Umwelt

Arbeitsplätze und Umweltschutz – nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch"

Arbeitsplätze und Umweltschutz – nicht "entweder oder", sondern "sowohl als auch"
Anti-Kohle-Kette beim Tagebau Garzweiler II (rf-foto)

27.04.15 - Nach eigenen Angaben mobilisierte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) 15.000 Kohlekumpel, Kraftwerksbeschäftigte und ihre Familienangehörigen zu einer Demonstration nach Berlin, die sich gegen die von SPD-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel angekündigte Abgabe für alte Braunkohlekraftwerke richtete. Sie waren mit Bussen vor allem aus dem Rheinland, der Lausitz und Mitteldeutschland angereist. Vielen ist die Umweltproblematik ganz besonders der Braunkohle – schon beim großflächigen Tagebau, vor allem aber beim hohen CO2-Ausstoß – bewusst, doch sie fürchten um ihre Arbeitsplätze.

Ein Korrespondent berichtet: "Die Angst um den Erhalt der Arbeitsplätze treibt die Kumpel und ihre Familien um. Ein Boden, auf dem die Propaganda von Vattenfall, RWE und IGBCE-Führung usw. gedeiht, wonach die Braunkohle unverzichtbar sei. Intensive Überzeugungsarbeit war gefragt beim Verteilen des MLPD-Flugblattes 'Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz'. Stutzig wurde mancher bei der Frage, ob er denn schon einmal erlebt habe, dass die Regierung, egal mit welchem Parteibuch, ernsthaft an die Profite der Konzerne gegangen sei. Vattenfall und Co ruinieren die Umwelt und die Zukunft der Jugend."

Das berechtigte Anliegen des Erhalts der Arbeitsplätze kann deshalb nicht gemeinsam mit den Vertretern der Energiemonopole, SPD- und CDU-Landespolitikern durchgesetzt werden, die auf einmal ihr Herz für die Kumpel entdeckt haben wollen. So saß auf dem Kundgebungspodium RWE-Chef Peter Terium friedlich Seit an Seit neben IGBCE-Chef Michael Vassiliadis. Dieser wetterte hier gegen Arbeitsplatzvernichtung, nimmt aber die vorgezogene Stilllegung des kompletten Steinkohlebergbaus nicht nur stillschweigend hin, sondern unterstützt seine Forcierung, um die Schleusen für das hochgiftige Fracking zu öffnen. Die Klassenzusammenarbeit äußerte sich auch darin, dass nicht nur die Busse nach Berlin kostenlos waren, sondern die Teilnahme an der Demo sogar als Arbeitszeit anerkannt wurde.

Wer kennt so etwas, wenn es darum geht, wirklich den Kampf für den Erhalt von Arbeitsplätzen, die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und Fortschritte im Schutz der natürlichen Umwelt durchzusetzen? Das ist nur im aktiven Widerstand gegen Regierung und Monopole durchsetzbar – und dabei finden sich diese Leute mit unschöner Regelmäßigkeit auf der anderen Seite der Barrikade.

Das ist auch eine Herausforderung an die Umweltschützer, von denen sich 6.000 am gleichen Tag am Tagebau in Garzweiler zu einer "Anti-Kohle-Kette" zusammen fanden. Ihr Anliegen ist völlig berechtigt, die Kohlebagger und den Klimakiller Braunkohle zu stoppen. Der Zusammenschluss der Arbeiter- mit der Umweltbewegung bedeutet auch, die Forderung zu bekräftigen, dass für jeden vernichteten Arbeitsplatz im Kohlebergbau ein entsprechender Ersatzarbeitsplatz angeboten werden muss, dass die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Kumpel auch in vielen anderen Bereichen – so in Umweltschutz und Renaturierung – eingesetzt werden können.

Ein Korrespondent berichtet von der "Anti-Kohle-Kette": "Das Flugblatt der MLPD, das zeitgleich auch in Berlin bei der Kundgebung von IGBCE und Verdi verteilt wurde, stieß auf großes Interesse und Anerkennung. Es gab eine große Zahl sehr offener und engagierter Gespräche, geprägt von der Einsicht, dass der Zusammenschluss von Arbeiter- und Umweltbewegung weltweit ein dringendes Ziel ist, dass soziale Frage und Umweltfrage eng verbunden sind.

Der Kampf für eine sozialistische Gesellschaftsordnung, in der die Einheit von Mensch und Natur gesellschaftliche Leitlinie ist, war eine teils kontrovers diskutierte, aber für alle spannende Frage. Die Ende November gegründete Umweltgewerkschaft war noch kaum bekannt, der Grundgedanke stieß auf viel Zustimmung. Manches Vorurteil über angeblich 'kritiklose Arbeiter, denen es nur um ihren Job geht' konnte ausgeräumt werden ... .

Viel Beifall bekamen Gloria Holguin aus Kolumbien und Professor Michael Hendryx aus den USA. Sie berichteten über den Kampf der Bergleute und Landbevölkerung in Kolumbien gegen die massive Landschaftszerstörung und Gesundheitsschäden durch den Steinkohle-Tagebau in diesen Ländern. In den Appalachen im US-Bundesstaat Virginia werden mit dem 'Mountain-Top-Mining'-Verfahren ganze Berggipfel weggesprengt, um dann das Bergesinnere im Tagebau auszukohlen."

Das Buch "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung von Mensch und Natur?" wurde bei beiden Aktionen diskutiert – und war dem/der ein oder anderen Teilnehmer(in) der Demonstration bereits bekannt. Die MLPD verteilte bei beiden Aktionen besagtes Flugblatt zur Einheit von kämpferischer Arbeiter- und Umweltbewegung mit der Überschrift: "Nehmen wir die Verantwortung für künftige Generationen wahr: Kampf um Arbeitsplätze und Umweltschutz!"