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Begeisterndes Fest der Internationalen Solidarität

Begeisterndes Fest der Internationalen Solidarität
Übergabe der ICOR-Fahne (rf-foto)

06.06.15 - Das Internationale Solidaritätsfest für den Wiederaufbau von Kobanê in und auf dem Gelände der „Horster Mitte“ ist heute morgen mit großem Programm, Publikum aus der Stadt, der Region, ganz Deutschland sowie zahlreichen internationalen Gästen gestartet. Bei schönen Sommertemperaturen wurde das Fest um 10 Uhr von Monika Gärtner-Engel, als Stadtverordneter von AUF Gelsenkirchen, Erkan Özger, von der Mesopotamischen ökologischen Bewegung und Peter Weispfenning, Internationalismus-Verantwortlicher der MLPD eröffnet. (mehr dazu)

Mehrmals wurde mit Gedenkminuten der Todesopfer und Verletzten der faschistischen Anschläge auf den Wahlkampf der "Demokratischen Partei der Völker" (HDP) in der Türkei gedacht. Zuletzt gab es in Diyarbakir am gestrigen Freitag einen Anschlag mit mehren Toten (Faschistischer Anschlag auf Kundgebung der HDP in Diyarbakir). Die HDP ist ein bedeutender Zusammenschluss demokratischer, fortschrittlicher und revolutionärer Organisationen aus der Türkei und Kurdistan.

Um 13 Uhr wurde die ICOR, die Internationale Organisation revolutionären Parteien und Organisationen vorgestellt. Dabei wurde auch die ICOR-Fahne offiziell einer Delegation des "Kongreß der demokratischen kurdischen Vereinigungen in Europa" (KCD-E) überreicht. Der kurdische Dachverband ist seit Montag offiziell als 49. ICOR-Organisation bestätigt. Riesenjubel und eine spontaner Halay-Tanz feierten diesen Schritt. (Video)

Yilmaz Gültekin vom KCD-E war ebenso bewegt wie mehrere Hundert Anwesende. "Die ICOR wird gestärkt durch die kurdischen Organisationen," so Yilmaz Gültekin, "und der Kampf in Kurdistan wird gestärkt durch die ICOR. Er wird solange dauern, bis der Kapitalismus und Faschismus in jedem Land besiegt sind." In wenigen Worten fassten Peter Weispfenning und Joachim Griesbaum einen Grundgedanken der ICOR zusammen: "Wo Revolutionäre Hilfe und Solidarität brauchen, müssen sie sie bekommen. Deshalb sendet die ICOR auch Wiederaufbau-Brigaden nach Kobanê. Internationale Brigaden, das ist ICOR!"

Peter Weispfenning berichtete, wie nach dem Sieg über die IS-Faschisten mit dem Wiederaufbau von Kobanê eine vielleicht noch schwierigere Aufgabe zu lösen ist. Er erklärte, dass der Beitrag der inzwischen 115 Brigadistinnen und Brigadisten aus Deutschland, in Kobanê ein Gesundheitszentrum mit Arztpraxis, Operationssaal, Röntenabteilung usw. aufzubauen, ein Pilotprojekt besonderer Art ist: „Erstmalig wird ein Neubau in Kobanê erstellt, das hat bisher noch keine der dort tätigen Hilfsorganisationen geschafft!“ Sechs weitere ICOR-Organisationen haben inzwischen ihre Beteiligung an den Brigaden angekündigt. Brigadistinnen und Brigadisten kommen inzwischen von allen Kontinenten außer Australien.

Zuvor war im Saal der "Horster Mitte" der Film "Überleben in Stalingrad" aus der Serie "Der unvergessene Krieg" gezeigt worden. Der heldenhafte Widerstand der Menschen in der sozialistischen Sowjetunion mit der Schlacht um Stalingrad war auch ein Vorbild für die Verteidigung von Kobanê. Der britische Premierminister Churchill machte damals den Vorschlag, die zerstörte Stadt Stalingrad in Trümmern zu lassen, "als Mahnmal". Doch die Sowjetbürger brauchten Stalingrad. Und so wurde es in jahrelanger Arbeit - unterstützt durch junge Kommunisten verschiedener Nationalitäten - wieder aufgebaut.

40 bis 50 Gäste zählte die Podiumsdiskussion für eine solidarische Willkommenskultur, die das Projekt einer Unterkunft für syrisch-kurdische Flüchtlinge in Thüringen vorstellte. Rund 25 Interessierte tauschten sich über kommunalpolitische Initiativen im Zusammenhang mit der Kobanê-Solidarität aus, die in den Räumen des Willi-Dickhut-Museums stattfand. 20 Menschen informierten sich schon Vormittags bei Treffen des Nationalen Solidaritätskomitee für den Wiederaufbau von Kobanê.

20 Besucherinnen und Besucher hörten bei einer Veranstaltung der ATIK von einem der größten europäischen sogenannten "Anti-Terror-Einsätze" am 15. April 2015. Dabei wurden in mehreren Ländern 12 Genossinnen und Genossen der ATIK verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen Mitglied der TKP/ML zu sein. Einer revolutionären Partei, die in Deutschland überhaupt nicht verboten ist. Trotzdem sind allein hier sieben Genossinnen und Genossen seit April in Haft.

Etwa 200 Menschen folgten gespannt den Berichten und diskutierten anschließend engagiert die Bauplanung des Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobanê. Dieses Zentrum wird mit autarker Energieversogung und bisher über 100 Beratern von den ICOR-Brigaden gemeinsam mit Freunden der kurdischen Selbstverwaltung und Nachbarn aus Kobanê aufgebaut. Ein Projekt, wie in einem befreiten, selbstverwalteten Gebiet die medizinische Versorgung in Einheit von Mensch und Natur hergestellt werden kann.Ein Leuchtturm mit internationaler Strahlkraft, so wünscht es sich einer der Podiumsteilnehmer.

Dass es eine hohe Anforderung ist, ein Gesundheits- und Sozialzentrums komplett neu aufzubauen, wurde allen auf der Veranstaltung klar. Ursprünglich war geplant, ein Gebäude zu restaurieren, was so aber nicht umgesetzt werden kann. Deshalb wurde eine weitere, fünfte ICOR-Brigade ab September beschlossen. Riesenapplaus als Monika Gärtner-Engel, stellvertretende MLPD-Vorsitzende und Mitinitiatorin dieses Projektes, feststellte: „Wir werden das Projekt auf jeden Fall zu Ende bauen!“.

In wenigen Minuten beginnt die große Podiumsdiskussion mit Stefan Engel, dem Hauptkoordinator der ICOR und Vorsitzendem der MLPD, Yüksel Koc vom KCD-E und Nav-Dem, Erkan Özger von der Mesopotamischen Ökologischen Bewegung aus Amed (Diyarbarkir), Xeser Bereket von der syrisch-kurdischen Partei PYD und Inessa Kober vom Jugendverband REBELL.

Derzeit läuft das vielfältige Programm weiter, der „Spendenturm“ mit dem Ziel von 20.000 Euro für die Brigadeneinsätze zeigt um 16 Uhr bereits den Pegel von 10.000 Euro. Geldspenden, Werkzeugspenden, Medikamente und medizinische Geräte können hier noch bis Ende der Veranstaltung abgegeben werden. Immer wieder gibt es Programm auf der Bühne. Unter anderem begrüßte auch der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei in Gelsenkirchen, Martin Gatzenmaier die Festbesucher. Kurdische Lieder rührten die Herzen ebenso wie die Worte, die die Schwester von Leyla Saylemez an das Fest richtete. Leyla Saylemez ist eine der drei kurdischen Revolutionärinnen, die 2013 in Paris ermordet wurden.

Vereine und Initiativen informieren an zahllosen Ständen in und um das Gebäude. Der Platz füllt sich seit Mittag immer mehr: kurdische, türkische, deutsche und Menschen vieler weiterer Nationalitäten feiern gemeinsam, genießen Spezialitäten aus vielen Ländern und leben internationale Solidarität.

Es lohnt auf jeden Fall, sich noch auf den Weg zu machen. Das besondere Highlight der feierlichen Verabschiedung der Brigadistinnen und Brigadisten um 19 Uhr für ihren Einsatz nach Kobanê wird sicher unvergesslich. Ab 19:45 Uhr beginnt das Musik- und Tanzprogramm mit hervorragenden kurdischen Musikern und Bands aus dem Revier bis Mitternacht.