Politik

Weltfußballverband FIFA im Korruptionssumpf

Weltfußballverband FIFA im Korruptionssumpf
Wütende Fans gehen gegen die FIFA-Zentrale in Zürich vor (foto: screenshot)

28.05.15 - Die Schweizer Kantonspolizei Zürich nahm gestern in einer überraschenden Aktion sieben hohe Funktionäre des Weltfußballverbands FIFA fest. Darunter zwei aktuelle und ein ehemaliger Vizepräsident. Die Festnahmen geschahen auf Bitten der US-amerikanischen Justiz, die gegen 14 hohe FIFA-Funktionäre wegen Bestechlichkeit ermittelt. Sie sollen unter anderem mehr als 100 Millionen Dollar für den Verkauf von Vermarktungsrechten für Turniere in Süd- und Nordamerika kassiert haben. US-Justizministerin Loretta E. Lynch erklärte, es handele sich "um weit verbreitete, systematische und tief verwurzelte Korruption".

Darüber hinaus hat die Schweizer Bundesanwaltschaft bereits am 10. März ein zweites Verfahren eingeleitet. Es geht dabei um den Verdacht der "ungetreuen Geschäftsbesorgung" und um Geldwäsche bei den WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. So soll der ehemalige Vizepräsident der FIFA, Jack Warner, 1,43 Millionen Euro für die Vergabe der Fußball-WM nach Katar kassiert haben. Dort schuften nach wie vor – trotz weltweiter Proteste – wie Sklaven gehaltene Wanderarbeiter aus Asien auf den Baustellen für die WM. Es gab bereits zahlreiche tödliche Arbeitsunfälle. Die FIFA hat zwar versprochen, für Abhilfe zu sorgen, davon kann aber keine Rede sein: Das Kafala-System, das die Arbeiter den Unternehmen bedingungslos ausliefert, ist weiter in Kraft.

Als Reaktion auf die gestrigen Verhaftungen sicherte die FIFA den Behörden zwar Kooperation zu und sperrte elf Funktionäre. Aber ihr Pressesprecher De Gregorio erkläre ungerührt: "Die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 werden in Russland und Katar stattfinden." Auch an einen Rücktritt des Präsidenten der FIFA, Joseph Blatter, sei nicht zu denken. Dabei ist Blatter als Präsident seit 1998 und hochrangiger Funktionär seit 1974 hauptverantwortlich für die Praktiken der FIFA.

Die FIFA war bis in die 1980er Jahre eine Organisation ehrenamtlicher Funktionäre. Unter der Führung Blatters wurde seit 1990 die völlige Unterordnung des Weltfußballs unter die internationalen Monopole wie Coca-Cola, Öl- und Automobilkonzerne (Hyundai) und andere durchgesetzt. Die Abzocke läuft neben dem Kartenverkauf vor allem über "Lizenzgebühren". In Südafrika 2010 und in Brasilien 2014 wurden jeweils bis zu 100.000 Straßenhändler von den exklusiven Verkaufszonen der FIFA ausgeschlossen. Jede Ware, auf die ein WM-Emblem gedruckt werden kann, wurde von wenigen "Sponsoren" vermarktet, die einen Riesen-Reibach machten.

Auch sind die Fußball-WMs zu gigantischen Objekten der Spekulation geworden. Kostete die WM in Südafrika im Jahre 2010 noch 6 Milliarden Euro, waren es 2014 in Brasilien geschätzte 11,5 bis 15,5 Milliarden. Zur Rechtfertigung hieß es, das würde zu zahlreichen Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Kultur führen. In Brasilien war davon nichts zu sehen. Ausbau von Krankenhäusern und Schulen? Fehlanzeige! Massenweise gab es dagegen Zwangsumsiedlungen wegen des ausufernden Straßenbaus. Riesengewinne strichen dagegen Baukonzerne und Banken ein.

Das fußballbegeisterte Publikum rund um den Globus weiß gut zu unterscheiden zwischen dem Fußball als Sport und der rücksichtslosen Profitmacherei damit. Deshalb ist FIFA-Chef Joseph Blatter rund um die Welt bei den Fußballfans verhasst. In den Stadien Brasiliens hatten die TV-Regisseure Anweisung, Blatter nicht auf die Großleinwand zu übertragen, weil dann ein gellendes Pfeifkonzert ausbrach. "Wir lieben Fußball, wir hassen die FIFA!" wurde zu einem weltweiten Slogan. Das kapitalistische System degradiert die Freude an der Bewegung und am Spiel zu einer Ware, mit der Maximalprofite eingefahren werden.