Wirtschaft

Fusion von Karstadt und Kaufhof zur "Deutschen Warenhaus AG"?

Fusion von Karstadt und Kaufhof zur "Deutschen Warenhaus AG"?
Foto: Michael Rennecke (Flickr)

21.05.15 - Der 38-jährige Tiroler Immobilieninvestor René Benko will neun Monate nach der Übernahme der Karstadt-Gruppe von "Heuschrecken"-Investor Berggruen jetzt auch die Metro-Tochter Kaufhof für 2,9 Milliarden Euro aufkaufen. Damit wird ein neuer Anlauf für den länger verfolgten Plan genommen, aus "K und K" eine "Deutsche Warenhaus AG" zu schaffen, die zukünftig weltweit aktiv werden soll. Allerdings hat auch der kanadische Konzern Hudson’s Bay Interesse an der Übernahme von Kaufhof signalisiert. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf angeboten, weil er die Metro auf die Media-Saturn-Elektromärkte und das Geschäft mit den Großmärkten ausrichten will.

Die Fusion würde zu weiteren Schließungen bei den derzeit etwa 105 Kaufhof- und 83 Karstadt-Filialen in Deutschland führen, wenn das die Belegschaften nicht verhindern. Über 50 Filialen standen 2012 bei einem letztlich gescheiterten Kaufgebot von Bergguen auf der Abschussliste. Bürgerliche Experten sehen sogar in Deutschland langfristig höchstens Platz für 60 bis 70 Häuser von Karstadt und Kaufhof zusammen.

Seit 2010 wurden bei Karstadt schon 8.000 der damals 25.000 Beschäftigten 'abgebaut'. Berggruen saugte seit 2010 Jahr für Jahr Millionen von Euro aus der schrumpfenden Belegschaft, und bunkerte die Profite auf den British Virgin Islands. Für einen einzigen Euro vermachte er Karstadt an René Benko. Der wurde im November 2012 wegen Korruption verurteilt, weil er dem früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro Schmiergeld bezahlt hatte. Nach der Karstadt-Übernahme ließ Benko sogleich verlauten, "Wettbewerber" würden "mit über 20 Prozent weniger Personal auf vergleichbarer Fläche" auskommen.

Im Oktober 2014 kündigte er die Schließung von sechs Standorten an, und die Löhne der übrigen Beschäftigten müssten bis zu 340 Euro brutto monatlich gekürzt werden. Das führte zu Empörung der Beschäftigten und der Karstadt-Vorstand musste mit ver.di verhandeln. Am 21. Februar 2015 wurde "ein Durchbruch" bei den Verhandlungen über das "Sanierungsprogramm" gemeldet. Nach Angaben des Betriebsrats wurde die Zahl der geplanten Kündigungen von ursprünglich 2.750 auf 1.400 reduziert. Allerdings wurde der "Rest" durch Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit "abgebaut". Karstadt wäre nun auf einem guten Weg, hieß es.

Aber schon drei Monat später wurde für 2016 die Schließung von fünf weiteren Häusern mit 540 Beschäftigten angekündigt. Dabei sollte es laut Karstadt-Chef Stephan Fanderl auf absehbare Zeit bleiben. Wie viel davon zu halten ist, zeigt nun die geplante Fusion mit Kaufhof und ihre Folgen.

Benko wiederum verspricht eine vierjährige Arbeitsplatz- und Standortgarantie für die Kaufhof-Filialen, um die Beschäftigten ruhig zu halten und die Zustimmung der Gewerkschaft ver.di für die Fusion zu bekommen. Diese "Garantie" sagt aber nichts aus über eine mögliche Arbeitsplatzvernichtung durch die Ausnutzung von Fluktuation, Altersteilzeitregelungen usw. Schon jetzt wird der Wegfall einer der beiden Zentralen an - etwa 1.200 Beschäftigte wären dann betroffen.

Hintergrund dieser geplanten Fusion ist, dass viele Warenhäuser in Konkurrenz um Maximalprofite mit zunehmend international agierenden Einkaufscentern und Online-Händlern stehen. 2012 wurden schon Schlecker und Neckermann "abgewickelt". Durch eine Konzentration in der "Deutschen Warenhaus AG" bei deutlich verschlechterten Lohn- und Arbeitsbedingungen soll nun dem Online-Handel und gleichzeitig den international agierenden nordamerikanischen Warenhäusern sollen weiter Maximalprofite organisiert werden.

Der Konzentrationsprozess des Versandhandels und die Zeit- und Arbeitsersparnis durch das Internet führen unter kapitalistischen Vorzeichen zu Arbeitsplatzvernichtung, Lohnsenkungen und verstärkter Arbeitshetze. Für die Belegschaften bei Karstadt, Kaufhof und im Einzelhandel insgesamt sowie bei den Online-Händlern ist es dagegen dringend nötig, sich konzern- und branchenweit zusammenzuschließen und den Kampf um ihre Arbeitsplätze gemeinsam zu organisieren.

Dabei zeigt sich einmal mehr, dass sämtliche Verträge und Vereinbarungen zur Arbeitsplatz- oder Standortsicherung mit den Kapitalisten, die immer wieder mit Zugeständnissen erkauft werden, das Papier nicht Wert sind, auf dem sie geschrieben sind. Die Bochumer Opel Belegschaft zog daraus den Schluss, sich auf solche Erpressungen nicht mehr einzulassen. In einer Abstimmung lehnten sie im März 2013 den diesbezüglichen Vertrag ab (Opel-Bochum: Belegschaft setzt Zeichen gegen Erpressung). Sie haben sich nicht gebeugt und ein Vorbild gegeben. Auch bei Karstadt und Kaufhof muss der Kampf um jeden Arbeitsplatz organisiert werden.