Umwelt

Ruinöse Milchpreise treiben Bauern in die Pleite – BDM bereitet Kampfmaßnahmen vor

Ruinöse Milchpreise treiben Bauern in die Pleite – BDM bereitet Kampfmaßnahmen vor
Protest der Milchbauern in Stuttgart im Jahr 2009 (rf-foto)

17.06.15 - Viele Milchviehhalter stehen vor dem Aus. Sie können vom Milchpreis nicht mehr leben. "Rechnungen stapeln sich und können nicht mehr bezahlt werden", so Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), "mit meinen 45 Kühen mache ich derzeit im Monat einen Verlust von 2.000 Euro" ("Wilhelmshavener Zeitung", 16./17. Juni 2015).

In Niedersachsen mussten in den letzten vier Jahren 2.200 Milchbauern aufgeben (16,4 Prozent). Der von Deutschlands größtem Molkereiriesen DMK an die Bauern ausgezahlte Milchpreis ist innerhalb eines Jahres um rund 27 Prozent gefallen – von 39,3 Cent pro Liter auf 28,6 Cent. Besserung ist nicht in Sicht.

Hintergrund dieser dramatischen Entwicklung ist die EU-Politik im Dienste der internationalen Handels- und Agrarmonopole. Im April dieses Jahres wurde europaweit die Milchquote abgeschafft. Weltweit steigt die produzierte Milchmenge. Die Erzeugerpreise fallen. Das ist gezielt herbeigeführtes Agrardumping zur Zerstörung kleiner und mittlerer bäuerlicher Existenzen, nicht nur in Deutschland.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) heuchelt Sorge und orientiert auf den Export von Milch und Milchprodukten. Eine Scheinalternative! Der wichtigste Exportmarkt Russland ist wegen der Sanktionen weggebrochen. Die Nachfrage aus China ist rückläufig.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen hat eine andere Idee. "Weidemilch" heißt sein Zauberwort: "Wir wollen Weidemilch in Niedersachsen zu einem Markenzeichen machen, um die Leistung der Milchbauern zu honorieren, die ihre Kühe auf der Wiese grasen lassen." (www.proplanta.de, 16.06.2015)

Mit dieser Idee befindet er sich in guter Gesellschaft mit Aldi Süd und seiner "bayrischen Bauernmilch". Sie ist seit Montag dieser Woche auf dem Markt. Diese neue Marketingstrategie setzt an dem Wunsch der Menschen nach fairem Handel, artgerechter Tierhaltung – und Einheit von Mensch und Natur an. Die Sache hat einen Haken: der Kunde zahlt 10 Cent mehr pro Liter, der Bauer bekommt aber nur 2 Cent mehr als bisher. Das ist nicht einmal der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein! Im Frühjahr war übrigens Aldi einer der aggressivsten Milchpreisdrücker um 5 Cent.

Auf die Bundesregierung können die Bauern nicht hoffen. Während sie bei der letzten Milchkrise 2009 noch 250 Millionen Euro bekamen, gibt es jetzt nichts. Die Milchbauern wollen ihre drohende Ruinierung nicht tatenlos hinnehmen und sich wehren - bis hin zum Milchstreik. Sie fordern 50 Cent pro Liter Milch und eine Mengenbegrenzung.

Bereits am 1. Juni, dem Tag der Milch, gaben sie mit Mahnfeuern ein Signal ihres Widerstandes. Jetzt soll noch eine Schippe drauf. "Wir schließen keine Maßnahme aus", so BDM-Chef Schaber. Schon beim Milchstreik 2009 kippten die Milchbauern ihre Milch einfach weg.

Der Kampf der Milchbauern verdient unsere volle Unterstützung und Solidarität!

Solidaritätsadressen an den BDM: Bundesverband Deutscher Milchviehhalter Gutenbergstraße 7-9 85354 Freising, E-Mail: infor@bdm-verband.de; Kopie bitte an redaktion@rf-news.de.