeiter mit einer Urabstimmung die Fortsetzung des Streiks auf allen Zechen vor. Wir dokumentieren dazu Auszüge aus einem auf www.minersconference.org veröffentlichten Artikel:

"Die polnische Regierungschefin Ewa Kopacz war gezwungen, persönlich mit den Gewerkschaften an einen Tisch setzen und einem 'Sanierungskonzept' zustimmen, weil der Streik zu einem Flächenbrand auszuweiten drohte. Inzwischen hat die Bergwerksleitung angekündigt, alle Verträge zu brechen. Darum findet am 2. und 3. Februar eine Urabstimmung zur Wiederaufnahme des Streiks statt, ein Streik gegen die selben europaweiten Stilllegungspläne, die auch auf Deutschland, Spanien und andere zutreffen.

Begonnen hatten die Kumpel auf der Zeche Juliusz Kazimierz im September 2014, wo sie mit einem Untertagestreik die Schließung der Zeche verhinderten und die Auszahlung ihrer ausstehenden Löhne erreichten. Als Ende 2014 bekannt wurde, dass die staatliche JSW wegen angeblicher Zahlungsunfähigkeit vier Zechen stilllegen wollte, sind 1.300 Kumpel am 9. Januar 2015 in den Streik getreten. Eine Woche später hat sich der Streik auf fast alle Zechen von JSW mit über 3.500 Beteiligten ausgeweitet. Sie stellten ihre Arbeiterinteressen über die Drohung der 'Pleite' der Zechengesellschaft. Hintergrund der Schließungspläne der staatlichen Zechen durch die EU und die polnische Regierung sind die Gas-Fracking-Pläne und die Befeuerung der Kohlekraftwerke durch billigere Kohle aus Russland und der Ukraine.

Das jetzt ausgehandelte 'Sanierungskonzept' sieht zwar den einstweiligen Erhalt der Schachtanlagen vor, jedoch nur wenn für ihren stückweisen Verkauf private Investoren gefunden werden. ... Einer der Streikführer, der Kumpel Krzyzstof Labadz von der Gewerkschaft 'August 80', schrieb am 27. Januar 2015 an die Bergarbeiterinitiative 'Kumpel für AUF': 'Einen Kampf haben wir beendet und schon stehen wir dem nächsten gegenüber. Die Kohle-Kompanie haben wir besiegt, so dass die Kohlegruben nicht geschlossen werden. ... Währendessen kündigte der Präsident des Unternehmens JSW den Bruch jeder Vereinbarung mit den Gewerkschaften an, welche uns in Sammelarbeitsverträgen unsere Löhne und alle anderen gegebenen Vorschriften zusicherten. ... Wir drohten, dass, wenn die Unternehmensleitung nicht den Bruch der Verträge bis Mittwoch 28. Januar widerruft, dann ist es Zeit für einen Streik in JSW. Am Montag (02.02.2015) und Dienstag (03.02.) führen wir eine Urabstimmung unter der Mannschaft der Gruben durch, die dann entscheiden, ob wir streiken oder nicht. Ich denke, das wird nur eine Formalität sein, aber die Führung hat noch Zeit, um jene fatale Entscheidung wieder zurückzunehmen.'

Inzwischen wird Krzyzstof Labadz wie neun andere seiner Gewerkschaftskollegen von der JSW als Streikführer mit der Entlassung bedroht. Krzyzstof war polnischer Delegierter auf der erste Internationalen Bergarbeiterkonferenz 2013 in Peru. Scheinheilig begründet JSW die Entlassungsdrohung, die Kollegen hätten mit der Organisierung des Untertagestreiks das Leben der Kumpel und die Sicherheit auf der Zeche aufs Spiel gesetzt. Mit der Kriminalisierung des Untertagestreiks und den Repressionen gegen die Streikführer soll die bevorstehende Urabstimmung massiv beeinflusst und behindert werden.

In der internationalen Bergarbeiterbewegung gilt: 'Wer einen von uns angreift, greift uns alle an!' Mit ihren Repressionen gegen den Kampf der Kumpel für eine lebenswerte Zukunft dürfen die Zechenbarone und die Regierung nicht durchkommen – weder in Polen noch bei uns in Deutschland! Der neue Kampf der polnischen Kumpel gegen die 'Stilllegungspläne' muss unter allen Bergarbeitern europas beraten werden, denn er kann letztendlich nur durch die gemeinsame, solidarische Aktivität der Bergarbeiter und ihren Familien erfolgreich geführt werden." (Hier der vollständige Artikel)

Mehr dazu in der nächsten Ausgabe der "Roten Fahne", die den Streik der polnischen Bergarbeiter zum Titelthema hat. Sie kann hier bestellt werden.