Betrieb und Gewerkschaft

Stolze Kolleginnen und Kollegen bei Streik-Aktiven-Versammlung

Hamburg (Korrespondenz), 11.06.15: „Habt ihr euch wieder vertragen?!“ fragten die Kinder, als ich wieder in die KiTa kam. Am Dienstagabend trafen sich im Gewerkschaftshaus ErzieherInnen und Beschäftigte im Sozialdienst zu einer ersten Versammlung seit der Streik ausgesetzt wurde. Eingeladen hatte die Gewerkschaft ver.di, die mit etwa 50 Leuten rechneten – es kamen über 200!

Auf der Tagesordnung stand ein Bericht der Tarifkommission Hamburg der Streikdelegierten, sowie ein Erfahrungsaustausch über die ersten Arbeitstage in den Einrichtungen. Vier Wochen Streik im Erziehungsdienst, das hatte allen - Streikenden und Eltern - viel abverlangt.

Die Stimmung unter den Versammelten war sehr kämpferisch, für sie steht fest: "der Streik ist nur ausgesetzt – wir haben nicht vier Wochen umsonst gestreikt!" In den ersten Tagen nach dem Streik waren sie mit unterschiedlichen Reaktionen konfrontiert. Beim größten Träger in Hamburg, "Elbkinder" wird seitens der Geschäftsführung auf vielerlei Art Druck auf die Beschäftigten ausgeübt: So hatte der Träger während des aktiven Streiks verboten, ver.di-Infos an die Eltern auszuhängen. Aktuell wurden alle Fortbildungs-, Studientage und alle Betriebsausflüge auf Eis gelegt – die Kolleginnen und Kollegen hätten genug "frei" gehabt. Gespräche über den Streik "sind untersagt". Überall wurden Eltern- bzw. Grillabende angeordnet, teilweise dürfen die Streikenden nicht teilnehmen, andere mussten sich rechtfertigen. Der Druck wirke in die Teams und würde teilweise von Leitungen weitergegeben. Da tut es gut, dass einige Eltern sich einfach freuten, dass die KiTa wieder offen hat, ebenso wie die Kinder.

Die Versammlung zeichnet ein lebendiges Bild vom Kampf in den Köpfen der Kolleginnen und Kollegen. Man merkt, dass die Streikenden in diesen Wochen zusammengewachsen sind, dass sie stolz und selbstbewusst auch den Kampf am Arbeitsplatz aufnehmen. Denn sie wissen, worum es geht – sie haben die Nase voll von Personalmangel, Überlastung und Druck. Der Bericht der Vertreterinnen von Tarifkommission und Streikdelegierten wurde lebhaft mit Fragen begleitet und kommentiert! So sollen laut Arbeitgeber Kinderpflegerinnen erst dann höhergruppiert werden, wenn sie 120 Stunden Fortbildung absolviert hätten. "Ich arbeite seit 23 Jahren als Kinderpflegerin und mache die gleiche Arbeit wie die Erzieher- und Erzieherinnen zu geringerem Lohn. Ich kriege soooo einen Hals, wenn ich das höre! 120 Stunden – dafür brauche ich sieben Jahre!" Applaus!

Es herrscht solidarischer Zusammenhalt aller anwesenden Berufsgruppen und Leitungen. Sie alle streiken für Aufwertung ihrer Arbeit! In der jetzigen Phase muss sicher die Wachsamkeit ausgerichtet werden, dass der Schlichterspruch, der bis Mitte Juni erwartet wird, keine Spaltung bedeutet. Und für Hamburg ist die bundesweite Verhandlung erst der Anfang, da hier nicht der Tarifvertrag Öffentlicher Dienst, sondern ein eigener Tarifvertrag der "Arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg e.V." gilt.

Am Donnerstag gibt es erst einmal eine Streikparty! Und am Samstag, 13. Juni, geht es nach Hannover zur Solidaritätsdemo und Kundgebung mit Familienfest! "Wir erwarten von der Schlichtung ein Ergebnis, das zur Aufwertung führt!" ist das Motto.