Politik

Karneval, Fasnacht, Fasching - die Narren und Jecken legen zum Endspurt los

Karneval, Fasnacht, Fasching - die Narren und Jecken legen zum Endspurt los
Kinderkarneval in Duisburg (rf-foto)

16.02.15 - Die sogenannte fünfte Jahreszeit gibt es nicht nur in allen Teilen Deutschlands, sondern international in vielen Ländern der Welt. Das Bedürfnis, ausgelassen auf den Straßen gemeinsam zu feiern, treibt nicht nur zu den Rosenmontagszügen in den Karneval-Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf die Massen auf die Straße. Für viele Jecken und Narren ist das selbst gestaltete karnevalistische Treiben in ihrer Stadt und ihrem Stadtteil der eigentliche Höhepunkt des Straßenkarnevals. So natürlich auch in diesem Jahr, trotz der Absage des Karnevalszuges in Braunschweig wegen einer laut Polizei konkreten Anschlagsgefahr.

Hunderttausende sind empört, dass die faschistischen Terroristen vom Schlage des IS solche Massenveranstaltungen bedrohen. Die kurzfristige Absage des größten norddeutschen Umzugs, zu dem 250.000 Menschen erwartet wurden, hat auch unter den Narren die Diskussion entfacht, wie man mit der Bedrohung durch faschistisch-islamistischen Terror umgehen soll. Die Ankündigung, dass in Köln heute beim Umzug nun doch ein Wagen zu Charlie Hebdo mitfährt, wurde vielfach begrüßt. An der ursprünglichen Absage seitens der Organisatoren hatte es reichlich Kritik gegeben.

In Braunschweig gab es neben der Empörung über die islamistischen Faschisten zudem kritische Fragen an die Polizei: "Wenn die Polizei am Samstag um 22 Uhr von einem 'sicheren' Informanten gewarnt wurde, warum wurde dann 13 Stunden bis kurz vor Beginn des Umzugs mit der Absage gewartet? Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mindestens 100.000 Teilnehmer an der Strecke. Das legt den Verdacht nahe, dass die Absage auch für die psychologische Stimmungsmache im sogenannten 'Antiterror-Kampf' genutzt wurde," so ein RF-Korrespondent aus Braunschweig.

Die Düsseldorfer Kö schien bereits gestern schier überzuquellen von fröhlichen, lachenden und tanzenden Menschen. Das diesjährige Motto „traumhaft jeck“ ließ der Fantasie freien Lauf und so hatte man den Eindruck, als sei alles noch bunter ausgefallen als sonst. Vertreten war natürlich auch die Düsseldorfer Montagsbewegung. Sie hatte „traumhaft jeck“ den neuen Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Handstand dabei. Damit hatte er auf Großplakaten vor der Wahl für sich geworben. Diesmal stand drunter: „Ist der Kopf erst mal geleert, erscheint die Stadt ein'm wie verkehrt – einfach jeck, die dicke Pension, die hat er schon.“ Denn kaum im Amt hat er dafür gesorgt, falls er nicht wiedergewählt wird, bereits mit 57 den vollen Rentenanspruch zu haben.

Aus Köln melden die Karnevalisten: "Nee, wat wor dat schön! Auf einem Wagen stand: 'Wir fegen die Nazis von der Straße und stecken sie in den Müll!' Kölle Alaaf!"

Der größte Kinderkarnevalszug des Ruhrgebiets startete traditionell in Duisburg Alt-Hamborn nach Marxloh. Dieses Jahr waren es wieder rund 70.000 verkleidete Kids samt stolzen Eltern, Omas und Opas am Straßenrand aus allen Ecken des Ruhrgebiets und Rheinlands. Darunter – auch schon traditionell - ein Trupp von über 30 Rotfüchsen aus Duisburg, Essen und Düsseldorf. Ihre gute Laune war ansteckend, so dass einige der Besucher am Straßenrand mit in ihren Schlachtruf einstimmten: „Gib mir ein R, gib mir ein O, gib mir ein T ...“ .

Keinen Spaß verstand dagegen die Stadtverwaltung Gelsenkirchen. Das überparteiliche Wahlbündnis AUF Gelsenkirchen nutzt den Umzug traditionell, um karnevalesk auf Missstände der Stadt aufmerksam zu machen. Themen wie „Stadt der tausend Freier“ zum damals geplanten Großbordell, wie „die Giftsuppe unter Tage“, das „Millionengrab Hans-Sachs-Haus“ oder die Cross-Border-Finanzgeschäfte der Stadt lösten am Straßenrand jeweils Begeisterung aus. Anders auf der Ehrentribüne.

Und so teilte der Präsident des Karnevalsvereins, Gerd Schwenzfeier mit: Politische Gruppierungen seien fortan von der Teilnahme am Rosenmontagsumzug ausgeschlossen. Aber die Rechnung war ohne den Jeck gemacht. Selbstverständlich erfreute AUF Gelsenkirchen wieder die Bevölkerung mit gepfefferter Kritik. Dafür wurde der Karneval doch erfunden, oder?