Betrieb und Gewerkschaft

Chemie-Belegschaften: kämpferisch und kampfbereit

Chemie-Belegschaften: kämpferisch und kampfbereit
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Düsseldorf (Korrespondenz), 23.03.15: Es war ein erhebender Anblick, als am vergangenen Samstag über die Deutzer Brücke in Köln tausende Chemie-ler mit ihren Transparenten, IGBCE-Fahnen und selbstgemachten Schildern Richtung Heumarkt marschierten. Kämpferisch und kampfbereit, so kann man die Stimmung der Kolleginnen und Kollegen bezeichnen.

1971 fanden die letzten großen Streikvorbereitungen in der Chemischen Industrie statt. Von Kämpfen um Haustarife abgesehen, fanden seit über 40 Jahre keine Streiks in diesem Industriezweig mehr statt. Die damals zwischen Arbeitgeberverband und Gewerkschaftsführung aus der Taufe gehobene und seither viel beschworene Sozialpartnerschaft sollte die Exportoffensive der deutschen Chemischen Industrie und ihre Vorrangstellung in der Welt vor Streiks und Unruhe in den Belegschaften absichern.

Seither handelten Arbeitgeberverband und Chemiegewerkschaftsführung in oft lautlosen, nur von kleineren Protestaktionen außerhalb der Arbeitszeit begleiteten Tarifverhandlungen Abschlüsse aus, die sich im Volumen meist an den Abschlüssen der Metallindustrie orientierten.

Dies scheint nun zu Ende zu gehen. Das „Angebot“ des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) ist eine Provokation, bedeutet gerade mal ein Prozent auf den Lohn für zwölf Monate, will die Demographiefonds kürzen und erwähnt die Auszubildenden mit keinem Wort. Offensichtlich rechneten die Chemiemonopole nach den langen Jahrzehnten ohne wirkliche gewerkschaftliche Kämpfe nicht mit dem Widerstand der Belegschaften.