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"Wir brauchen dringend internationale Hilfe" - Interview zur aktuellen Lage in Kobanê

"Wir brauchen dringend internationale Hilfe" - Interview zur aktuellen Lage in Kobanê
Mustafa Dogal und Mustafa Can (rf-foto)

27.03.15 - "rf-news" hatte Gelegenheit, in der türkischen Grenzstadt Suruç (nahe Kobanê) mit Ismail Sahin, dem Vizepräsidenten der Demokratischen Partei der Regionen (DBP) von Suruc, der auch Mitglied der Krisenkoordination ist, mit Mustafa Dogal vom Demokratischen Gesellschaftskongress (DTK) und Mustafa Can von der Demokratischen Partei der Völker (HDP) zu sprechen. Hier das Interview:

Wie ist die aktuelle Lage in Kobanê?
Nachdem in den letzten Monaten 180.000 Menschen aus Kobanê gekommen waren, haben wir eine ungeheure Arbeit hier in Suruç geleistet und man muss sagen, dass wir diese gut bewältigt haben. Mittlerweile sind etwa 40.000 Menschen nach Kobanê zurückgekehrt. Aber jetzt haben wir große Probleme. Wir brauchen dringend einen Korridor.

Wie verhält sich die türkische Regierung?
Wir bitten Europa um Hilfe, da die türkische Regierung vieles abblockt. Die Grenze zu Kobanê ist nach wie vor geschlossen. Ebenso verhält sich die AKP-Provinzregierung in Urfa. Anträge zur Lieferung von Materialien oder Medikamenten werden einfach nicht oder nur sehr zögerlich bearbeitet. Vielleicht ist es möglich, dass von Europa aus ein Klage über die EU eingereicht werden kann. Wir bitten dringend um Hilfe.

Es gibt nur eine Chance für Kobanê und Rojava. Es ist dringend notwendig, die Menschen herüber zu lassen, um zu helfen. Die Türkei beabsichtigt, aus der möglichen Versorgung für Kobanê lediglich ein Geschäft zu machen. Wir könnten mit einer Getreideproduktion in Cizire (Kanton in Rojava) uns in allen Kantonen vollständig selber versorgen, aber wir bekommen keine Verbindung zu den anderen Kantonen. Die mangelnde Versorgung hat z.B. in Rojava zur Folge, dass der Preis für eine Cola sich verfünffacht hat. Zusammen mit der PYD (syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union - Anm. d. Red.) rufen wir auf, alles für einen Korridor zu tun. Wir haben kranke Leute, die dringend über die Grenze müssen. Wir brauchen dringend internationale Hilfe!

Vielen Dank für das Interview!

(Aufruf des Solidaritätskomitees zu Spenden für den Wiederaufbau von Kobanê)