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Zweitägiger Warnstreik bei der Berliner Charité

Zweitägiger Warnstreik bei der Berliner Charité
Warnstreik bei der Charité Berlin

Berlin (Korrespondenz), 06.05.15: Zwei Tage lang wurde am 27. und 28. April ganztägig an allen drei Standorten der Charité Berlin gestreikt. Die Streikbeteiligung war groß. Einige Stationen blieben ganz geschlossen, etliche arbeiteten mit Notbesetzungen, sodass es zur Sperrung von ca. ein Viertel der Betten der Charité kam. Was die kämpferischen Schwestern, Pfleger, Arbeiter, Angestellte und einige Ärzte auf die Beine gestellt haben, war ein eindrucksvoller Warnstreik für die ver.di-Forderungen gegen die unerträglichen Arbeitsbedingungen in der Klinik: Keine Nacht allein!

Auf den Intensivstationen soll eine Pflegekraft künftig maximal 2 Patienten betreuen, auf den Normalstationen 5 Patienten. Aktuell liegt das Verhältnis oft bei 1:12. Weiter wurden Forderungen aufgestellt zur Aufstockung des Personals in vielen Charité Bereichen. Die Charité-Leitung jammert die benötigten 600 Zusatzkräfte würden jährlich "unbezahlbare" 30 Millionen kosten. Die Kollegen sagen "das ist ja ein lächerlicher Betrag", verglichen mit den 17 Millionen, die die Großbaustelle BER (Flughafen) den Steuerzahler monatlich kostet.

Dennoch hetzte der ärztliche Direktor Ulrich Frei gegen die Streikenden mit den Worten, sie nähmen die Patienten "in Geiselhaft". Ein Kollege erklärte dazu: Andersherum wird ein Schuh draus. Die Beschäftigten werden von den Arbeitsbedingungen in Geiselhaft genommen und die Patientenversorgung gleich mit. Eine dieser "Geiseln" war einer der "Rote Fahne"-Verkäufer am Klinikum Benjamin Franklin, der dort selbst mehrmals Patient war. Er versicherte den Streikenden am offenen Mikrophon die Unterstützung und volle Solidarität der MLPD.

Die Zustimmung der Bevölkerung für die Kampfmaßnahmen ist groß. Mehrere Redner forderten. Schluss mit der Profitmacherei im Gesundheitswesen! Die Vorstellung aber, einen so profitträchtigen Bereich wie das Gesundheitswesen "ausgliedern" zu können aus den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus, ist eine Illusion.