Umwelt

Der "Petersberger Klimadialog" - täuschen und tarnen im Interesse der Maximalprofite

Der "Petersberger Klimadialog" - täuschen und tarnen im Interesse der Maximalprofite
Vom "Petersberger Klimadialog" wird auch diesmal vor allem viel heiße Luft zu erwarten sein - und das ist wörtlich zu nehmen (foto: BPA/Steffen Kugler)

19.05.15 - Am heutigen Dienstag sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel beim "Petersberger Klimadialog" vor, der als Vorbereitung des Weltklimagipfels am Jahresende in Paris gedacht ist. Bereits im Vorfeld dämpfte ihre Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) die Erwartungen. Man werde wohl bis zum Weltklimagipfel keine ausreichenden Zusagen der Staatengemeinschaft zu den selbst gesteckten Zielen im Kampf gegen die Erderwärmung erreichen. Wahrscheinlich wusste sie schon, was von Merkel und ihrem französischen Kollegen Francois Hollande zu erwarten war: Beide sprachen sich heute allen Ernstes dafür, den Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten auszuweiten als entscheidendes Mittel, den C02-Ausstoß zu senken.

Tatsächlich ist der Handel mit Verschmutzungsrechten als Maßnahme zur Senkung des C02-Ausstoßes längst gescheitert. Es wird weiter eifrig in die Luft geblasen und auf diese Weise noch zusätzlich daran verdient. Das lukrative Geschäft auf Kosten der Umwelt wollen Merkel und Hollande offenbar reanimieren.

Die Folgen der bisherigen Monopolpolitik in Sachen "Umweltschutz" sind nur allzu deutlich sichtbar: Allein in den beiden letzten Wochen gab es zwei extrem starke Stürme bzw. Tornados in Deutschland. Aus der Kleinstadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern berichtete der NDR: "Ringsum gleicht die 8.000-Einwohner-Kleinstadt einem Trümmerfeld. Tausende heruntergefallene Dachziegel liegen zersplittert auf den Straßen, umgeknickte Straßenlaternen, demolierte Autos, zerborstene Scheiben. Es war wohl ein Tornado, der die Stadt derart verwüstete." Ein Tornado mit einer Geschwindigkeit von 200 bis 250 Stundenkilometern hinterließ in der Umgebung von Augsburg in Stettenhofen, Aichach und Affing eine Schneise der Zerstörung. Beides Ereignisse, die es dort bisher nie gab. Die Häufung solcher Stürme sind Merkmale des Übergangs in eine drohende Klimakatastrophe, besonders durch weiter ansteigende Treibhausgase; hier vor allem den CO2-Ausstoß durch fossile Brennstoffe.

Die Bundesregierung versprach bis zum Jahr 2020 eine bereits völlig unzureichende Minderung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent gegenüber 1990. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plante eine Reduzierung um 22 Millionen Tonnen bei der Kohleverbrennung. Das war vor allem den Braunkohle-Energieriesen zu viel Profitverlust. Gestern wurde bekannt, dass Sigmar Gabriel devot gegenüber den Energiemonopolen den Plan um 6 Millionen Tonnen CO2 verringern will. Damit wird der Übergang in eine Klimakatastrophe nicht abgewehrt, sondern beschleunigt. Ihm und allen anderen "Fachleuten" dieses "Petersberger Klimadialogs" ist sehr wohl bekannt, dass es mit den heute bestehenden Möglichkeiten der Umwandlung von Sonnenenergie in Strom keinen technischen Grund gibt, um weiter Öl, Kohle und Gas zu verbrennen.

Der "Petersberger Klimadialog" von Umwelt- und Klimaministern aus 35 Staaten soll uns glauben machen, dass sie hinter verschlossenen Türen irgendeinen Klasse-Dreh finden, mit dem man trotz Wahrung der Maximalprofite für die Monopole die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen aufhalten kann.

Die hauptsächliche Aufgabe der seit 1995 durchgeführten jährlichen pompösen Klimakonferenzen benennt die brisant-aktuelle Streitschrift: "Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?": Das internationale Finanzkapital gibt sich "emsig, kritisch und ökologisch und verhindert zielstrebig wirksame Maßnahmen gegen die Umweltzerstörung" (Seite 233).

Das fordert heraus, über die Profitwirtschaft hinauszudenken, jede Hoffnung auf diese bürgerlichen Politikerinnen und Politiker aufzugeben und sich klar darüber zu werden, wie wir den Kampf zur Verhinderung einer drohenden Klimakatastrophe erfolgreich führen können - international.

Dieses spannende Thema ist eine wesentliche Attraktion des diesjährigen Pfingstjugendtreffens am kommenden Wochenende. Gleich am Samstag findet um 16 Uhr an der Hauptbühne eine Podiumsdiskussion zum Thema "Natur kaputt?! Nicht mit uns!" statt.

Bereits vorher . von 14.30 Uhr bis 15.45 Uhr - findet im Hotspot "Hugo Hauer" eine Veranstaltung mit Stefan Engel, dem Autor des Buches "Katastrophenalarm!" mit dem Schwerpunkt Umweltschutz und Bergbau statt.

Der Schirmherr des Pfingstjugendtreffens 2015 ist Prof. Jean Ziegler aus Genf. Der weltweit bekannten Soziologe und ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung hat sich auch begeistert über das Buch von Stefan Engel geäußert: "Ich habe bei jedem Abschnitt zustimmend genickt."

Das Buch kann hier bestellt werden.