Umwelt

"Deepwater Horizon" - fünf Jahre nach dem Ölinferno im Golf von Mexiko

"Deepwater Horizon" - fünf Jahre nach dem Ölinferno im Golf von Mexiko
foto: US Coast Guard

22.04.15 - Auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass im Golf von Mexiko die vom Öl-Multi BP betriebene Ölplattform "Deepwater Horizon" explodierte. 11 Menschen starben, über 700 Millionen Liter Rohöl und rund 500.000 Tonnen Methangas sprudelten ins Meer – die schlimmste Ölpest aller Zeiten. Rund drei Monate brauchte BP, um das Leck zu stopfen. Millionen Liter Lösungsmittel wurden auf die Ölteppiche gekippt, um das Öl zu binden. Zum Jahrestag ist die Katastrophe in den bürgerlichen Medien nur noch Randthema. Doch die Folgen für die Ökosysteme einer riesigen Region sind immer noch dramatisch.

Der Ölteppich von der Größe Jamaikas verseuchte mehr als 1.000 Kilometer Küste und vergiftete den Lebensraum von mehr als 8.000 Arten. Über 1.000 Delfine starben, tausende Seevögel verendeten mit ölverklebtem Gefieder, Fische und Krebse entwickelten Tumore. Katastrophal waren die Folgen auch für die Menschen in der Region. Viele erkrankten nach Einatmen der verseuchten Luft an der "BP-Grippe", zahlreiche Existenzen in der Fischerei und im Tourismus wurden zerstört.

Und heute – fünf Jahre danach? Das Öl ist immer noch da! Nur rund ein Viertel des Öls konnte abgeschöpft werden, drei Viertel blieben im Ozean. Jean-Michel Cousteau, Sohn des berühmten Meeresforschers Jacques Cousteau, äußerte sich jüngst dazu: "Selbst nach fünf Jahren der Forschung durch öffentliche und private Einrichtungen wissen wir immer noch nicht, wie lange Öl und Lösungsmittel im Golf bleiben werden, wie lange sie in der Nahrungskette bleiben und welche Folgen dies für Mensch und Tier hat" (scinexx.de).

Einiges ist aber schon jetzt klar: Noch immer werden Teerklumpen an die Küste Louisianas geschwemmt – allein im Jahr 2013 zwei Millionen Tonnen. Große Mengen des ausgetretenen Öls haben sich auf dem Meeresboden abgelagert. Jörn Feddern von "Greenpeace": "Dieses Öl bleibt dort Jahrzehnte und gibt nach und nach Gift in die Wassersäule ab." So sind viele Korallen-Kolonien geschädigt, die Meeressäuger leiden unter ernsthaften Lungenerkrankungen und sterben vermehrt. Fünf Jahre sind in einem komplexen Ökosystem nicht mehr als ein Wimpernschlag.

BP dagegen kaufte sich mit rund 20 Milliarden Dollar an Entschädigungen frei, ist munter wieder im Geschäft und scheffelte zwischen 2011 und 2014 Gewinne von über 63 Milliarden Dollar. Das verhinderten weder die zahlreichen BP-Boykottaufrufe wie von den Grünen, von Künstlern wie Lady Gaga oder den Backstreet Boys noch die Aufforderung von "Greenpeace", weniger Erdölprodukte zu verbrauchen. Diese Vorschläge schauen nur auf eine einzelne Katastrophe, ignorieren Zusammenhänge, orientieren auf individuelles Verhalten und kratzen vor allem nicht an den gesellschaftlichen Ursachen: der kapitalistischen Weltwirtschaft mit ihrem gesetzmäßigen Zwang, ihre Maximalprofite durch eine verschärfte Ausbeutung von Mensch und Natur immer weiter zu erhöhen. Mehr zu den Hintergründen erfährt man im Buch "Katastrophenalarm!" (S. 132-150: "Die drohende Gefahr umkippender Weltmeere" und "Zerstörung regionaler Ökosystem und das Artensterben").

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist ein Fanal für den beschleunigten Umschlag in eine globale Umweltkatastrophe. Dagegen braucht es einen international koordinierten Widerstand der Arbeiterbewegung und der Massen, um den Umschlag in die globale Umweltkatastrophe zu stoppen.