Wirtschaft

Die doppelte Ausbeutung der Masse der Frauen - sie hat System

Die doppelte Ausbeutung der Masse der Frauen - sie hat System
Beim Kampftag zur Befreiung der Frau in Gelsenkirchen 2014 (rf-foto)

03.03.15 - Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) packt nach dem mühseligen Gezerre um eine Quotenregelung in den Chefetagen der größten Konzerne nun ein Thema an, das für die breite Masse der Frauen bedeutend mehr Gewicht hat. Sie will mit einem "Entgeltgleichheitsgesetz" "mehr Transparenz" über die Gehalts- und Lohnunterschiede in den Betrieben durchsetzen, damit Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit das gleiche Entgelt einfordern können wie ihre männlichen Kollegen. Sie setzt damit um, was im Koalitionsvertrag steht, nämlich dass die bestehende Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen "nicht zu akzeptieren" ist. Ein Ergebnis des Drucks der Massen, die diese Ungleichbehandlung tatsächlich nicht länger akzeptieren wollen.

Die durchschnittliche Lohndifferenz liegt in Deutschland mit offiziellen 22 Prozent noch deutlich höher als in den meisten anderen europäischen Ländern - die Ursache ist aber in allen Ländern die gleiche: die doppelte Ausbeutung der Masse der Frauen.

Die Frauenbewegung hat in vielen Kämpfen durchgesetzt, dass zumindest offiziell in Tarifverträgen für die Industrie, im öffentlichen Dienst, im unteren Angestelltenbereich – gleiche Löhne für die gleiche oder gleichwertige Arbeit bezahlt werden (müssen). Neuere Untersuchungen belegen aber, dass besonders in den oberen Etagen der Angestellten die Gehaltsunterschiede sogar wieder wachsen, oft verdeckt als Bonus- oder Prämienzahlung. Daran kratzt nun Frau Schwesig mit ihrem durchaus begrüßenswerten Gesetzesentwurf und erntet – wen wundert es – Proteste der Unternehmerverbände und aus den CDU-Reihen.

Dass es fast immer die Frauen sind, die im Beruf kürzer treten, hat seinen Grund in der bürgerlichen Familienordnung, die das „unverzichtbare Gegenstück zur kapitalistischen Lohnarbeit“ ist, wie es im Programm der MLPD heißt. Demnach ist die Organisierung des unmittelbaren Lebens der privaten Einzelfamilie auferlegt und modellhaft hat dabei der Mann der Familienernährer zu sein, Frauen gelten als „Dazuverdienerinnen“. Ihre Arbeitskraft so die Kapitalisten stehen der Ausbeutung nicht uneingeschränkt zur Verfügung - Ausfallzeiten für Kinder oder Pflege werden zum Vorwand der schlechteren Bezahlung. Hier liegt auch der Grund, warum sogenannte „typische“ Frauenberufe, von der Erzieherin bis zur Verkäuferin deutlich schlechter bezahlt sind. Oft gebietet schon der ökonomische Zwang, welches Elternteil die Erwerbsarbeit reduzieren muss.

So waren nur 34,2 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten 2012 Frauen, dagegen 78,8 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten. Das hat weitgehende Konsequenzen für die ökonomische Abhängigkeit von Frauen vom „Hauptverdiener“ und wenn der ausfällt für die besondere Verarmung allein erziehender Frauen – aber auch für Ansprüche auf Arbeitslosengeld bis hin zur Rente.

Wie zukunftsweisend bis heute die berühmte Losung von Karl Marx "Nieder mit dem Lohnsystem!" für die Frauenbewegung und gegen die doppelten Ausbeutung der Masse der Frauen ist - darauf wird die nächste "Rote Fahne" Printausgabe genauer eingehen. Sie erscheint am 6. März mit einem Schwerpunkt zum internationalen Frauentag. Sie kann hier bestellt werden!