Umwelt

Der Papst und die "ökologische Umkehr"

Der Papst und die "ökologische Umkehr"
Papst Franziskus (foto: Casa Rosada)

19.06.15 - Papst Franziskus hat eine neue Enzyklika (Lehrschreiben der katholischen Kirche) zur Umweltfrage veröffentlicht. Darin prangert er Umweltzerstörung, Klimawandel und Konsumrausch an. Sie ist 220 Seiten lang und nimmt zur globalen Umweltkrise aus Sicht des Papstes und der katholischen Kirche Stellung. Sie behandelt wesentliche Faktoren des Übergangs in die Umweltkatastrophe wie die Klimaerwärmung, das Abholzen der Wälder, die Bedrohung der Weltmeere, das Artensterben, den Mangel an sauberem Trinkwasser und fordert einen Paradigmenwechsel - allerdings im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Systems.

"Die Umwelt ist ein kollektives Gut, ein Erbe der gesamten Menschheit und eine Verantwortung für alle", heißt es darin unter anderem. Der Papst bezeichnet den Zugang zu sauberem Trinkwasser als "Menschenrecht". Die Hauptursache für die fortschreitende Umweltzerstörung sieht er im "techno-ökonomischen Paradigma", nach dem alles, was technologisch machbar und ökonomisch sinnvoll - also profitträchtig - ist, auch umgesetzt wird. An anderer Stelle ist zu lesen, dass "das Prinzip der Gewinnmaximierung ... eine Verzerrung des Wirtschaftsbegriffes" sei. Es spiegle sich im verbreiteten Konsumverhalten und der Wegwerfproduktion wider.

Der Papst fordert deshalb, dass sich die Menschheit ändern müsse. Ohne allerdings dazuzusagen, dass die heute Herrschenden und nicht die Massen für die Umweltzerstörung hauptverantwortlich sind. Gewinnmaximierung ist die im Kapitalismus "völlig normale" und einzig mögliche Triebkraft der Wirtschaft. Mit der chronischen Überakkumulation von Kapital wird dies heute auf die Spitze getrieben. Sie hat dazu geführt, dass die fortschreitende Umweltzerstörung und die globale Umweltkrise zu einer Gesetzmäßigkeit des Kapitalismus geworden sind.

Die entscheidende Verantwortung des imperialistischen Weltsystems, das mutwillig den Übergang in die globale Umweltkatastrophe in Kauf nimmt, wird in der Enzyklika verwischt und stattdessen auch den Massen eine maßgebliche Mitschuld daran gegeben. Weltweit wächst aber der Widerstand zur Rettung der Umwelt vor der herrschenden Profitwirtschaft. Die vom Papst geforderte mutige "kulturelle Revolution" wird es jedoch erst geben können, wenn die Machtfrage gelöst ist - im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Paradigmenwechsels im echten Sozialismus.

Die Umweltenzyklika ist auch eine Reaktion der Kirchenführung auf die breite Auseinandersetzung an der Basis der katholischen Kirche, von der viele Mitglieder selbst umweltpolitisch aktiv sind. Zweifellos gibt sie Stoff zu weiteren Diskussionen, nicht nur unter den 1,2 Milliarden Katholiken auf der Welt.

Daran kann in der Strategiedebatte um die notwendige neue Qualität der Umweltbewegung angesetzt werden. Auf die in dieser Debatte aufgeworfenen Fragen gibt die Enzyklika sicher keine ausreichenden Antworten. Im Unterschied zum Buch "Katastrophenalarm!", in dem es klipp und klar heißt: "Entweder vernichtet der Kapitalismus die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit oder die Menschheit überwindet den Kapitalismus und rettet die Umwelt und ihre eigene Zukunft!" (S. 312) Diesem Buch ist gerade unter Menschen katholischen bzw. christlichen Glaubens noch viel größere Verbreitung zu wünschen.