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Massenfeindlicher Anschlag in Tunis mit islamistisch-faschistischem Hintergrund?

19.03.15 - Bei einem Attentat im Nationalmuseum von Tunis sind gestern mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen, darunter 17 Touristen. Die Angreifer waren in Militäruniformen gekleidet und mit Kalaschnikows bewaffnet. Sie eröffneten das Feuer auf die Touristen, als diese aus ihren Bussen stiegen, und verfolgten sie dann in das Innere des Gebäudes. Das Museum liegt direkt neben dem Parlament. Als der Anschlag stattfand, debattierten die Abgeordneten gerade über ein geplantes Anti-Terror-Gesetz.

Zwei der Attentäter wurden beim Schusswechsel mit Spezialeinheiten der Polizei getötet, von den tunesischen Behörden aber inzwischen identifiziert. Es handele sich vermutlich um "Einheimische", so ein Sprecher des Innenministeriums.

Auch wenn nach den Komplizen der getöteten Attentäter noch gefahndet wird, spricht Vieles für einen islamistisch-faschistischen Hintergrund der massenfeindlichen Bluttat gegen unschuldige Opfer. Zwar hat sich bisher niemand offiziell dazu bekannt. Der faschistische "Islamische Staat" zeigte sich im Internet jedoch erfreut über den Abschlag und rief die Tunesier auf, "ihren Brüdern zu folgen".

Schon in den letzten Jahren gab es in Tunesien immer wieder islamistisch-faschistische Anschläge vor allem gegen fortschrittliche und revolutionäre Oppositionspolitiker wie Chokri Belaïd (siehe "rf-news"-Bericht). Die bisherige Regierung unter Führung der islamisch-fundamentalistischen Ennahda-Partei deckte und förderte die Aktivitäten solcher konterrevolutionärer Milizen. Der jetzige Präsident Béji Caïd Essebsi kündigte einen "gnadenlosen" Kampf gegen die Täter an. Essebsi war aber selbst Minister im Regime von Ben Ali, der Regierungsgegner jahrzehntelang brutal verfolgen ließ und durch die demokratische Volksbewegung 2011 gestürzt wurde.

Nur wenige Stunden nach dem Anschlag strömten Tausende Tunesier auf die Avenue Habib Bourguiba, einem der Hauptschauplätze der Aufstandsbewegung, um gegen das massenfeindliche Attentat zu protestieren und für die Verteidigung der erkämpften bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten einzutreten.