Betrieb und Gewerkschaft

Neue Studie zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz - Kritik daran wird Massenthema

Neue Studie zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz - Kritik daran wird Massenthema
Plakat am 8. März 2014 in Duisburg (rf-foto)

04.03.15 - Nach einer aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat über die Hälfte aller Beschäftigten bereits sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt oder beobachtet. Überwiegend sind Frauen betroffen. Von schlüpfrigen Witzen, Zeigen von pornographischen Bildern bis zum Angrapschen und aufgezwungenen Küssen ist alles dabei. 31 Prozent der belästigten Frauen werden von Vorgesetzten bzw. Personen auf einer höheren Hierarchiestufe so herabwürdigend behandelt – hier wird die Abhängigkeit von Beschäftigten gezielt ausgenutzt.

Es ist zu begrüßen, wenn diese alltägliche Diskriminierung an den Pranger gestellt wird. Dass solche regierungsamtlichen Umfragen gerade im Vorfeld des Internationalen Frauentags am 8. März veröffentlicht werden, soll allerdings auch den Eindruck vermitteln, der Kampf dagegen sei bei den Institutionen des herrschenden Staats in den besten Händen. Interessanterweise sieht die Studie die hauptsächliche Schlussfolgerung in besseren "Handlungsempfehlungen für die Politik" sowie in der Aufklärung darüber, dass die Betriebe verpflichtet seien, Frauen vor Belästigungen zu schützen.

Die Umfrage zeigt vor allem ein zunehmend kritisches und ablehnendes Bewusstsein gegenüber sexueller Belästigung unter Frauen, aber auch Männern. Das ist maßgeblich auf die sich entfaltende Aktivität der kämpferischen Frauenbewegung in Deutschland und auf der ganzen Welt zurückzuführen, die den Protest gegen und die Kritik am Sexismus in den letzten Jahren zu einem breit diskutierten Thema gemacht hat.

Dabei spielt die offene Gewalt gegen Frauen in Deutschland nicht einmal die wichtigste Rolle, sondern ihre Fesselung durch die Verantwortung für die gesamte private Lebensführung, durch die Kontrolle der Sexualität und die bürgerliche Moral. Das ist Bestandteil eines ganzen Systems der besonderen Unterdrückung der Frau, das "für die systemerhaltende Wahrnehmung ihrer Funktionen in der Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens" sorgt, heißt es dazu in dem Buch "Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau" von Stefan Engel und Monika Gärtner-Engel (S. 64). Der vom herrschenden System dazu verbreitete bürgerliche Sexismus widerspiegelt sich in einer kleinbürgerlich-sexistischen Denkweise bei Männern und bei Frauen.

Die kleinbürgerlich-sexistische Denkweise löst die Sexualität aus den zwischenmenschlichen Beziehungen und gibt ihr übersteigerte Bedeutung. Sie spaltet Frauen und Männer, indem sie die Frauen zu Sexobjekten  degradiert. Sie erzeugt insbesondere bei Frauen den zwanghaften Wunsch, jedem zu gefallen, untergräbt das Selbstbewusstsein.

Im Vorfeld des 8. März wurde gestern Abend die Talk-Show "Plasberg" zum Thema "Deutschland im Genderwahn?" ausgestrahlt. Dort durften sich angebliche "Expertinnen und Experten" über die selbstbewusste Ablehnung sexistischer Anmache und Vorbehalte durch immer mehr Frauen lustig machen. Neben Wolfgang Kubicki (FDP) taten sich auch die Publizistin Birgit Kelle und die Schauspielerin Sophia Thomalla damit hervor. Kelle verhöhnte die "Gendergaga" und Thomalla verstieg sich zu der Behauptung: "Frauen, die ständig gegen Männer wettern, haben noch nie ein Kompliment bekommen."

Eine Frau schrieb nach 40 Minuten auf "Twitter": Mein "Mann bittet, das ausmachen zu dürfen. Und aus! #hartaberfair." Die Mehrheit wird den in der Studie Befragten zustimmen, die eine "weniger sexualisierte Darstellung von Frauen in den Medien" fordern. Damit wird sich aber die besondere Unterdrückung der Frauen nicht beenden lassen. Frauen müssen sich massenhaft zusammenschließen im Kampf um ihre Interessen.

Der Frauenverband Courage fordert dazu auf, Mitglied zu werden: "Nur gemeinsam sprengen wir die Fesseln jahrtausendealter Traditionen der Unterdrückung und Abwertung der Frau. Organisiert machen wir sie zum gesellschaftlichen Thema, helfen, kritisieren und bestärken uns." Letztlich wird die doppelte Ausbeutung und Unterdrückung nur im echten Sozialismus überwunden werden – dafür kämpft die MLPD. Wer sich dafür interessiert und mitmachen will, der hat Gelegenheit, sich zu informieren am kommenden Samstag bei den vielen Demonstrationen und Kundgebungen zum Internationalen Frauentag.

Veranstaltungen, Demonstrationen und andere Aktionen zum 8. März findet man unter anderem hier