Politik

NSU-Anschläge: Neue Hinweise auf Beteiligung weiterer Neofaschisten und V-Leute

15.06.15 - Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" liegen streng vertrauliche Dokumente vor, die ein neues Licht auf die NSU-Terrorserie werfen. Die faschistischen Hintergründe des Bombenanschlags auf einen Lebensmittelladen in der Kölner Probsteiggasse im Jahr 2001 wurden lange Zeit vertuscht, dann ausschließlich dem NSU zugerechnet. Bei der Explosion eines in einer Christstollendose versteckten Sprengkörpers war eine 19-Jährige schwer verletzt worden.

Als das Bundeskriminalamt 2011 die Ermittlungen gegen den NSU aufnahm, schickte es das Bild an das Bundesamt für "Verfassungsschutz" mit der Bitte um Mithilfe. Daraufhin schrieb die damalige Präsidentin der Behörde, Mathilde Koller, "vertraulich – nur für den Dienstgebrauch" an die Bundesanwaltschaft: Das Phantombild weise Ähnlichkeiten mit dem Neonazi Johann Helfer aus Köln auf. 

Eine Woche später schrieb Koller noch einen weiteren Vermerk, den sie in die höchste Sicherheitskategorie einstufte: "Johann Detlef Helfer ist seit 1989 als Geheimer Mitarbeiter für den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen tätig." Sie verschwieg dabei, dass Helfer im Jahr 1985 wegen eines Sprengstoffdelikts verurteilt worden war. Das ermittelte erst das Bundeskriminalamt. Helfer arbeitete eng mit dem Kölner Neonazi Axel Reitz zusammen. Wie aus den geheimen Dokumenten hervorgeht, hatte Reitz ebenfalls Kontakte zum Umfeld des NSU.

Bereits vom NSU-Mord an einem Internetbetreiber in Kassel wurde bekannt, dass sich ein "Verfassungsschutz"-Agent am Tatort aufgehalten hat, Ähnliches gilt für den Mordfall an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.