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Tote und Verletzte bei Massenprotesten gegen Bildungspolitik in Chile

Tote und Verletzte bei Massenprotesten gegen Bildungspolitik in Chile
Die der ICOR angehörende chilenische PC(ap) (Kommunistische Partei – proletarische Aktion) unterstützt aktiv die Bildungsproteste, fordert darüber hinaus eine Volksversammlung für eine neue Verfassung unter der Losung "Volksdemokratie und Sozialismus"

12.06.15 - Zum vierten Mal in nur einem Monat beteiligten sich am 10. Juni in Chile hunderttausende Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrerinnen und Lehrer an Massendemonstrationen und Streiks gegen die Bildungspolitik der Regierung. Mit Härte geht der Staatsapparat gegen rebellierende Jugendliche vor. Das ist ein neuer Höhepunkt in der seit 2011 anhaltenden Protestbewegung gegen das von der Pinochet-Diktatur geprägte Bildungssystem in Chile. Nach dem faschistischen Putsch im September 1973 hatte eine radikale Privatisierung des Bildungswesens eingesetzt – die staatlichen Schulen verkamen, die Familien müssen seither horrende Schul- und Studiengebühren aufbringen.

Gefordert wird die Abschaffung der Gebühren an Schulen und Hochschulen und der offene Zugang zu allen Bildungseinrichtungen – unabhängig von den Finanzen der Familien. Genau das hatte die sozialdemokratische Bachelet-Regierung versprochen und belässt es bei kosmetischen Verbesserungen. Dagegen traten gewerkschaftlich organisierte Lehrerinnen und Lehrer im Mai in einen unbefristeten Streik. Neue Demonstrationen wurden organisiert, auch um die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf die südamerikanische Fußball-Meisterschaft Copa América zu nutzen.

In der chilenischen Hafenstadt Valparaiso wurden bei einer dieser Demonstrationen am 4. Juni zwei Studenten erschossen. Nach offiziellen Angaben von einem Hausbesitzer, als sie ein Protestgraffiti an seine Hauswand sprühen wollten. Noch am gleichen Abend wurden in Santiago zahlreiche Plätze besetzt, Kerzen wurden angezündet und hunderte Demonstranten zogen vor das Hauptgebäude der Universität, das von Studierenden seit dem Vortag besetzt war. Sie wurden von Polizei gewaltsam auseinander getrieben.

Am 11. Juni haben erneut 200.000 Menschen in Santiago für eine echte Bildungsreform und gegen den Polizeiterror demonstriert. Wieder ging die Polizei brutal vor, neun Menschen wurden verletzt, 44 festgenommen. Die Studierenden und viele andere, die sie unterstützen, sind entschlossen, den Kampf gegen die Regierung - der damit immer umfassenderen politischen Charakter bekommt - fortzuführen..