Politik

Streik bei der Post ausgeweitet: "Ich kämpfe für die Jüngeren"

Streik bei der Post ausgeweitet: "Ich kämpfe für die Jüngeren"

13.06.15 - "Der Stress ist schlimmer als ein Hundebiss", so begründet ein Post-Mitarbeiter aus Waiblingen in der "Südwestpresse" am 11. Juni seine Teilnahme am unbefristeten Streik der Post-Beschäftigten. Bis gestern waren etwa 17.800 Postlerinnen und Postler in ganz Deutschland einbezogen, davon allein 4.500 in Nordrhein-Westfalen. Der Zeitdruck für die Postler ist krass gestiegen. Durch massenhafte Bestellungen und Lieferungen über online-Handel sind immer mehr schwere Pakete, auch von Briefzustellern, zu bewältigen. Neben mehreren hundert Briefen muss mancher Briefträger täglich rund 80 Pakete austragen.

Ein befristet eingestellter Jugendlicher berichtet aus Albstadt: "Gestern streikten die Briefträger bei uns, die Beteiligung ist gut – allerdings sind hier Briefträger und Paketzusteller getrennt. Paketzusteller waren nicht einbezogen. Die Fluktuation bei uns ist ziemlich hoch, von Bezirk zu Bezirk wird unterschiedlich gestreikt." Viele ältere Postler streiken ausdrücklich für schlechter bezahlte Kollegen. "Ich kämpfe für die Jüngeren", betont der Kollege aus Waiblingen.

Seit dem 1. April wird den mit befristeten Verträgen gehaltenen Paketzustellern der Post nur noch ein Vertrag mit der DHL Delivery angeboten (siehe auch "rf-news" vom 9.6.15). Das heißt: Von Jahr zu Jahr wachsende Lohnverluste in Höhe mehrerer tausend Euro im Jahr. In der "BürgerPost" des ver.di-Landesbezirks  Baden-Württemberg heißt es dazu: "Der Vorstandsvorsitzende Frank Appel aber ließ seine eigenen Bezüge auf 9,6 Millionen Euro im Jahr erhöhen." Und weiter: "Wir sind uns darüber im klaren: Was uns gerade passiert, passiert tagtäglich in diesem Land. Mit Austöchterungen und Verlagerungen, Leiharbeit, Werkveträgen, Kettenbefristungen und sonstigen Tricksereien werden die Löhne für die Arbeitenden gesenkt, um noch mehr Profit aus ihnen herauszupressen. Aber das bestärkt uns nur darin, klar und deutlich zu sagen: Schluss damit!"

Der Landesbezirksfrauenrat von ver.di betont: "Viele Frauen bei der Post arbeiten in Teilzeit und sind von dieser Abwärtsspirale stark betroffen." Der Druck gegen die Teilnahme am Streik vor allem auf die Jüngeren ist groß, weil viele befristete Verträge haben. Um so wichtiger ist es, die Einheit von Jung und Alt zu festigen, junge Postler in der Gewerkschaft und im REBELL zu organisieren.  

Die Forderung von ver.di nach einer Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich geht in die richtige Richtung. Schon lange tritt die MLPD für die weitergehende offensive Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein, die inzwischen auch von vielen kämpferischen Gewerkschaftern befürwortet wird. Sie ist eine Antwort auf die Verschärfung der Ausbeutungsschraube in allen Betrieben und Branchen und dient der Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze. Sie ist geeignet, die Kämpfe konzern- und branchenübergreifend zu verbinden, z.B. derzeit mit denen der Siemens-Beschäftigten (siehe auch Bericht von heutiger ver.di-Kundgebung für Erziehungs- und Sozialdienst). Und sie orientiert darauf, dass der große Produktivitätsfortschritt auch den arbeitenden Menschen zugute kommen soll - was umfassend erst in einer sozialistischen Gesellschaft möglich sein wird.

Die Solidarität mit dem Postlerstreik ist für die  MLPD selbstverständlich. Die Situation im Postversand wirft auch die Frage nach der grundlegenden Einheit von Mensch und Natur auf. Auf Kosten der Postler wird im Kapitalismus von den internationalen Übermonopolen ein Transportsystem forciert, das immer mehr unnützen Brief- und Paketverkehr mit sich bringt. Im Sozialismus kann ein modernes umweltschonendes Transportsystem auf neuestem technischen Stand unter größtmöglicher Schonung der natürlichen Resourcen und der Gesundheit der Beschäftigten entwickelt werden.