Politik

Tausende bei Ostermärschen gegen wachsende Kriegsgefahr

Tausende bei Ostermärschen gegen wachsende Kriegsgefahr
Ostermarsch in Stuttgart (rf-foto)

06.04.15 - Von Karfreitag bis heute fanden in Deutschland rund 80 Ostermarschaktivitäten statt - gut 20 mehr als im Vorjahr. Insgesamt beteiligten sich Tausende aktiv. Aus mehreren Städten, wie auch von dem dreitägigen traditionellen Ostermarsch Rhein/Ruhr von Duisburg nach Dortmund, der zum 50. Mal stattfand, haben sich dieses Jahr vermehrt Jugendliche beteiligt. MLPD, REBELL und ROTFÜCHSE waren mitten drin.

Im Mittelpunkt standen die zunehmende Kriegsgefahr, insbesondere der Krieg in der Ukraine, die Auslandseinsätze der Bundeswehr sowie die deutschen Waffenexporte und der geplante Einsatz von bewaffneten Drohnen durch die Bundeswehr. Aber auch die Solidarität mit dem Befreiungskampf des kurdischen Volkes und der 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Das Buch "Katastrophenalarm!" wurde breit diskutiert, angeboten und verkauft. Es prangert unter anderem die drohende Vernichtung von Mensch und Natur durch imperialistische Kriege an und kritisiert wachsende Militarisierung und steigende Rüstungsproduktion.

Trotz nasskaltem Wetter beteiligten sich rund 1.000 Menschen, berichtet ein Korrespondent aus Stuttgart: „MLPD und REBELL positionierten sich auch klar für den Befreiungskampf des kurdischen Volkes und die Aufhebung des PKK-Verbots und beteiligten sich mit Liedern und Parolen während der Demonstration. Als Redner auf der Kundgebung am Schlossplatz erinnerte Tobias Pflüger, stellvertretender Vorsitzender der Linkspartei, an die Wurzel der Ostermärsche im Widerstand gegen die atomare Aufrüstung. Anlässlich 60 Jahre Bundeswehr protestierte er gegen den Aufbau von Spezialeinheiten der Bundeswehr als Speerspitze der NATO und forderte den Stopp der NATO-Manöver in Osteuropa. Am Stand der MLPD auf dem Schlossplatz wurde auch über die kriegerische Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur diskutiert.“

In München trotzten 350 Friedensfreundinnen und -freunde den Wetterbedingungen. Zur gleichen Zeit beteiligten sich bei strahlenden Wetter 500 am Ostermarsch in Kiel. „Die MLPD machte die Rojava-Solidaritätsbrigaden bekannt. Die bewaffnete Freiheitskämpferin auf unserem Transparent sorgte für viele Auseinandersetzungen über den schädlichen Weg des Pazifismus, der den Befreiungskampf entwaffnet. Die kameradschaftliche Auseinandersetzung über illusionäre Forderungen wie 'Abschaffung der Bundeswehr' oder 'Rüstungskonversion' im Kapitalismus führte zu tiefgehenden Diskussionen über den Weg der Vorbereitung einer internationalen sozialistischen Revolution.“

In mehreren Städten in Ostdeutschland wurden die rassistischen Pegida-Forderungen zur Asylpolitik ausdrücklich und scharf zurückgewiesen. So auf dem Chemnitzer Ostermarsch, der unter dem Motto stand „Gegen Krieg und Fremdenfeindlichkeit – für internationale Solidarität“: „Die Redner wandten sich gegen die Aufrüstung der Bundeswehr mit Drohnen, gegen die 'Speerspitze' der Nato , die im benachbarten Marienberg stationiert werden soll“, berichtet der Korrespondent. „Erinnert wurde auch an den 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und dem Aufstand der Roten Ruhrarmee vor 95 Jahren. Man geht von einer verschärften Kriegsgefahr aus, was aber viele Menschen noch nicht so sehen.“

In NRW begann der Ostermarsch am Freitag mit 300 Menschen in Gronau. Nach Duisburg und Düsseldorf kamen insgesamt rund 1.000 Demonstranten. Die Radtour von Essen nach Bochum startete mit 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Essen. Insgesamt waren an der Tour 300 Menschen beteiligt - als Radler oder an den Stationen.

„Krieg beginnt hier - stoppen wir ihn hier“ war das Motto des Ostermarsch, in Hannover mit 300 Teilnehmern. Ebenso viele waren es in Bremen, die unter anderem gegen die Osterweiterung der Nato protestierten. In Münster gab es diesmal neben der alljährlichen „Radtour für den Frieden“ eine „Antifaschistische Friedenskundgebung“ von der der Korrespondent berichtet: „Am offenen Mikrophon wurde auf die wachsende Zahl weltweiter Kriege eingegangen und das verstärkte imperialistische Engagement Deutschlands hierbei. Kritisiert wurde die Stadt Münster, die der Nato eine Waffenmesse in der Münsterlandhalle gestatten will. Die SPD, die diese Entscheidung im Stadtrat mitträgt und etwas weiter abseits Werbung für ihren Oberbürgermeisterkandidaten Jochen Köhnke machte, wurde aufgefordert am offenen Mikrofon etwas zu sagen. Doch statt sich zu äußern verließ Köhnke fluchtartig den Platz.“

In Dortmund gehört zu den Ostermarschaktivitäten das Karfreitagsgedenken in der Bittermark. Der Korrespondent schreibt: „Dort wurden kurz vor Kriegsende 300 Antifaschisten und Kriegsgefangene aus vielen Ländern von den Nazis ermordet. In diesem Jahr haben 3.000 Menschen an der Gedenkveranstaltung teilgenommen. MLPD und REBELL haben sich an der Demonstration zum Denkmal beteiligt und einen Kranz niedergelegt. Die große Beteiligung ist auch als Protest gegen die Provokation der Faschisten am 28.3.2015 zu werten und dagegen, dass der Staatsapparat – in diesem Falle vor allem die Gerichte – diese Provokation der Faschisten genehmigt haben.“

In Berlin demonstrierten am 4. April über 1.000 Menschen: „Die MLPD Berlin beteiligte sich mit zahlreichen Genossen und dem Transparent 'Hände weg von Rojava! Freiheit für Kurdistan!' mit dem Bild einer Freiheitskämpferin an der Waffe. Dass es auch eine gerechte Gewalt im Kampf für Freiheit und Demokratie gibt, war einigen neu. Oder hätte die sozialistische Sowjetunion ohne die Rote Armee die deutsche Wehrmacht besiegen können? Das Motto der Berliner Friedenskoordinierung (Friko) zum Ostermarsch 'Die Waffen nieder!' wurde nicht von allen Demonstranten geteilt. Der REBELL warb für das 17. internationale Pfingstjugendtreffen.“