Politik

"Hier wächst etwas Neues zusammen, das kann man richtig spüren"

"Hier wächst etwas Neues zusammen, das kann man richtig spüren"
Kämpferische Stimmung auf der ver.di-Demo in Dresden. Foto: rf-foto

Dresden (Korrespondenz), 13.06.15: Unter dem Motto: "Aufwerten jetzt - wir bleiben dran!" fand heute in Dresden eine der bundesweit vier Kundgebungen von ver.di und DGB statt. 2.500 Kolleginnen und Kollegen aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin folgten dem Aufruf.

Neben den Kolleginnen und Kollegen der sozialen und erzieherischen Berufe kamen auch Beschäftigte von Amazon Leipzig und aus dem Einzelhandel. Die streikenden Kolleginnen und Kollegen der Post wurden begeistert begrüßt, ihr Streiklokal war mitten auf dem Kundgebungsplatz.

Im Aufruf von ver.di zu dieser Aktion heißt es: "... 69 Prozent der Bevölkerung haben aktuellen Umfragen zufolge Verständnis für die Streikenden. Viele sehen: Eine Aufwertung dieser sozialen Berufe ist überfällig. Dabei geht es zugleich auch um die berechtigte Aufwertung typischer Frauenberufe. Im ganzen Land ist eine breite Bewegung für eine deutlich bessere Bezahlung der Arbeit am und mit Menschen entstanden. Kitas sind heute wichtige Bildungseinrichtungen. Und auch in der Sozialarbeit und in der Behindertenhilfe wird anspruchsvolle und gute Arbeit verlangt."

Genauso war die Stimmung: kämpferisch und selbstbewusst bekräftigten die Anwesenden ihre Forderungen. In vielen Gesprächen äußerten sie aber auch Kritik, dass durch die Schlichtung der Streik jetzt erst mal abgewürgt wurde. Die Kolleginnen berichteten, dass sie gar nicht wussten, dass die Gewerkschaft jetzt einer Schlichtung zugestimmt hätte - sie wären gerne gefragt worden!

Vier Wochen Streik - vier Wochen Solidarität von Kollegen, Eltern, Nachbarn usw. Eine neue und sehr positive Erfahrung, die den Kampfgeist und das Selbstbewusstsein der Streikenden sichtbar erhöht hat!

Die Kollegen der Post berichten, dass die von der Auslagerung betroffenen Beschäftigten 36 Prozent weniger Lohn erhalten sollen, kein Weihnachtsgeld mehr und schon gar keine Beschäftigungsgarantie. Die Post holt Streikbrecher aus Polen und übt massiv Druck auf die Streikenden aus, wurde uns berichtet. "Das schweißt uns aber noch mehr zusammen, wir lassen uns nicht erpressen", berichtet ein Teilnehmer.

Berechtigte Kritik hatten die Kollegen daran, dass außer ver.di und der GEW keine weiteren Gewerkschaften teilnahmen. Die Notwendigkeit, dass die Gewerkschafter zusammen stehen und die Gewerkschaften zu Kampforganisationen werden, fand eine große Mehrheit. So konnten zwei Teilnehmer in nur zwei Stunden über 100 Unterschriften für die Petition "Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens" sammeln - ein Ausdruck für den Wunsch nach kämpferischen Gewerkschaften! Weiterhin wurden noch über 30 Unterschriften für die Petition "Öffnet die Grenzen - Kobane muss leben!" gesammelt und mehrere Exemplare der "Rote Fahne" verkauft.

"Hier wächst etwas Neues zusammen, das kann man richtig spüren" - das war das Resümee einer teilnehmenden Erzieherin nach der Kundgebung.

Für die heutige ver.di-Demonstration in Köln hat die Landesleitung der MLPD Nordrhein-Westfalen eine Solidaritätserklärung geschrieben (sie steht hier im pdf-Format zum Download und Ausdruck).