Umwelt

Vor vier Jahren - Atomkatastrophe in Fukushima und kein Ende

Vor vier Jahren - Atomkatastrophe in Fukushima und kein Ende
Demonstration in Neckarwestheim am 7. März (rf-foto)

11.03.15 - Heute jährt sich das stärkste jemals vor Japan gemessene Seebeben, gefolgt von einem Tsunami mit über zehn Meter hohen Wellen und der bisher schwersten Katastrophe in einem Atomkraftwerk zum vierten Mal. Fast 20.000 Menschen starben durch den Tsunami. Bereits das Beben löste einen allgemeinen Stromausfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi aus, wodurch die Kühlung der Reaktoren und Brennstäbe unterbrochen wurde. Anschließend überflutete der Tsunami die Anlage. Es kam zum Super-GAU mit der unkontrollierten Kernschmelze dreier Reaktoren, die bis heute andauert. Trotzdem behaupten Betreiber TEPCO und die japanische Abe-Regierung, Fukushima sei wieder "unter Kontrolle".

Tatsächlich versickert weiterhin zur Kühlung verwendetes radioaktiv verseuchtes Wasser im Grundwasser oder läuft ins Meer. 590.000 Kubikmeter wurden in undichte Tanks gepumpt, die überall auf dem Gelände stehen. Über 600.000 Liter kommen täglich hinzu. Vor allem bei Kindern steigen die Fälle von Schilddrüsenkrebs. Dennoch werden ehemalige Bewohner inzwischen angehalten, zurück in die Evakuierungszone zu ziehen (siehe auch "rf-news" vom 23.2.15).

Der 11. März 2011 ist aber auch der Tag, mit dem der Widerstand zur Abschaffung aller Atomkraftwerke weltweit einen Aufschwung nahm. Alleine in Deutschland gingen damals Hunderttausende auf die Straße und setzten durch, dass die Regierung die geplante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke zurücknehmen und stattdessen einer stufenweisen Stilllegung aller AKW zustimmen musste. Auch in Japan entfaltete sich - ermutigt auch durch die AKW-Bewegung in Deutschland - eine Massenbewegung.

Am letzten Sonntag demonstrierten erneut 20.000 Menschen in Tokio gegen die Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten AKW. In Neckarwestheim folgten über 3.000 dem Aufruf eines breiten Bündnisses. Inzwischen sind bei "ausgestrahlt.de" 203 Aktionen zum Fukushima-Jahrestag gelistet. Am 14. März findet eine Demonstration vor der E.on-Zentrale in Düsseldorf statt. Für den 15. März mobilisiert die Anti-AKW-Bewegung in Belgien zu einer landesweiten Demonstration am AKW Tihange, das mit Störfällen Schlagzeilen machte. Eindringlich ruft der japanische Aktivist Kazuhiko Kobayashi: "Wir müssen alle unsere Kräfte bündeln und kämpfen über die Landesgrenzen hinaus und weltweit gegen diese größten Verbrecher aller Zeiten!"

Man könnte den Eindruck gewinnen, gegen Atomkraft gäbe es "neue Verbündete", wenn man Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundeskanzlerin Angela Merkel so reden hört. Gabriel wandte sich - zumindest offiziell - gegen EU-Subventionen für Atomenergie, wie sie in den Bau des neuen britischen AKW Hinkley Point C fließen. Kanzlerin Angela Merkel gab sich bei ihrem Japan-Besuch als geläuterte Atomenergie-Anhängerin. Energiekonzern E.on schließlich verkündet einen "radikalen Strategiewechsel" mit Konzentration des Hauptkonzerns auf Ökostrom, Energienetze und Vertrieb.

Doch Vorsicht! Auch deutsche Großkonzerne mischen beim Export von AKW-Materialien, beim Aufbau und Betrieb von Atomkraftwerken außerhalb Deutschlands mit und werden dabei von der Bundesregierung unterstützt und subventioniert. Allein in China sind 25 AKW im Bau, geplant sind weit mehr. Indien will 20 neue AKW bauen. 

Fukushima mahnt, den Kampf zur weltweiten Stilllegung aller Atomkraftwerke entschlossen weiter zu führen. Die Erfahrungen seitdem zeigen, dass die Herrschenden nicht freiwillig oder aus "Einsicht" auf diese Technologie verzichten werden. Nur im aktiven Massenwiderstand - weltweit koordiniert - können sie dazu gezwungen werden.